22.05.2020 - 21:09

Ist das überhaupt erlaubt? Visier statt Maske: Wem bringt der Plastikschutz wirklich was?

Maske oder Visier? Für die Experten ist die Lage klar.

Foto: imago images / Hans Lucas

Maske oder Visier? Für die Experten ist die Lage klar.

Vermehrt sieht man Menschen mit Plastikvisier vor dem Gesicht statt Mund-Nasen-Maske. In den wenigsten Bundesländern ist das ohne Einschränkung erlaubt. Aber wer darf? Wer sollte? Und vor allem: Wem bringt der Plastikschutz wirklich etwas?

Der Hauptgrund, warum überall in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen derzeit Maskenpflicht herrscht, ist der des Fremdschutzes vor dem Coronavirus: Wenn alle eine solche Maske dort tragen, wo nicht immer Abstand gehalten werden kann, ist allen etwas mehr geholfen. Doch was ist mit Plastikvisieren? Helfen die gegen die Ausbreitung des Coronavirus?

Plastikvisiere statt Maske: Für manche empfohlen!

Es sieht im ersten Moment fast noch befremdlicher aus als eine Mund-Nasen-Bedeckung aus Vlies oder Stoff: Ein gebogenes, transparentes Schild aus Plastik, das mit einem Ring um den Kopf befestigt wird. Die Alternative zum Mundschutz bzw. der Mund-Nasen-Maske wird beliebter, wird das Atmen darunter doch vereinfacht. Das Plastikteil hat Vorteile – aber auch Nachteile.

Klar ist: Nicht jeder verträgt die Masken. Sie durchfeuchten schnell, weshalb man sie eigentlich nur über einen kurzen Zeitraum tragen sollte. Beim Fahren mit den Öffis oder beim Einkaufen ist das meist kein Problem. Doch Menschen, die bei der Arbeit Maske tragen müssen, etwa in Restaurants, tun sich schwer. Zwar könnte und sollte man die Maske auch dann regelmäßig wechseln, doch oft fehlt es an Material. Außerdem schwitzt man auch unter frischen Masken und das Atmen ist zumindest ein wenig eingeschränkt.

Zudem gibt es Ausnahmen der Maskenpflicht für jene, die aus gesundheitlichen Gründen Probleme damit haben. Das sind etwa COPD-Patienten oder solche mit sehr starkem Asthma sowie Menschen mit Demenz oder psychischen Einschränkungen. Hier sind ärztliche Atteste möglich, das Visier ist hier aber immerhin ein Zeichen dafür, dass sie zumindest einen kleinen Teil zum Allgemeinwohl beitragen. Denn der Fremdschutz bleibt beim Visier ein wenig mehr auf der Strecke als bei der Maske.

Außerdem schützt ein Visier auch die Augen, über die Coronaviren und andere Erreger auch eine Eintrittspforte in den Körper finden. Der Träger fasst sich zudem nicht so leicht einfach so ins Gesicht.

Doch das Visier hat Nachteile

Das große Problem aber an Visieren ist, dass die Schutzwirkung nicht hinreichend belegt ist, und zwar in beide Richtungen. Eine Mund-Nasen-Bedeckung gilt bei Privatpersonen nicht dem Eigenschutz sondern dem Fremdschutz und soll da helfen, wo nicht immer auf den viel wichtigeren Abstand geachtet werden kann.

Auch ein Plastikvisier kann Tröpfchen abfangen. Es gibt aber zwei Tröpfchenarten zu unterscheiden, wie etwa der Virologe Alexander Kekulé in seinem MDR-Kompass zu bedenken gibt: So gebe es die großen Tröpfchen, die beim Husten, Niesen und auch beim Sprechen ein Stück nach vorne fliegen und dann zu Boden fallen. Sie bleiben an einem Visier hängen. "Das ist die klassische Tröpfcheninfektion und würde mit dem Visier verhindert", so Kekulé.

Die kleinen Tröpfchen aber, die Aerosole, sind feinste Flüssigkeitströpfchen, die mit Virenpartikeln gespickt sein können. Sie halten sich verhältnismäßig lange in der Luft. Noch immer ist nicht ganz geklärt, wie groß ihre Rolle für Infektionen ist. Kekulé glaubt, sie spielen insgesamt für die Epidemiologie keine große Rolle, obwohl sie in Einzelfällen nachgewiesen worden ist. Ihren Anteil an Infektionen mit Sars-CoV-2 schätzt der Virologe auf zehn bis 20 Prozent.

Die lassen sich am besten verhindern, wenn auf Abstand geachtet wird, und zwar für längere Zeit. Ein Visier schlägt der Experte dann vor, wenn jemand nicht gerade Risikopatienten begegne oder länger mit anderen in einem geschlossenen Raum sei und spreche. Dann aber ist auch eine Maske fraglich.

Gerade bei langen Gesprächen in geschlossenen Räumen oder auch ohne Abstand an der frischen Luft jedoch können sich Aerosole in der Luft anreichern, bestätigt auch Kekulé. Abstand halten ist der beste Schutz gegen das Coronavirus. Aber dann biete selbst ein Zwei-Meter-Abstand keinen ausreichenden Schutz. Und auch kein Visier.

Das Institut für medizinische Virologie der Universität Frankfurt ergänzt, dass so ein Visier eher eine ergänzende Maßnahme sei. Als alleiniger Schutz tauge es nichts, da es kein geschlossenes System sei, heißt es beim "Deutschlandfunk". Das RKI bestätigt: "Die Verwendung von Visieren kann nach unserem Dafürhalten nicht als gleichwertige Alternative zur MNB [Anm. d. Red.: Mund-Nasen-Bedeckung] angesehen werden."

Zusammengefasst: Das sind die Vor- und Nachteile von Visieren

Vorteile:

  • Das Gesicht ist vollständig zu sehen
  • Der Träger kann langfristig besser atmen
  • Die Augen sind besser geschützt
  • Der Träger fasst sich nicht so schnell ins Gesicht
  • Es durchfeuchtet nicht

Nachteile:

  • Das Visier ist noch weniger abgeschlossen als die Maske
  • Es kann beschlagen
  • Eigenschutz ähnlich schlecht wie bei Masken
  • Weniger Fremdschutz als gut sitzende Masken

Warum Masken die bessere Wahl sind

Doch damit die Mund-Nasen-Maske eine bessere Schutzwirkung hat als ein Visier, muss sie richtig angelegt sein: über Mund UND Nase. Dabei sollte sie möglichst eng anliegen, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erklärt. Eine Mund-Nasen-Bedeckung könne die Geschwindigkeit des Atemstroms oder des Speichel-/Schleim-Tröpfchenauswurfs reduzieren, heißt es seitens BfArM. "Visiere dagegen könnten i.d.R. maximal die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen.

Entgegen mancher Meinungen schaden Masken übrigens nicht der Gesundheit, wenn sie korrekt getragen und regelmäßig gewechselt werden: Es sammelt sich z.B. keine gesundheitsschädliche Menge CO2 hinter der Maske. Verglichen damit kann ein nicht gelüfteter Raum nicht nur aufgrund potentieller Virendichte, sondern auch aufgrund des steigenden CO2-Gehalts sogar gefährlicher sein. Auch bei Masken-tragenden Kindern gibt eine Ärztin Entwarnung.

Alle Infos rund um Mund-Nase-Schutzmasken
Alle Infos rund um Mund-Nase-Schutzmasken

Visier als Alternative: Nur in zwei Bundesländern ohne Einschränkung erlaubt

Die meisten Bundesländer lassen Visiere als Alternative zur Atemmaske übrigens nur zu, wenn gesundheitliche Probleme dies erfordern. Erlaubt ist die Alternative nur in Hessen und in Hamburg.

Mehr Artikel rund um das Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen