19.05.2020 - 19:22

Versuch in Großbritannien gestartet Können Hunde Coronaviren "erschnüffeln"?

Labradore haben feine Näschen und lassen sich gut zu Assistenzhunden ausbilden – möglicherweise können sie auch mit dem Coronavirus infizierte Menschen erschnüffeln.

Foto: iStock/bigtunaonline

Labradore haben feine Näschen und lassen sich gut zu Assistenzhunden ausbilden – möglicherweise können sie auch mit dem Coronavirus infizierte Menschen erschnüffeln.

Eine schnelle und sichere Diagnose dank feiner Spürnase unserer besten Freunde? Das wird jetzt in Großbritannien getestet: Hunde können das Coronavirus nämlich möglicherweise riechen. Kritik gibt es trotzdem nicht zu knapp.

Innerhalb von sechs Wochen sollen Assistenzhunde zur Corona-Spürnase ausgebildet werden. Dieses Ziel hat sich die Organisation Medical Detection Dogs in Großbritannien gesetzt. Denn Hunde können das Coronavirus möglicherweise riechen.

Das Ganze funktioniert ähnlich wie bei Krebs, Diabetes oder bakteriellen Infektionen – auch hier ist es Hunden möglich, am Geruch eines Menschen zu erkennen, ob dieser erkrankt ist. Das feine Spürnasen-Können möchte man sich nun auch im Kampf gegen Covid-19 zunutze machen und damit die Kapazitäten bestehender Diagnose-Methoden wie Tests entlasten.

Diagnose: Wie erkennen Hunde Krankheiten – und vielleicht auch das Coronavirus?

Professor James Logan, Leiter der Abteilung für Krankheitsbekämpfung an der London School of Hygiene & Tropical Medicine, findet es naheliegend, dass Hunde ebenso wie andere Erkrankungen auch Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 erschnüffeln können. Denn bei vielen Krankheiten ändert sich unser Körpergeruch. "Wir wissen, dass andere Atemwegserkrankungen ähnlich wie Covid-19 unseren Körpergeruch verändern, sodass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass Hunde diese Gerüche erkennen können."

Christin Hutterer vom Deutschen Assistenz-Hunde-Zentrum erklärt das gegenüber "swr.de" noch genauer: Hunde seien dazu in der Lage, eine veränderte Sauerstoffzusammensetzung im Blut zu erschnüffeln – und zwar allein durch die Atemluft eines Erkrankten.

In vorherigen Studien ließ sich bereits zeigen, dass Hunde die Gerüche von 250 Personen pro Stunde prüfen können und so zielsicher trainiert werden können, dass sie sogar eine Erkrankung in kleinsten Mengen erkennen könnten – im Vergleich etwa, wenn man einen Teelöffel Zucker in einem Schwimmbecken in der Größe von zwei Olympia-Schwimmbecken auflöse. Hunde sind wahre Meister darin, Gerüche zu erkennen – so auch Unterschiede im Körpergeruch von Menschen. Sie müssen nur darauf trainiert werden.

Viruskrankheiten bisher noch nicht im "Schnüffelkatalog"

Allerdings gibt es kritische Stimmen. Denn dass Hunde auch Viruserkrankungen erkennen, ist bisher nicht bekannt. Bei bakteriellen Krankheiten und Krebs ist es so, dass Hunde die Ausscheidung von Bakterien und Krebszellen erriechen können.

Außerdem, so Christin Hutterer, könnten Hunde bisher noch nicht eine durch das Coronavirus ausgelöste Lungenentzündung von einer anderen Pneumonie unterscheiden. Das aber sei ein geringes Hindernis: Denn aktuell rechne man damit, dass die meisten Lungenentzündung zurzeit durch Covid-19 ausgelöst werden.

Herausforderungen: Geruch isolieren und straffer Zeitplan

Eine Herausforderung bleibt aber: Man muss noch überlegen, wie man den Geruch eines Covid-19-Patienten am besten isolieren und dem Assistenzhund präsentieren könne.

Außerdem ist der Zeitplan von nur sechs Wochen recht knapp. Normalerweise brauchen selbst Hunde, die bereits Schnüffelerfahrung mit der Atemluft von Erkrankten aufweisen, etwa zehn bis zwölf Wochen, um einen neuen Geruch zuverlässig zu erkennen, erklärt Katharina Küsters, Sachverständige für Assistenzhunde, gegenüber "swr.de".

Sechs Hunde werden für den Versuch ausgebildet

Dennoch – der Versuch ist es sicherlich wert. Da ist sich auch das britische Gesundheitsministerium sicher, das mitteilt, dass die Wissenschaftler 500.000 britische Pfund an staatlichen Geldern für die Forschung mit den Corona-Schnüffelhunden bekommen.

Sechs Labradore und Cocker Spaniels sollen jetzt trainiert werden. Alle sind bereits ausgebildet im Aufspüren von Malaria und bestimmten Krebsarten. Die Wissenschaftler trainieren die Hunde nun darauf, Geruchsproben von infizierten und nichtinfizierten Menschen auseinanderzuhalten. Da Covid-19-Patienten bereits ansteckend sein können, bevor die Krankheit richtig ausbricht – und auch, wenn sie selbst glimpflich und ohne Coronavirus-Symptome davonkommen, wären Corona-Spürhunde eine echte Bereicherung in Sachen frühzeitiger Diagnose. Damit würden ausgebildete Hunde einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie leisten.

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Quellen:

Pressemeldung der britischen Regierung, swr, de, partner-hund.de, Nachrichtenagentur Reuters, t-online.de

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