Aktualisiert: 28.10.2020 - 10:58

In Finnland schon im Einsatz Tierische Pandemie-Hilfe: Hunde können Coronaviren "erschnüffeln"!

Labradore haben feine Näschen und lassen sich gut zu Assistenzhunden ausbilden – möglicherweise können sie auch mit dem Coronavirus infizierte Menschen erschnüffeln.

Foto: iStock/bigtunaonline

Labradore haben feine Näschen und lassen sich gut zu Assistenzhunden ausbilden – möglicherweise können sie auch mit dem Coronavirus infizierte Menschen erschnüffeln.

Eine schnelle und sichere Diagnose dank der feinen Spürnase unserer besten Freunde? Das wurde bereits in Großbritannien und auch in Deutschland getestet – und in Finnland sind tierische Virenschnüffler bereits im Einsatz! Hunde können das Coronavirus nämlich riechen – bzw. das, was es mit dem Körper macht. Doch deutsche Hunde dürfen noch nicht ran...

Speziell dafür ausgebildete Hunde können das Coronavirus erschnüffeln. Das liegt daran, dass ausgebildete Spürhunde generell diverse Krankheiten bemerken können. Die Organisation Medical Detection Dogs in Großbritannien hatte bereits im Frühjahr damit begonnen, Assistenzhunde zur Corona-Spürnase auszubilden. In einem Projekt in Deutschland haben Soldaten und Wissenschaftler in der Zwischenzeit Hunden beigebracht, die Speichelproben von mit Sars-CoV-2 infizierten Menschen zu erkennen. In Finnland sind die Coronaprofi-Vierbeiner sogar bereits im Einsatz.

Supernasen: Hunde können Coronaviren erschnüffeln

Innerhalb von sechs Wochen sollten britische Assistenzhunde zur Corona-Spürnase ausgebildet werden. Dieses Ziel hatte sich die Organisation Medical Detection Dogs in Großbritannien gesetzt. Das Ganze funktioniert ähnlich wie bei Krebs, Diabetes oder bakteriellen Infektionen – auch hier ist es Hunden möglich, am Geruch eines Menschen zu erkennen, ob dieser erkrankt ist. Das feine Spürnasen-Können will man sich auch im Kampf gegen Covid-19 zunutze machen und damit die Kapazitäten bestehender Diagnose-Methoden wie Tests entlasten.

Ähnlich sind auch in Deutschland Forscher der Tierärztlichen Hochschule Hannover um Holger Volk zusammen mit der Bundeswehr vorgegangen: In der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr in Ulmen in Rheinland-Pfalz sind Spürhunde jetzt in der Lage, Speichelproben von Menschen auf das Coronavirus zu untersuchen – indem sie daran schnüffeln und Alarm schlagen. Djaka, Donnie, Lotta, Luigi und ihre vierbeinigen Kollegen haben nach nur einer Woche bereits gezeigt: Das ist möglich!

Diagnose: Wie erkennen Hunde Krankheiten – und vielleicht auch das Coronavirus?

Professor James Logan, Leiter der Abteilung für Krankheitsbekämpfung an der London School of Hygiene & Tropical Medicine, fand es bereits im Mai naheliegend, dass Hunde ebenso wie andere Erkrankungen auch Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 erschnüffeln können. Denn bei vielen Krankheiten ändert sich unser Körpergeruch. "Wir wissen, dass andere Atemwegserkrankungen ähnlich wie Covid-19 unseren Körpergeruch verändern, sodass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass Hunde diese Gerüche erkennen können."

Christin Hutterer vom Deutschen Assistenz-Hunde-Zentrum erklärte das gegenüber "swr.de" noch genauer: Hunde seien dazu in der Lage, eine veränderte Sauerstoffzusammensetzung im Blut zu erschnüffeln – und zwar allein durch die Atemluft eines Erkrankten.

In vorherigen Studien ließ sich bereits zeigen, dass Hunde die Gerüche von 250 Personen pro Stunde prüfen können und so zielsicher trainiert werden können, dass sie sogar eine Erkrankung in kleinsten Mengen erkennen könnten – im Vergleich etwa, wenn man einen Teelöffel Zucker in einem Schwimmbecken in der Größe von zwei Olympia-Schwimmbecken auflöse. Hunde sind wahre Meister darin, Gerüche zu erkennen – so auch Unterschiede im Körpergeruch von Menschen. Sie müssen nur darauf trainiert werden. Mit Drogen, Sprengstoffen und Co klappt das bei der Bundeswehr und Co übrigens schon lange sehr gut.

Viruskrankheiten bisher noch nicht im "Schnüffelkatalog"

Allerdings gab es schon damals kritische Stimmen. Denn dass Hunde auch Viruserkrankungen erkennen, war bisher nicht bekannt. Bei bakteriellen Krankheiten und Krebs ist es so, dass Hunde die Ausscheidung von Bakterien und Krebszellen erriechen können. Doch es wurden in der Zwischenzeit Erfolge verzeichnet.

Sechs Labradore und Cocker Spaniels sollten in Großbritannien trainiert werden. Alle sind bereits ausgebildet im Aufspüren von Malaria und bestimmten Krebsarten. Jetzt sollen sie Geruchsproben von infizierten und nichtinfizierten Menschen auseinanderhalten können. Und die Hunde in Rheinland-Pfalz? Die zeigten nach dieser einen Woche Training bereits eine Trefferquote von 94 Prozent!

In Deutschland bisher kein Einsatz – aber warum?

Doch seitdem ist einige Zeit vergangen – und noch sind keine Hunde in Deutschland im Einsatz. Aus dem Verteidigungsministerium hieß es zuletzt, in der Praxis setze noch niemand Spürhunde ein. Grund sei, dass die Methode noch nicht reif dafür sei, es seien weitere wissenschaftliche Untersuchungen notwendig.

Das kritisiert FDP-Verteidigungsminister Marcus Faber, der sich kürzlich nach dem aktuellen Stand bei der Regierung erkundigt hatte. Er sagt, es wäre "einfach ärgerlich, wenn man nichts mit dieser besonderen Fähigkeit der Hunde anfangen" würde. Er erwarte ein Konzept für den Einsatz.

Doch das Vorhaben steckt in Deutschland fest: Was in der Praxis noch fehlt ist eine genaue Antwort auf die Frage: Schlagen die Hunde auch auf Grippeviren an? Dann könnte es zu Verwechslungen kommen. Zudem sei noch nicht mit aktiven Viren gearbeitet worden, sondern nur mit im Labor unschädlich gemachten. Dies bedeutet aber, dass Hunde und Halter viel besser geschützt werden müssen als bisher. Dafür wären etwa Sicherheitsgefäße notwendig. Die gibt es zwar, jedoch ist deren Sicherheit noch nicht bestätigt. Zudem macht der Datenschutz Probleme, so dass sich eine Ethikkommission noch mit der Thematik auseinandersetzen muss. Man sieht also: Da kommt noch einiges an Arbeit auf die Verantwortlichen zu.

Finnland ist einen Schritt weiter

In Finnland hingegen scheint das alles kein großes Problem gewesen zu sein: Dort sind ausgebildete Spürhunde schon im Corona-Einsatz. Allerdings, so die deutschen Forscher, habe man dazu keine publizierten wissenschaftlichen Erkenntnisse finden können. Das würde die Lage für die deutschen Wissenschaftler vereinfachen und mehr Klarheit schaffen.

Die Finnen verlassen sich zudem nicht komplett auf ihre Corona-Spürhunde. Auch dort wird weiterhin zusätzlich mit einem PCR-Test getestet.

Deutschland will auf Nummer sicher gehen

Auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung hat das Forscherteam aus Hannover erklärt, dass man die Sicherheit von Mensch und Tier an vorderste Stelle stellen würde. Daher nehme man sich die Zeit, die nun eben gebraucht würde, um das zu gewährleisten. Sie rechnen jedoch nicht mit weiteren Ergebnissen in diesem Jahr.

Da Covid-19-Patienten bereits ansteckend sein können, bevor die Krankheit richtig ausbricht – auch, wenn sie selbst glimpflich und ohne Coronavirus-Symptome davonkommen, wären Corona-Spürhunde eine echte Bereicherung in Sachen frühzeitiger Diagnose. Damit würden ausgebildete Hunde einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie leisten. Doch Hunde und deren Halter müssen selbstverständlich auch geschützt sein.

Bis dahin: So schützen Sie sich vor dem Coronavirus

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