Aktualisiert: 15.05.2020 - 19:12

Nur kleine Chance, es auszurotten WHO: Das Coronavirus verschwindet nicht mehr – aber wir können es kontrollieren lernen

Dr. Michael J. Ryan, WHO-Chef Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesos (M.) und Dr. Maria Van Kerkhove (re.) sind sich einig: Das Coronavirus wird wohl bleiben.

Foto: imago images / Xinhua

Dr. Michael J. Ryan, WHO-Chef Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesos (M.) und Dr. Maria Van Kerkhove (re.) sind sich einig: Das Coronavirus wird wohl bleiben.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht aus, was schon im Raum stand: Das Coronavirus Sars-CoV-2 wird wohl nie wieder ganz verschwinden. Aber wir können damit leben lernen und es kontrollieren. Doch das bedarf Arbeit.

Die schnelle und weltweite Ausbreitung des Virus ist Schuld: Ein Experte der WHO geht im Einklang mit vielen Kollegen aus der Wissenschaft davon aus, dass das Coronavirus Sars-CoV-2 wahrscheinlich für immer bleiben wird.

“Dieses Virus kann in der Bevölkerung heimisch werden, es kann sein, dass es nie mehr verschwindet”, erklärte Michael Ryan, Epidemiologe und Nothilfekoordinator der WHO, Mitte Mai in Genf.

“Das Coronavirus bleibt wahrscheinlich” – damit wäre es nicht das erste

Damit wäre das neuartige Coronavirus nicht das erste Virus, das plötzlich auftaucht, um zu bleiben. Irgendwann ist jedes Virus einmal entstanden. Manche verschwinden wieder, wie Sars-CoV-1, oder kurz “Sars”, das 2002/03 in China ausgebrochen war, aber eliminiert werden konnte.

Doch andere Viren, etwa HIV, das die Immunschwächekrankheit Aids auslöst, kamen irgendwann und blieben. Ryan:“HIV ist nicht verschwunden – aber wir kommen damit klar.” Wir können es mittlerweile im Körper unterdrücken. Zudem gibt es Präventionsmaßnahmen. Das HI-Virus hat daher seinen Ruf als unheilbares Monster etwas eingebüßt. Ähnlich könnte es aber auch mit dem Coronavirus laufen.

Kleine Chance der Ausrottung

“Ich will die Krankheiten nicht vergleichen, aber wir müssen realistisch sein”, so Ryan. Es gebe zwar eine kleine Chance, Sars-CoV-2 und damit auch die Krankheit Covid-19 auszurotten. Aber dafür müsse ein hocheffektiver Impfstoff gefunden werden, der in ausreichendem Maße hergestellt und in aller Welt verteilt werden könne. Und dazu, so Ryan, müssten auch alle Menschen einverstanden sein, sich impfen zu lassen. “Jeder einzelne dieser Schritte ist voller Herausforderungen.”

Im Gespräch kritisierte er die weit verbreitete Impfskepsis, aber auch die fehlenden Mittel für gute Gesundheitssysteme in vielen Gegenden weltweit. “Wir haben ja sehr effektive Impfstoffe auf diesem Planeten”, sagt er. Die habe man aber nicht effektiv eingesetzt und blickt dabei auf die hochansteckenden Masern: Denn seit einigen Jahren steigt die Zahl der Masernfälle wieder in Teilen der Welt – auch dort, wo sie bereits als ausgerottet galten.

Kurzer Rückblick: Im Jahr 2018 starben geschätzt 140.000 Menschen an den Folgen der Masern, meist Kinder unter fünf Jahren. Das berichteten WHO und die US-Gesundheitsbehörde CDC Ende 2019. Gründe für fehlenden Masern-Impfschutz sind politische Konflikte und der Zusammenbruch von öffentlichen Gesundheitsdiensten in schwer zugänglichen Gebieten, aber auch steigende Unsicherheit, die mitunter von Impfgegnern geschürt wird.

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Aber: Wir können lernen, das Virus zu kontrollieren

Doch WHO-Expertin Maria Van Kerkhove lenkte in der Video-Pressekonferenz ein, dass das Virus unter Kontrolle gebracht werden könne. Dazu brauche es allerdings die richtigen Maßnahmen zur Erkennung von Infizierten sowie der Isolierung von möglicherweise angesteckten Menschen sowie einer effektiven Behandlung. An Medikamenten und Impfstoffen werde mit Hochdruck gearbeitet.

WHO-Chef Tedros Adhanom Gebreyesus äußerte sich mit Blick auf erste Lockerungen in den Ländern, dass er verstehe, dass viele Länder die Maßnahmen zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung gerne zurückfahren würde. Doch die WHO empfehle weiterhin für alle Länder “die höchstmögliche Alarmstufe”. Die Gefahr einer zweiten Infektionswelle mit dem Coronavirus bestehe weiterhin. Es sei noch ein “langer, langer Weg” zurück zur Normalität, fügte Ryan hinzu.

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