14.05.2020 - 08:55

Dermatologen zeigen 5 klinische Muster Diese Spuren kann Covid-19 auf der Haut hinterlassen

Gerade bei Kindern machen sich Infektionen schnell auf der Haut bemerkbar. Spanische Forscher haben bei einem Test von Covid-19-Patienten festgestellt, dass manche Hautveränderungen eher jüngere, manche eher ältere Patienten betreffen.

Foto: iStock/Kalinovskiy

Gerade bei Kindern machen sich Infektionen schnell auf der Haut bemerkbar. Spanische Forscher haben bei einem Test von Covid-19-Patienten festgestellt, dass manche Hautveränderungen eher jüngere, manche eher ältere Patienten betreffen.

Nicht nur die Lunge, auch andere Organe kann das neuartige Coronavirus angreifen. Auch unser größtes Organ, die Haut, zeigt bei manchen Covid-19-Patienten bestimmte Muster. Diese Hautveränderungen können im Zusammenhang mit einer Infektion stehen.

Schon länger gibt es Meldungen darüber, dass das neue Coronavirus Sars-CoV-2 auf auf die Haut übergreifen kann. So fand man etwa in Italien bei jedem fünften behandelten Patienten mit Covid-19 bestimmte Hautverletzungen. Jetzt zeigt sich: Fünf verschiedene Hautveränderungen konnten Dermatologen in Zusammenhang mit dem Coronavirus bringen.

Fünf klinische Muster: Hautveränderungen bei Covid-19

Das neuartige Coronavirus greift den Körper auf unglaublich vielfältige Weise an. Sars-CoV-2 befällt bei den meisten Patienten nur den oberen Rachenraum, bei einem Teil auch die Lunge, bei anderen wiederum zeigen sich Probleme mit dem Herzen, andere bekommen neurologische Störungen oder Verdauungsprobleme. Mancher zeigt nur eines der Symptome, andere gleich mehrere oder alle. Und bei einigen Patienten reagiert die Haut auf eine Infektion mit dem Coronavirus – und auch das auf verschiedene Arten.

Zusammen mit Kollegen haben die Dermatologinnen Cristina Galván Casas vom Hospital Universitario de Móstoles in Madrid und Alba Català vom Hospital Plató in Barcelona unerklärliche Hautveränderungen bei insgesamt 375 genesenen Covid-19-Patienten sowie Menschen nach wahrscheinlicher Sars-CoV-2-Infektion in Spanien untersucht. Dabei nutzten sie Fotos und ärztliche Befunde. Heraus kamen fünf klinische Muster von Hauterkrankungen, die bereits andere Ärzte weltweit teilweise beschrieben hatten.

1. Muster: "Pseudo-Frostbeulen"

Bei 19 Prozent der untersuchten Patienten zeigten sich rötliche bis violette Schwellungen, teilweise mit Pusteln und Bläschen an Händen und Füßen. Diese erythematösen Schwellungen ähneln optisch Frostbeulen, daher nennen Mediziner sie auch "Pseudo-Chilblain", zu deutsch Pseudo-Frostbeulen.

Diese Erscheinungen hatten Dermatologen bereits vor Wochen aus anderen Ländern gemeldet. In Italien hatten Mediziner solche Hautläsionen vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen festgestellt. Und US-amerikanische Dermatologen plädieren dafür, den so bezeichneten "Covid-Zeh" auch in die Liste der Symptome der Viruserkrankung aufzunehmen.

Vor allem junge Patienten mit sonst eher mildem Verlauf und wenigen Symptomen von Covid-19 scheinen von dem Phänomen der Pseudo-Frostbeulen betroffen zu sein. In der spanischen Studie fiel auf, dass die Hautreaktion erst spät im Verlauf der Krankheit auftraten. Ein Drittel der untersuchten spanischen Patienten gab an, die Läsionen als schmerzhaft oder juckend zu empfinden. Nach durchschnittlich 12,7 Tagen bildeten sich die Erscheinungen zurück.

2. Muster: Bläschenartige Ausbrüche

Andere "vesikuläre Eruptionen" in Form von größer werdenden und sich ausbreitenden Bläschen traten bei neun Prozent der Patienten auf. Diese juckenden Hautprobleme betrafen meist Patienten im mittleren Alter, bei über der Hälfte der Covid-19-Patienten mit mittelschwerem Verlauf erschienen die Bläschen zusammen mit anderen Symptomen der Infektion, bei 15 Prozent schon im Vorfeld. Die kleinen, mit Blut gefüllten Bläschen ähnelten Windpocken und breiteten sich aus oder wurden größer und waren vor allem am Rumpf und den Gliedmaßen zu finden. Nach durchschnittlich 10,4 Tagen verschwanden sie wieder.

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3. Muster: Urtikarielle Läsionen – Quaddeln

Urtikaria ist der Fachbegriff für Nesselsucht– daher der Name für die Quaddeln, die bei 19 Prozent der untersuchten Patienten zusammen mit anderen Symptomen wie Fieber und Husten auftraten. Die Quaddeln, die mit Juckreiz verbunden waren, zeigten sich vor allem am Rumpf, manchmal auch in der Handinnenseite. Nach durchschnittlich 6,8 Tagen gingen die Läsionen zurück.

4. Muster: Rötungen und schuppende Haut

Recht häufig mit 47 Prozent der Patienten verzeichneten die Forscher schuppende Haut und/oder punktförmige oder großflächigere Rötungen. Makulopapuläre Eruptionen lautet die Bezeichnung für verschiedene Arten von Schuppungen. Auch hier juckte die betroffene Hautpartie, das Phänomen trat vor allem bei schwerem Covid-19-Verlauf auf und blieb im Schnitt 8,6 Tage. Allerdings betonen die Forscher, dass diese schwer erkrankten Patienten mehr Medikamente bekommen haben als Patienten mit milderem Verlauf der Krankheit. Daher könne man nicht genau sagen, ob die schuppende Haut tatsächlich auf Covid-19 oder doch eher auf medikamentöse Nebenwirkungen zurückzuführen seien.

5. Muster: Nekrosen

Bei Patienten mit sehr schweren Krankheitsverläufen fielen den Forschern Nekrosen (Livedo) auf. Sechs Prozent der untersuchten Patienten litten an Hautschäden, die von mangelnder Durchblutung stammten und unterschiedlich in ihrer Schwere waren. Betroffen waren meist ältere Covid-19-Patienten, vermehrt an Rumpf, sowie Finger und Zehen, Nase, Kinn und Ohr. Aber auch hier muss noch herausgefunden werden, ob diese Hautveränderungen wirklich auf die Infektion mit Sars-CoV-2 zurückzuführen waren. Möglich sei auch, dass sie von einer Co-Infektion stammten.

Vor allem aber bei den Pseudo-Frostbeulen und den bläschenartigen Ausbrüchen sind sich die Dermatologen recht sicher, dass sie einen Hinweis auf Covid-19 geben.

Bei Hautveränderungen auf Begleitsymptome achten

Hautveränderungen können auch bei anderen Virus- oder Bakterieninfektionen auftreten. Ungewöhnliche Hautveränderungen, die auf ein Virus schließen ließen, haben deutsche Hautärzte in den vergangenen Monaten noch nicht verzeichnet, erklärt Uwe Kirschner vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. Allerdings wird betont, dass dies möglicherweise damit zusammenhänge, dass viele Patienten zurzeit aus Angst vor Ansteckung im Wartezimmer seltener Arztpraxen aufsuchen würden.

Wer also Hautveränderungen bei sich beobachten sollte – möglicherweise im Zusammenhang mit den anderen für Covid-19 typischen Symptomen –, ruft am besten die eigenen Hausärzte oder direkt Dermatologen an. Bitte nicht einfach in die Arztpraxis gehen bei Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion. Aber auch eine Meningokokken-Sepsis könne ähnliche Symptome auslösen, erklärt Kirschner. Gehen Sie also zum Arzt oder rufen Sie besser den Notarzt, wenn Sie Hautveränderungen bemerken und andere schwere Symptome wie Fieber und allgemeine Schwäche. Auch unabhängig vom Coronavirus.

Studien:

C. Galván Casas, A Català et al: Classification of the cutaneous manifestations of COVID‐19: a rapid prospective nationwide consensus study in Spain with 375 cases

Mazzotta F. et al, Dermatologia Pediatrica, Bari, Italy: A new Vasculitis at the time of Covid-19

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