11.05.2020 - 19:38

Tiere bilden Antikörper Lamas gegen Corona: Können wir mit Kamelen Covid-19 heilen?

Lamas sind tolle Tiere – nicht nur zum Wandern oder, so kurios es klingen mag, zum Videochatten, sondern auch wissenschaftlich gesehen. Denn sie könnten helfen, das Coronavirus zu besiegen.

Foto: iStock/TonyBonus

Lamas sind tolle Tiere – nicht nur zum Wandern oder, so kurios es klingen mag, zum Videochatten, sondern auch wissenschaftlich gesehen. Denn sie könnten helfen, das Coronavirus zu besiegen.

Dass Lamas wahnsinnig tolle und liebenswürdige Tiere sind, wussten wir ja schon. Aber sie könnten sogar die Welt retten! Geforscht wird schon lange. Jetzt zeigt sich: Im Kampf gegen das Coronavirus könnten die Tiere eine wichtige Rolle spielen.

"Du Kamel" ist eine Beleidigung, die den Tieren wahrlich nicht gerecht wird. Schon gar nicht dem Lama, das zwar durchaus einem gewissen spuckfreudigen Ruf nachkommt, aber jetzt mit noch ganz anderen Schlagzeilen begeistert. Denn das Lama könnte die Welt retten – oder zumindest zur Heilung von Covid-19 und damit zum Kampf gegen das Coronavirus beitragen. Der Grund? Lamas bilden Antikörper gegen Coronaviren.

Antikörper gegen Coronaviren: Lamas geben Hoffnung

Die Forschung daran ist nicht neu. Bereits vor Jahren wurden in Belgien Forschungen mit Lamas durchgeführt – und zwar mit dem Sars- und dem Mers-Virus – beides Arten von Coronaviren, die dem aktuell grassierenden Coronavirus Sars-CoV-2 ähnlich sind. Dabei hat man herausgefunden, dass Lamas Antikörper bilden, die solche Coronaviren sozusagen neutralisieren können.

Die Hauptrolle spielt hier ein Lama namens "Winter". Das Lama-Weibchen bekam damals von Forschern der Universität Gent in Belgien ungefährliche Dosen Sars- und Mers-Viren verabreicht. Sechs Wochen lang bekam es ähnlich einer Impfung immer wieder Proteine injiziert, die auch Bestandteil des Coronavirus sind. Diese Spike-Proteine, die den Coronaviren ihren Namen geben, da sie kleine Verästelungen aus der Virushülle heraus darstellen, sind ganz grob gesagt dafür verantwortlich, an Zell-Bausteine anzudocken und so Wirtszellen zu befallen.

Die Forscher haben das Blut des Lamas im Anschluss an die Injektionen untersucht und fanden dabei Antikörper, die sich an das Protein gebunden hatten. Und davon wiederum konnten einige Sars-CoV-1, das 2002/03 in China ausgebrochene Sars-Virus, davon abhalten, in Zellen einzudringen. Eine Infektion war so nicht möglich.

Forschung wieder aufgenommen

Da die Sars-Epidemie in China damals aber recht schnell wieder abgeflaut ist und sich sowohl Sars als auch Mers aufgrund ihrer relativ geringen Ansteckungsgefahr nicht allzu weit verbreiten konnten, wurde die Forschung nicht weitergeführt, erklärt Daniel Wrapp, Co-Autor der Studie in einer Pressemeldung: "Allerdings gab es damals keinen großen Bedarf an einer Coronavirus-Behandlung. Es handelte sich um Grundlagenforschung."

Jetzt aber haben Forscher die Untersuchungsergebnisse wieder hervorgeholt. Denn es besteht die Möglichkeit, dass die Lama-Antikörper auch das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 neutralisieren können. Das zeigen weitere Forschungen zusammen mit Wissenschaftlern der University of Texas in den USA. Die Forscher haben nun zwei Exemplare der Antikörper miteinander verbunden und die Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Cell" veröffentlicht.

Exkurs: Was sind eigentlich Antikörper? So reagiert unser Körper auf Viren und Bakterien:

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Ziel: Mittel gegen Covid-19 und Mittel zur Vorbeugung finden

Schon länger werden die Kamel-Tiere in der Antikörperforschung eingesetzt. Denn Lamas und manche andere Tiere, etwa Haie, bilden mehr als eine Art von Antikörpern zur Bekämpfung von Viren und Co. Wir Menschen dagegen bilden nur eine Art.

Die eine Art Antikörper von Lamas ähneln den unsrigen. Aber die anderen, die Antikörper der Lamas, die so interessant für die Forschung sind, sind wesentlich kleiner als die von uns Menschen. Diese sogenannten Nanokörper sind etwa ein Viertel so groß und können damit an kleineren Strukturen von Viren andocken und so verhindern, dass die Viren in Körperzellen eindringen können. Und die Lama-Antikörper lassen sich an unsere menschlichen Antikörper ankoppeln.

Nanokörper sind zudem auch noch einfach einzunehmen: Sie können zerstäubt und über einen Inhalator eingeatmet werden. Als Medikament für eine Atemwegserkrankung seien sie daher besonders interessant, da sie direkt zur Infektionsstelle gelangen können, erklären die Wissenschaftler.

Jedoch müssen jetzt erst einmal vorklinische Tests laufen. Klinische Tests wiederum könnten dann möglicherweise Ende des Jahres anlaufen, so die Forscher. Diese wiederum dauern dann noch einmal mehrere Monate. Bis dahin ist dann hoffentlich auch schon ein wirksamer, gut verträglicher Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden. Zumal diese passive Immunisierung, wie sie mit den Lama-Antikörpern möglich wäre, immer nur für eine gewisse Zeit wirkt. Denn der Körper baut Antikörper nach und nach ab. Und die Lama-Antikörper kann er nicht selbst nachbilden. Daher wäre eine vorsorgliche Behandlung mit dem Lama-Antikörper eher eine Option für Menschen, die in der Medizin und Pflege mit Covid-19-Patienten zusammenarbeiten, selbst aber noch nicht immun sind – oder nicht mehr. Denn noch ist nicht klar, wie lange man nach der Coronavirus-Infektion immun bleibt.

Und bis dahin kann man Lamas immer noch als Gast fürs Meeting buchen und so das Home Office etwas erträglicher gestalten: Gestresst im Homeoffice? Ein Videochat mit Tieren zur Entspannung!

Übrigens: Ein Impfzwang kommt nicht, wie er derletzt immer heraufbeschworen wurde. Ein Faktencheck.

Mehr zum Coronavirus ist auf unserer Themenseite zu lesen.

Quellen:

Sat.1, t-online.de, mdr

University of Texas: Antibodies from Llamas Could Help in Fight Against COVID-19

University of Gent: Structural Basis for Potent Neutralization of Betacoronaviruses by Single-Domain Camelid Antibodies

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