11.05.2020 - 18:44

Mehr Behandlungen, mehr Todesfälle Coronavirus: Übergewicht ist größter Risikofaktor für schwere Erkrankung

Übergewicht kann den Verlauf von Covid-19 erschweren. Zum Glück kann es schon helfen, den Körper zweimal täglich zu fordern.

Foto: iStock/stevecoleimages

Übergewicht kann den Verlauf von Covid-19 erschweren. Zum Glück kann es schon helfen, den Körper zweimal täglich zu fordern.

Es kristallisierte sich in den vergangenen Wochen schon heraus, mittlerweile steigt der Verdacht: Covid-19-Patienten mit Übergewicht erleiden öfter heftige Krankheitsverläufe mit Krankenhausaufenthalt. Und auch das Sterberisiko ist höher. Warum ist das so? Es gibt mehrere mögliche Gründe.

Dass die vom Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 schwer oder leicht, oder sogar kaum spürbar verläuft, das kann niemand individuell voraussagen. Doch es gibt Risikogruppen, das ist bekannt. Es gibt gewisse Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einen schweren Verlauf der Erkrankung zu erleben oder gar an den Folgen zu sterben. Neben dem Alter und diversen Vorerkrankungen wie Diabetes sowie der Auffälligkeit, dass Männer häufiger schwerer erkranken, spielt ein Risikofaktor anscheinend besonders mit hinein – auch unabhängig von den anderen: Übergewicht kann den Verlauf von Covid-19 verschlimmern.

Vor allem bei extremem Übergewicht mit einem BMI über 40 finden immer mehr Forschergruppen Anzeichen dafür, dass betroffene Menschen schlechter mit dem Virus umgehen können. Auch dann, wenn sie zu sonst keiner Risikogruppe gehören. So listet die US-Gesundheitsbehörde CDC extremes Übergewicht mittlerweile als offiziellen Risikofaktor für einen schweren Verlauf von Covid-19.

Übergewicht als Covid-Risikofaktor: Meldungen häufen sich

Studien dazu gab es bereits in den USA, etwa mit 4.100 Infizierten in New York, sowie in Frankreich (übergewichtige Menschen mussten häufiger beatmet werden), nun auch in Großbritannien. Dort hatten Ärzte die Informationen von rund 17.000 Covid-19-Patienten ausgewertet. Auch hier zeigte sich: Übergewicht erhöhte das Risiko, dass die Krankheit einen schweren Verlauf nimmt und die Patienten an den Folgen sterben.

Laut der US-amerikanischen Studie aus New York war starkes Übergewicht mit einem BMI über 30 sogar stärker mit einem kritischen Verlauf der Erkrankung verknüpft als alle chronischen Herz- und Atemwegserkrankungen. Demnach sei das Risiko, ins Krankenhaus eingeliefert werden zu müssen oder an den Folgen von Covid-19 zu sterben, bei einem BMI zwischen 30 und 40 um das Vierfache erhöht, bei einem BMI über 40 sogar sechsmal so hoch.

Nur das Alter sei noch immer der größte Risikofaktor. In der Studie hatte man ermittelt, dass das Risiko für einen schweren Verlauf ab einem Alter von 75 Jahre um das 66-Fache erhöht war.

Was Übergewicht mit dem Körper macht, kann auch Covid verschlimmern

Übergewicht stellt den Körper generell vor Herausforderungen. Die Folgen von Übergewicht sind enorm – und geschlechtsspezifisch. An den bisherigen Erkenntnissen könnte sich auch erklären lassen, warum die Coronavirus-Erkrankung dadurch verschlimmert wird.

Problem 1: Die Lunge

Schweres Übergewicht beeinträchtigt die Atmung: Die Lungen und Atemwege haben weniger Platz, etwa wenn das Fettgewebe (Stichwort Bauchfett) das Zwerchfell nach oben drückt. Resultat: Weniger Lungenvolumen, verengte Atemwege – Probleme beim Atmen. Dazu kommt: Durch die schlechtere Belüftung der Lungen steigt deren Infektionsgefahr. Zudem mehr Atemarbeit.

Problem 2: Das Immunsystem und versteckte Entzündungen

Hinzu kommt, dass das Immunsystem übergewichtiger Menschen per se oft schwächer ist, gleichzeitig aber zu Überreaktionen neigt – und das passiert bei schweren Covid-19-Verläufen leicht.

Übergewicht kann zu chronischen Entzündungen im Körper führen, da Fettzellen Botenstoffe transportieren, die Entzündungen begünstigen. Solche Metaflammation, eine schwelende Entzündung kann vorkommen, zeigt keine Symptome, erhöht aber das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, warnen Ärzte. Auch Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder der Leber sowie eine schwere Lungenentzündung können bei massivem Übergewicht schneller auftreten – durch Zytokin-Anhäufung. Zytokine sind entzündungsfördernde Substanzen, die den Körper in einem sog. Zytokinsturm überfluten können. Auch bei Covid-19 kann dies auftreten und ist nicht nur dort eine gefährliche Komplikation, die zum Tod führen kann. Kommt beides zusammen – Vorentzündung bei Übergewicht und Corona-Infektion, hat der Körper Probleme, eine mögliche überschießende Immunreaktion zu verhindern.

Problem 3: Die Blutgerinnung

Die Entzündungsstoffe der Fettzellen können sich möglicherweise außerdem auf die Blutgerinnung auswirken. Viele Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen haben damit Probleme. So waren in China Fälle bekannt geworden, bei denen Patienten unter verstopften kleinsten Blutgefäßen litten, was wiederum in schlechter Durchblutung etwa von Extremitäten resultierte. Das zeigte sich etwa in dunkel verfärbten Zehen- und Fingerspitzen – einem Symptom, das erst Wochen nach Aufbranden der Pandemie bekannt geworden war und das auch bei Patienten in Deutschland beobachtet wurde. Auch in der Lunge könnten solche Probleme auftreten.

Auf Intensivstationen behandelte Covid-19-Patienten haben oft mit Blutgerinnseln zu kämpfen, die auch große und lebenswichtige Gefäße verstopfen, etwa zu Lungenembolien führen. Aus dieser Erkenntnis heraus wird derzeit übrigens daran geforscht, Patienten mit Blutverdünnern zu behandeln – um die Gefahr solcher Gerinnsel zu vermindern. So werden schwerstkranke Covid-19-Patienten auch hierzulande schon mit dem Gerinnungshemmer Heparin behandelt.

Übergewicht loswerden wichtiger denn je

Reicht es also schon, ein paar Kilo abzuspecken, um das persönliche Corona-Risiko zu senken? Ja – aber wichtig hierbei ist, dies mit Sport zu erreichen. Gerade sportliche Betätigung oder zumindest ein wenig körperliche Ertüchtigung hat hier nämlich noch einen ganz anderen, wichtigen Nutzen: Unsere Lunge kann nämlich ganz schnell trainiert werden. Gegenüber dem "Spiegel" rät etwa Martin Merkel, Facharzt am Endokrinologikum in Hamburg und Sprecher der Sektion Diabetes, Adipositas und Stoffwechsel bei der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie: Zweimal am Tag sich selbst so stark fordern, dass der Puls steigt und man etwas außer Atem gerät. "Das geht zum Beispiel durch rasches Gehen oder Radfahren, nur ein bisschen Rumschlendern reicht leider nicht aus", erklärt er. Der Zweck sei, die Lunge durchzulüften und sie entfalten zu lassen.

Und auch die Lunge reinigen klappt besser als Sie wahrscheinlich vermuten:

Lunge reinigen: Detox fürs Atemorgan
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Und ansonsten? Langfristig abnehmen mit Sport, aber auch ausgewogener Ernährung – eine langfristige Ernährungsumstellung kann viel bewirken – hilft dem Körper nicht nur durch die Coronavirus-Zeit, sondern spielt auch eine enorm wichtige Rolle im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und viele andere körperliche Probleme wie etwa Fettleber.

Quellen:

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