30.04.2020 - 09:00

Notruf rettet Leben! Trotz Corona-Angst: Bei Herzinfarkt und Co ins Krankenhaus!

Notruf! So reagiert man richtig

Notruf! So reagiert man richtig

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Kardiologen beobachten während der Coronavirus-Pandemie vor allem eines: einen Rückgang der Patientenzahlen in den Herzzentren. Ihre Sorge: Patienten mit Herzinfarkt bleiben aus Angst lieber zuhause. Das kann tödlich enden – der Notruf ist lebenswichtig!

Die Zahl der Patienten in den deutschen Herzzentren ist drastisch zurückgegangen. Das berichten die dort behandelnden Kardiologen – und das mit großer Sorge. Ihre Vermutung ist nämlich: Möglicherweise bleiben Menschen mit Herzinfarkt-Symptomen aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus lieber zuhause, statt den Notruf zu rufen oder ins Krankenhaus zu gehen. Das kann fatale Folgen haben – denn ein Herzinfarkt ist immer ein Notfall!

Selbiges gilt auch für Schlaganfall und andere schwere, akute Erkrankungen sowie für Unfälle. Der Appell der Ärzte daher: Verspüren Sie Herzinfarktsymptome oder liegt ein anderer schwerer Notfall vor? Ab ins Krankenhaus! Die Kliniken sind trotz Coronavirus-Pandemie für Herz- und andere Notfälle gerüstet!

Statt Notruf: Herzinfarkt-Patienten bleiben aus Angst vor Corona zuhause

Pro Jahr sterben bundesweit fast 345.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Herzinfarkt allein kostet rund 47.000 Menschen das Leben. Rund 30 Prozent der Herzinfarktpatienten sterben nicht in der Klinik, sondern außerhalb – oft, weil der Notarzt zu spät oder gar nicht alarmiert wurde. Das liegt häufig daran, dass viele Betroffene aus Scheu vor dem Krankenwagen oder aus falscher Symptomdeutung vor dem Notruf zögern.

Aktuell grassiert aber anscheinend noch eine weitere Angst: Schätzungsweise 50 bis 90 Prozent weniger Patienten mit Herzinfarkt seien seit der Corona-Krise in Behandlung in den deutschen Herzzentren, heißt es von deren Seite. Allein in der Uniklinik in Bonn seien die Betten so gut wie leer – obwohl normalerweise bis zu sechs Infarkt-Patienten am Tag eingeliefert würden, berichtet RTL.

Die Vermutung der Kardiologen liegt nahe: Die Patienten haben Sorge, sich im Krankenhaus mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zu infizieren und an Covid-19 zu erkranken. Möglicherweise auch vor dem Hintergrund, dass die Erkrankung bei Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems schwerer verlaufen kann. Stattdessen verzichten sie auf möglicherweise lebensnotwendige Hilfe.

Schutz in Krankenhäusern da: Angst sei unbegründet

Prof. Georg Nickenig, Direktor des Herzzentrums der Uniklinik Bonn betrachtet das mit Sorge – und erklärt, dass diese Angst unbegründet sei. Im Uniklinikum etwa würden sowohl Patienten als auch Personal streng voneinander getrennt. Und so sieht es auch in anderen Krankenhäusern aus: Covid-19-Patienten gelangen über separate Eingänge in die Kliniken, auf der Intensivstation sind sie durch Schutzwände von anderen Patienten getrennt.

"Herzinfarkt, aber auch andere Herznotfälle wie eine akut dekompensierte Herzinsuffizienz oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen sind keine aufschiebbaren Krankheitsfälle, sondern unterliegen selbstverständlich weiterhin der Notfallversorgung", erklärt auch der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. "Eine Notfallversorgung für diese Patienten ist weiterhin gewährleistet."

Videos zum Thema Herz-Kreislauferkrankungen
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Ärzte plädieren: Bei Herzinfarkt-Symptomen sofort handeln!

Ein nicht beachteter Herzinfarkt kann, ebenso wie ein unbehandelter Schlaganfall oder eine schwere Verletzung, schwerwiegende Folgen haben. Wird nicht schnell genug behandelt, können schwere Folgeschäden entstehen – bis hin zum Tod. Bisher gebe es, so die Uniklinik Bonn, zwar keine validen Zahlen, doch man sammele derzeit Daten.

Gerade bei Menschen über 65 Jahren zählt hier jede Minute. Im Schnitt dauert es bei Patienten in diesem Alter über 3-4 Stunden, bis sie laut MEDEA-Studie in der Notaufnahme landen – bei Frauen dauert das meist länger, denn die Herzinfarkt-Symptome können bei Frauen ganz anders ausfallen , als die meisten Leute wissen. Aufgrund der Corona-Krise scheinen aber gerade die Menschen, die sowieso aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehören, noch länger zu warten. "Diese Art Rückzugsgebot dürfte bei diesen Menschen die Hemmschwelle für den Notruf 112 oder den Schritt in die Klinik um ein Weiteres erhöhen", vermutet Voigtländer.

Die Ärzte sowie die Deutsche Herzstiftung plädieren aber an die Bevölkerung und vor allem an Herzpatienten und Menschen mit Vorbelastung für Herzinfarkt und andere Herzkrankheiten: Verspüren Sie Symptome eines Herzinfarktes, rufen Sie umgehend Hilfe!

"Der Notarzt ist hier so wichtig, weil der Herzinfarkt jederzeit in Herzkammerflimmern übergehen und der Patient in wenigen Minuten am plötzlichen Herztod versterben kann. Ebenso kann durch den Infarkt ein größerer Teil des Herzmuskels irreparabel zerstört werden und der Patient entwickelt dadurch akut oder auch langfristig eine Herzschwäche", betont Voigtländer. "Beim Herzinfarkt zählt deshalb jede Minute nach dem Prinzip: Zeit ist Herzmuskel."

Generell gilt bei folgenden Symptomen: Ab zum Arzt! Hier kann nicht nur ein Herzinfarkt dahinter stecken, sondern vielleicht auch eine andere, schwere Herzerkrankung:

  • (plötzlich auftretende) Schmerzen
  • ein unangenehmes Engegefühl im Brustkorb (Angina pectoris) und/oder Luftnot, Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit
  • dazu kalte Schweißausbrüche, Übelkeit, Atemnot
  • Hartnäckiges Herzstolpern
  • Kurze Bewusstlosigkeiten (Synkopen)
  • Schwindelanfälle, drohende Bewusstlosigkeiten

Mehr zu Herz-Kreislauf-Krankheiten, beispielsweise zum Vorhofflimmern und seinen Symptomen finden Sie auf unserer Themenseite. Neues zum Thema Coronavirus haben wir ebenfalls für Sie.

Tipp: Ein Notfallset mit dem Ratgeber "Was tun im Notfall?" (14 S.) und 2 Notfallkärtchen fürs Portemonnaie mit Darstellungen der Herzinfarkt-Alarmzeichen und Erläuterungen zur Laien-Reanimation bietet die Herzstiftung kostenfrei unter Tel. 069 955128400 oder unter www.herzstiftung.de/herznotfall-set.html an.

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