Aktualisiert: 27.04.2020 - 19:11

Maschinelle Beatmung Beatmen bei Covid-19 kann den Zustand verschlechtern

Warum verschlimmert künstliche Beatmung in manchen Fällen den Verlauf von Covid-19?

Foto: iStock/sudok1

Warum verschlimmert künstliche Beatmung in manchen Fällen den Verlauf von Covid-19?

Bei schweren Krankheitsverläufen von Covid-19, der durch das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelösten Erkrankung, kommt es oft zu Lungenproblemen – es muss künstlich beatmet werden. Doch manchmal verschlechtert sich der Zustand der Patienten genau dann. Warum ist das so?

Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist noch recht neu für uns, vieles müssen wir erst über das Virus und die davon ausgelöste Erkrankung Covid-19 erfahren und lernen. Klar ist: Die meisten Infektionen verlaufen leicht, doch das Virus kann auch verschiedene Organe befallen, allen voran die Lunge. Dort kann Covid-19 eine Lungenentzündung auslösen, die oft atypisch verläuft. Patienten glauben, sie könnten noch gut atmen, doch die Lungen nehmen zu wenig Sauerstoff auf. Es muss irgendwann intensiv behandelt und künstlich beatmet werden. Doch es mehren sich die Zeichen, dass Covid-19 bei künstlicher Beatmung noch kritischer verlaufen kann. Der Zustand der beatmeten Patienten verschlechtert sich. Warum das so ist, dazu gibt es nun neue Erkenntnisse.

Künstliche Beatmung kann Corona-Krankheitsverlauf verstärken

Eine künstliche Beatmung ist schwere Kost für den Körper. Die Lunge wird unter Druck voll Luft gepumpt, das Herz-Kreislaufsystem muss sich anpassen, die Lunge wird unnatürlich gedehnt, was das empfindliche Lungengewebe schädigen kann – die Liste ist lang. Nun wurde kürzlich noch ein Report veröffentlicht, der zeigt, dass die Sterberate der künstlich beatmeten Covid-19-Patienten recht hoch ist. Doch Sauerstoff ist lebenswichtig. Kann er nicht aufgenommen werden und das im Körper entstandene Kohlendioxid nicht auch abgeatmet werden, drohen schwere Körperschäden bis hin zum Erstickungstod. Wissenschaftler suchen daher weltweit nach den Gründen, warum die Beatmung von Coronavirus-Patienten nicht immer der beste Weg zu sein scheint – und nach Alternativen.

Was genau Covid-19 bzw. das Coronavirus mit der Lunge macht, daran forschen Wissenschaftler gerade, aktuelle Erkenntnisse finden Sie bei uns. Schlägt Covid-19 schwer zu und fehlt es der Patientin oder dem Patienten infolge dessen an Sauerstoff, wird künstlich beatmet. Dazu gibt es verschiedene Wege.

Einer der krassesten Eingriffe ist die invasive Beatmung mit Intubation, bei der ein Schlauch über Mund oder Nase in die Luftröhre geführt wird. Dies ist zwar über mehrere Wochen bis Monate möglich, doch mit der Zeit steigen die Risiken – und für den Patienten ist die Erfahrung keine angenehme, auch wenn er dabei in der Regel in ein künstliches Koma versetzt wird. Doch mit der Zeit steigt hier etwa die Infektionsgefahr durch Keime durch den Fremdkörper.

Die nicht-invasive Beatmung funktioniert über eine Atemmaske, über die Luft mit Druck in die Lungen gepumpt wird. Doch auch diese Beatmung ist nicht angenehm – der Patient bekommt hier alles mit. Druckstellen durch die Maske, ausgetrocknete Schleimhäute, Luft im Magen sind ein Teil der Nebenwirkungen. Auf Dauer kann die Lunge belastet werden.

Und eben das Problem der Zustandsverschlechterung bei Covid-19.

Schlechterer Gesundheitszustand: Das könnten die Gründe sein

Mit dieser Problematik haben sich mehrere Forscher weltweit bereits auseinandergesetzt. Zusammengetragen wurden die Ergebnisse und Erfahrungen zur Wirksamkeit und (Aus-)Wirkung von Beatmung bei Covid-19-Patientinnen und -Patienten nun von zwei Experten für Intensivtherapie, Lungenphysiologie und Lungenpathophysiologie sowie mechanische Beatmung: Ihre Ergebnisse haben Prof. Dr. Luciano Gattinoni von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) sowie Prof. John J. Marini von der Universität Minnesota (USA) in einem "Clinical Update" zusammengetragen.

Die Wissenschaftler fanden dabei Hinweise darauf, was die Lunge genau schädigt. Dazu nutzten sie etwa neue Daten aus italienischen Kliniken. Demzufolge ist die Lunge bei Covid-19-Betroffenen in der anfänglichen Phase nicht so stark in ihrer Mechanik beeinträchtigt wie bei anderen Lungenentzündungs-Formen. In dieser ersten Krankheitsphase sammelt sich deutlich weniger Flüssigkeit in der Lunge an als bei der "klassischen" Lungenentzündung. Die Lunge bleibt ungewöhnlich lange dehnbar und elastisch, die Betroffenen haben keine Probleme beim Einatmen, spüren nicht den für viele Pneumonie-Arten typischen "Widerstand" beim Einatmen. Doch in der Lunge werden später viele kleine Blasen entdeckt, die trotzdem den Transport des eingeatmeten Sauerstoffs ins Blut behindern. Die Patienten bekommen zu wenig Sauerstoff, obwohl sie gefühlt noch gut atmen können.

Da die Lunge aber so lange dehnbar bleibt, raten die Experten in dieser frühen Behandlungsphase von der Standardtherapie von "normalen" Lungenentzündungen, die mit künstlicher Beatmung einhergeht, ab.

Ärzte sind mittlerweile vorsichtiger mit künstlicher Beatmung

Ihre Empfehlung stattdessen: Leiden die Patientinnen und Patienten unter bedrohlicher Atemnot, solle zunächst durch angemessene, an die Krankheitsstadien angepasste Unterstützung des Gasaustauschs und der Atmung dafür gesorgt werden, dass die Lunge sich selbst heilen und erholen kann

Gerade die ungewöhnlich lange Dehnbarkeit der Lunge und die ebenso ungewöhnliche Ansammlung von Flüssigkeit in der Lunge bei Covid-19 – nämlich erst am Rand, an der Trennwand zwischen Lungenbläschen und Blutgefäßen, später dann auch dort – gab Ärzten lange Rätsel auf. Mittlerweile handelt man vorsichtiger. Oft wird nun reiner Sauerstoff über eine Nasenbrille oder Maske gegeben. Durch die schnelleren und tieferen Atemzüge ist das aber für den Patienten sehr ermüdend. Irgendwann wird dann doch künstlich beatmet. Wie alternativ vorgegangen werden sollte bei schweren Krankheitsverläufen, das muss nun auch anhand der Forschungsergebnisse herausgefunden werden.

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Wer Sorge vor einer Lungenentzündung hat, kann übrigens versuchen, sie zu verhindern. Jedoch ist nicht klar, ob diese Tipps auch bei einer Coronavirus-Infektion helfen, da eben ungewohnterweise so wenig Wasser in der Lunge ist und sich zudem seltener Schleim bildet, der abgehustet werden kann.

Wer übrigens nicht künstlich beatmet werden will, kann dies auch in einer Patientenverfügung festhalten! Und damit Sie von vorne herein gesund bleiben: So schützen Sie sich vor dem Coronavirus

Hier finden Sie die Studienergebnisse, erschienen unter JAMA Network.

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