Aktualisiert: 16.04.2020 - 17:11

Geschlechtskrankheit Hochansteckend: Syphilis breitet sich in Deutschland aus

Sexualität – Fakten und Tipps

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Geschlechtskrankheiten sind weiter ein großes Problem in Deutschland. Das ergibt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion. Warum gerade Syphilis so gefährlich ist? Sie wird oft nicht erkannt – kann aber schwere Schäden im Körper anrichten.

Mit Geschlechtskrankheiten ist das so eine Sache: Die einen verschwinden glücklicherweise so langsam, dafür werden wir andere einfach nicht los – auch, weil deren Sypmtome erst spät auftreten und die Gefahr, die von ihnen ohne Behandlung ausgeht, kaum wahrgenommen wird. Eine dieser Krankheiten ist die Syphilis. Nach Angaben der Bundesregierung gab es 2014 in Deutschland 5.821 Fälle, 2019 dagegen 7.889 Fälle. Im Vergleich: Die Zahl der Neuinfektionen mit HIV sind zwischen 2014 und 2019 von 2.700 auf 2.400 gefallen.

Syphilis auf dem Vormarsch: Gegen Geschlechtskrankheiten wird weiter vorgegangen

Bei HIV und manch anderer Krankheit funktioniert die Eindämmung ganz gut: Geschlechtskrankheiten bzw. sexuell übertragbare Infektionen sollen weiter eingedämmt werden. Dazu hatte das Bundeskabinett 2016 eine "Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen" beschlossen. Für die Prävention stellt die Bundesregierung dazu in diesem Jahr 13,88 Millionen Euro bereit.

Zweimal jährlich tage ein Koordinierungsgremium aus Vertretern der Länder, ärztlichen Fachgesellschaften, Verbänden, Institutionen und Selbsthilfe, um die Strategie umzusetzen. Und auch die Präventions- und Diagnostikmöglichkeiten hätten die gesetzlichen Maßnahmen erweitert, etwa können HIV-Tests mittlerweile frei verkauft werden. Auch die PrEP – die HIV-Präexpositionsprophylaxe hilft hier sehr weiter im Schutz gegen HIV. Und die HPV-Impfung (u.a. gegen Genitalherpes, schützt aber auch gegen Gebärmutterhalskrebs) steht nach STIKO-Empfehlung mittlerweile für Mädchen und Jungen im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

Warum ist das bei der Syphilis aber so schwer? Warum breitet sich die Krankheit weiter aus?

Korrelation mit HIV und PrEP

Die meisten Infektionen pro 100.000 Einwohner gibt es laut Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, am häufigsten stecken sich demnach in Deutschland homo- und bisexuelle Männer mit der Krankheit an. Doch auch Frauen sind betroffen. Übertragen werden kann die durch Bakterien hervorgerufene Krankheit durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, aber auch über Kontakt der Schleimhäute.

Fluch und Segen scheint dabei die PrEP, eine der neuen Therapien zum Eindämmen von HIV, zu sein: Diese Tabletten helfen dabei, dass sich Nichterkrankte nicht bei potentiellen HIV-Patienten mit dem HI-Virus infizieren. Einerseits hat das zu weniger Neuinfektionen mit HIV sowie auch zu mehr erkannten Syphilis-Infektionen geführt – da im Rahmen der Prophylaxe gegen HIV auch mehr Tests gemacht worden seien, so das RKI. Doch gleichzeitig können durch mehr PrEP auch die Zahlen des ungeschützten Geschlechtsverkehrs steigen, da sich viele durch die Prophylaxe sicher fühlen. Aber PrEP schützt nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten – also auch nicht vor Syphilis. Glücklicherweise sehen die Leitlinien zur Verschreibung von PrEP regelmäßige Tests auf Syphilis vor. Die Zahl der erkannten Fälle steige also zunächst meist an, sagt das RKI, doch später könnten die Zahlen sinken, da mehr Erkrankungen erkannt und behandelt werden.

Was macht die Syphilis so gefährlich?

Das Gefährliche an der hochansteckenden Syphilis ist, dass sie sich so lange nicht bemerkbar macht – erste Anzeichen kommen erst Wochen nach der Ansteckung – oder erste Symptome der Syphilis wie kleine Geschwüre in der Genitalgegend, aber auch an Schleimhäuten und im Gesicht abgetan werden, da sie von selbst wieder verschwinden. Aber Syphilis verläuft in Stadien. Wird sie nicht behandelt, kann sich der Erreger im ganzen Körper ausbreiten. Das kann im späteren Verlauf auch zu Verwirrtheit und nach Jahren zu Organschäden führen – bis hin zum Tod. Mehr dazu: Syphilis - Hochansteckende Geschlechtskrankheit auf dem Vormarsch

Früh behandelt, lässt sich Syphilis aber heilen. Wer direkt vorsorgt, steckt sich gar nicht erst an. Das heißt: Bei wechselnden Geschlechtspartnern immer geschützten Geschlechtsverkehr haben – am besten auch beim Oralverkehr! Und wer eine neue, feste Partnerschaft eingeht, tut gut daran, sich (ruhig auch gemeinsam) auf Geschlechtskrankheiten testen zu lassen, bevor man ungeschützt Sex hat.

Sexuell übertragbare Krankheiten im Fokus – erfahren Sie mehr über Syphilis, Tripper und Co. Mehr Sex-Wissen finden Sie auf unserer Themenseite.

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