Aktualisiert: 05.02.2021 - 15:16

Long Covid Coronavirus kann das Nervensystem angreifen: Die 5 häufigsten Folgen

Kopfschmerzen, Schwindel oder auch der Verlust des Geruchssinnes: Diese Symptome des Coronavirus könnten laut Forschern auf einen Angriff der Viren aufs Nervensystem zurückzuführen sein.

Foto: iStock/alfexe

Kopfschmerzen, Schwindel oder auch der Verlust des Geruchssinnes: Diese Symptome des Coronavirus könnten laut Forschern auf einen Angriff der Viren aufs Nervensystem zurückzuführen sein.

Der Verlust des Geruchssinns war ein erster Hinweis. Dann zeigte eine Studie aus China, dass das Coronavirus Sars-CoV-2 auch das Nervensystem schädigen kann. Aktuelle Studien bestätigen das. Fünf neurologische Folgen sind bekannt – und sie bleiben teilweise sehr lange.

Obwohl Covid-19 eher selten mit Schnupfen einhergeht, verliert rund ein Drittel der Erkrankten nach einigen Tagen vorübergehend den Geschmacks- und Geruchssinn. Doch das ist nur eine von fünf typischen neurologischen Folgen des Coronavirus. Teilweise bleiben sie hartnäckig über Wochen bestehen – auch, wenn die Infektion schon überstanden ist.

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Neurologische Folgen von Covid-19: Diese 5 sind typisch

Schon im April konnten Forschende aus Wuhan in einer in der Fachzeitschrift "JAMA Neurology" veröffentlichten Studie zeigen, dass mehr als ein Drittel der an Covid-19 erkrankten untersuchten Patienten neurologische Schwierigkeiten hatte – sprich, Anzeichen gezeigt habe, dass das Nervensystem auch Schaden nehmen kann – neben Geruchs- und Geschmacksbeeinträchtigungen etwa auch Schwindel und Kopfschmerzen. Mittlerweile wird die enorme Bandbreite der Covid-Symptome immer deutlicher.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat nun die häufigsten neurologischen Symptome im Zusammenhang mit Covid-19 benannt:

  • chronisches Erschöpfungssyndrom (Fatigue)
  • Schmerzen (Kopfschmerzen, aber auch Gliederschmerzen)
  • Konzentrationsstörungen
  • Gedächtnisprobleme
  • Schlafstörungen

Sie treten im Rahmen der Infektion oder im Nachgang auf, auch nach eher leichten Verläufen, und bleiben teilweise über Wochen, vereinzelt sogar über Monate. Man spricht in diesem Zusammenhang mittlerweile auch von "Long Covid" – einer Zusammenfassung von Spätfolgen, die ebenfalls noch Atembeschwerden sowie den Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns mit einbeziehen.

Haben die Langzeitfolgen selbst Langzeitfolgen?

Die DGN möchte nun im Projekt NAPKON untersuchen, inwiefern die neurologischen Probleme das Leben der Patient*innen weiterhin belasten – etwa ob sie auch langfristig die Kognition beeinflussen und neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer auslösen oder früher auftreten lassen.

Dazu werden auch Fälle schwerer Bewusstseinsstörungen, sogenannter Enzephalopathien, mit einbezogen, die vor allem bei Patient*innen mit schweren Verläufen häufiger vorkommen. Ebenso im Fokus: seltenere, aber schwere neurologische Komplikationen, etwa Schlaganfälle oder das Guillain-Barré-Syndrom.

Studie in Wuhan zeigte bereits neurologische Probleme auf

In Wuhan hatte man für die Studie Patientenakten, Laborbefunde und radiologische Untersuchungsergebnisse von insgesamt 124 Covid-19-Patienten ausgewertet. Von diesen zeigten 78 Studienteilnehmer, also etwas mehr als ein Drittel, neurologische Symptome wie Schwindel, Kopfschmerz oder eben den Verlust des Geruchssinns. Auffällig: Je stärker die Patient*innen erkrankt waren, je schwerer also der Verlauf war, desto stärker zeigten sich auch die neurologischen Symptome. Die häufigsten davon:

  • Schwindel (36 Patient*innen, 16,8 Prozent)
  • Kopfschmerzen (28 Patient*innen, 13,1 Prozent)
  • Geschmacksstörungen (12 Patient*innen, 5,6 Prozent)
  • Störungen des Geruchssinns (11 Patient*innen, 5,1 Prozent)
  • Schlaganfall (6 Patient*innen, 2,8 Prozent)

Allerdings, so heißt es in der Studie, bleibe unklar, inwiefern gerade Kopfschmerzen und Schwindel tatsächlich eigene Symptome der vom Coronavirus ausgelösten Krankheit sind, oder ob sie etwa Teil einer Entzündungsreaktion seien, die auftrat, als die Patient*innen sehr krank waren. Hier müssen weitere Studien anschließen.

DGN betont: Covid ist eine neuartige Krankheit – müssen Spätfolgen klären

Solche Studien gibt es also mittlerweile. Sie zeigen: Fatigue, also das Erschöpfungssyndrom, ist die häufigste neurologische Folge. Sie tritt meist während der Erkrankung auf und betrifft einen Großteil der Betroffenen. Unter den Proband*innen einer niederländisch-belgischen Studie vom Sommer etwa litten 95 Prozent der insgesamt 2.113 Teilnehmer unter Fatigue. Bei 87 Prozent traten noch drei Monate später Probleme auf. Von diesen Proband*innen waren lediglich 112 stationär behandelt worden, der Rest hatte die Erkrankung zu Hause ausgestanden. Weitere Studien zeigen ähnliche Ergebnisse.

Sie zeigen aber auch, dass vor allem die schwer betroffen sind, die mit einem schweren Verlauf zu kämpfen hatten.

"Zusammenfassend betreffen neurologische Langzeitfolgen einen hohen Anteil der Covid-19-Patientinnen und -Patienten, und wir müssen diese Menschen neurologisch nachbetreuen", erklärt Prof. Peter Berlit, DGN-Generalsekretär, in der Pressemeldung. "Bei vielen Betroffenen verbessern sich die neurologischen Symptome zwar im Laufe der Zeit, aber wir haben auch Patienten, die bereits in der ersten Welle der Pandemie im Frühjahr 2020 erkrankten und bis heute nicht beschwerdefrei sind." Er betont das Hauptproblem: "Da es sich bei Covid-19 um eine neuartige Krankheit handelt, müssen wir die Ursachen der Symptome und Spätfolgen klären, um gezielt etwas gegen die neurologischen Beschwerden unternehmen zu können."

Keine Ahnung, was die Begriffe rund um das Virus so bedeuten? Schauen Sie in unser Coronavirus-Glossar.

Nervenschäden bei Coronavirus-Erkrankungen nichts Neues

Ein Hinweis darauf, dass tatsächlich ein direkter Zusammenhang zwischen Covid-19 und den neurologischen Symptomen besteht, gibt übrigens das Wissen über zwei andere von ganz ähnlichen Coronaviren ausgelöste Krankheiten. Denn auch bei Sars und Mers konnten Schädigungen des Nervensystems bei Patient*innen beobachtet werden. In beiden Fällen konnten Wissenschaftler durch Experimente belegen, dass diese beiden Arten der Coronaviren (Sars-CoV-1, 2002/03 in China schwer ausgebrochen, sowie Mers-CoV, tritt immer wieder im Mittleren Osten auf) über die Riechnerven in der Nasenhöhle ins Gehirn gelangen können. Bei den damaligen Sars-Infektionen zeigten sich diese Symptome aber erst sehr spät.

Doch nicht nur Lunge bzw. Atemwege und anscheinend auch das Nervensystem leiden unter dem Einfluss des Coronavirus Sars-CoV-2. Forschungen zeigen, dass das Coronavirus auch das Herz befallen kann.

Das Projekt NAPKON – das steht übrigens für "Neurologie im Nationalen Pandemie Kohorten Netz" – soll nun unter anderem die Frage klären, ob die Viruserkrankung die Kognition langfristig beeinträchtigt – und eben vielleicht sogar Alzheimer und Co begünstigen kann. Hinweise darauf gibt es schon.

Bis gesicherte Antworten auf diese und weitere Fragen rund um Long Covid geklärt sind, werden wohl noch Jahre vergehen. Die Zahlen zeigen aber: Auch, wenn man Covid-19 überlebt – die möglichen Langzeitfolgen sind häufig und können die Lebensqualität stark beeinträchtigen und möglicherweise auch die Lebenszeit verkürzen. Ein Schutz durch Abstand und Co sowie durch Impfungen ist also unser bester Weg aus der Krise.

Die Pressemeldung der DGN: "Die fünf häufigsten neurologischen Folgen von Covid-19"

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