Aktualisiert: 15.10.2020 - 11:27

Wie lange bleiben Coronaviren auf der Hand? Coronavirus: Ansteckung vermeiden? Hier ist die Gefahr groß!

Joggen, Oberflächen, Masken: Alles über Ansteckungsgefahren

Joggen, Oberflächen, Masken: Alles über Ansteckungsgefahren

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Wo genau ist die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus eigentlich besonders hoch? Und wo übertreiben wir möglicherweise mit der Desinfektion? Und wie lange überleben die Viren auf der Haut? Ob Türklinken, Pakete, bestelltes Essen – wir fassen zusammen.

Forscher auf der ganzen Welt arbeiten mit Hochdruck daran, das neue Coronavirus Sars-CoV-2 genau zu erforschen, um die Menschheit in Zukunft vor Covid-19 zu schützen. Aber dabei geht es nicht nur um Impfstoff und Medikamente. Mittlerweile lässt sich auch immer mehr über die möglichen Übertragungswege des Virus erkennen – und wenn wir mehr darüber wissen, wo die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus am höchsten ist und wo nicht, können auch wir selbst uns immer besser davor schützen!

Infektionsrisiko: Wo ist die Ansteckungsgefahr am höchsten?

Eines vorweg – und das machen wir mittlerweile fast alle schon sehr gut: Abstand halten bleibt eine der besten Schutzmaßnahmen gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus. Und auch das mit dem Händewaschen haben wir mittlerweile (endlich) ganz gut verstanden – sogar kleinste Kinder machen es uns vor. Nicht ins Gesicht fassen ist schwierig, aber die meisten versuchen, es zu vermeiden. Und Hust- und Niesetikette besagt: Nicht in die Hand oder die freie Umgebung, sondern in die Armbeuge oder in ein Taschentuch – das daraufhin entsorgt wird.

Aber wie ist es mit Dingen, die wir anfassen? Klar, wer sich danach nicht ins Gesicht fasst oder die Hände direkt wäscht, dem kann auch da nichts passieren. Aber Unachtsamkeiten passieren immer wieder, außerdem überlebt das Virus auf manchen Oberflächen länger als auf anderen und kann nach neuesten Erkenntnissen auch überraschend lange auf der Haut klebenbleiben.

Und: Was ist mit meinem Haustier? Meldungen zeigen: Auch die können sich tatsächlich in seltenen Fällen mit Sars-CoV-2 infizieren – aber können sie mich auch anstecken? Und was ist mit bestelltem Essen?

Wenn wir uns ansehen, wie das Virus übertragen wird, verstehen wir mehr über die Ansteckungsgefahr:

Übertragungswege: So gelangt der Erreger von Mensch zu Mensch

Mittlerweile ist so einiges klar über die Übertragungswege von Sars-CoV-2. Der Erreger wird über Tröpfchen übertragen – und das recht schnell. Denn schon bevor Symptome auftreten, können Infizierte ansteckend sein. Die Viruslast ist beim neuen Coronavirus vor allem im Rachen und in der Nase, also in den oberen Atemwegen hoch. Von da aus kann es über Husten (eines der Hauptsymptome), aber auch Niesen und sogar Sprechen sowie beim (starken) Ausatmen in die Luft und auf Gegenstände sowie auf andere Menschen gelangen. Von da aus kann es über verschiedene Wege seinen Weg zum nächsten Opfer finden:

  • Auf direktem Weg – als Tröpfchenschwall in den Mund, die Nase oder die Augen. Und genau deshalb sind Abstand und Alltagsmasken so wichtig.
  • Über einen Umweg, entweder indem Tröpfchen auf dem Gesicht oder den Händen landen und der Angehustete sich danach unbedarft im Gesicht kratzt oder an den Mund fasst, die Lippen ableckt... (daher zusätzlich zum Abstand auch das Händewaschen und Nicht-ins-Gesicht-Fassen!).
  • Über einen weiteren Umweg von Hand zu Hand oder über Oberflächen, die dann angefasst werden – also Türklinken, Geld etc. (und auch hier gilt wieder: Hände waschen, Gesichtkontakt vermeiden!)

Klar ist aber: Je länger das Virus auf dem Weg ist und je mehr Umwege es gehen muss, desto geringer wird die Ansteckungsgefahr. Denn auch, wenn das Coronavirus laut Studien eine Zeitlang auf Oberflächen und auf der Haut überlebt und auch in der Luft um einen Infizierten herum wabern kann: Findet es keinen neuen Wirt, wird es inaktiv – "stirbt" quasi ab. Auf Oberflächen wird es trocken, in der Luft fällt es irgendwann zu Boden und trocknet auch da aus – oder wird gleich vom Wind weggetragen, so dass die Konzentration so gering wird, dass eine Ansteckung nicht mehr passieren kann.

So lange überleben Coronaviren auf der Haut

Aber: Solange es eben nicht austrocknet, kann es auch aktiv bleiben. Bleibt es also sozusagen "im Schleim", besteht eine gewisse Gefahr. Australische Forscher haben kürzlich herausgefunden, dass Sars-CoV-2-Viren auf glatten Oberfläche bis zu 28 Tage überleben können. Das betrifft im Alltag etwa Bankautomaten, oder – und das ist eine der meistunterschätzten Gefahren – Handydisplays.

Eine weitere Studie von Wissenschaftlern der Präfekturuniversität Kyoto in Japan zeigt jetzt: Auch auf der Haut kann das Virus länger überleben als gedacht. Und zwar bis zu neun Stunden. Im Vergleich ließ sich zeigen: Influenza-A-Viren (also ein Strang des Grippevirus, der häufig vorkommt), können rund zwei Stunden auf der menschlichen Haut überleben.

Mischten die Forscher die Coronaviren auch noch mit Schleim, um eine Übertragung beim Niesen oder Husten auf die Haut zu simulieren, verlängerte sich die Zeit sogar auf bis zu elf Stunden, in denen die Viren aktiv blieben. "Die neunstündige Überlebenszeit von SARS-CoV-2 auf der menschlichen Haut könnte ein erhöhtes Risiko einer Kontaktübertragung im Vergleich zum Influenza-A-Virus bedeuten", heißt es seitens der Autoren in der im Fachjournal "Clinical Infectious Diseases" veröffentlichten Studie.

Immerhin: Die Wissenschaftler haben auf die infizierten Hautstellen ein ethanolhaltiges Desinfektionsmittel aufgetragen – und das konnte alle Viren innerhalb von 15 Sekunden abtöten. Fazit: Gründliche Handhygiene bleibt wichtig!

Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht mittlerweile davon aus, dass die meisten Übertragungen über den direkten Kontakt stattfinden. Die klassische Tröpfcheninfektion ist also wahrscheinlicher als die aber ebenso mögliche Schmierinfektion. Vor beidem können wir uns aber schützen!

Richtig Hände waschen
Richtig Hände waschen

Ansteckungsgefahr über Umwege: Wie hoch ist die Gefahr?

Wir haben also geklärt, dass die direkte Ansteckung der wahrscheinlichste Weg ist, das Coronavirus irgendwo aufzuschnappen. Doch was ist mit den indirekten Übertragungsmöglichkeiten über Umwege?

  • Auf der Haut ist das Virus überraschend lange nachweisbar. Zur Abstandsregel zählt ja glücklicherweise auch der Verzicht aufs Händeschütteln. Vermeiden Sie also weiterhin den Kontakt zu Fremden.
  • Auf Oberflächen ist das Coronavirus bis zu drei Tage lang nachweisbar, kann aber je nach Oberflächenbeschaffenheit sogar bis zu 28 Tage dort überleben – das zeigen Laborversuche. Doch Umweltfaktoren bewirken, dass der Zeitraum höchstwahrscheinlich geringer ist. Außerdem nimmt die Virenmenge schnell ab, so dass bald der Punkt erreicht ist, an dem die Konzentration für eine Ansteckung nicht ausreicht. Außerdem sollte man sich fragen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Gegenstand vorher von einem Infizierten berührt worden ist. Nehmen Sie beim Einkaufen also ruhig die Flasche Wein, die weiter hinten steht, oder die Packung Klopapier weiter unten. Bei Türklinken und anderen Gegenständen, die viele Menschen am Tag anfassen, etwa Einkaufswagen, ist dennoch Vorsicht geboten. Hier helfen Desinfektionsmittel (mindestens begrenzt viruzid) sowie gründliches Händewaschen, sobald man wieder zu Hause ist. Das vom Paketboten angefasste Paket bietet eine statistisch gesehen sehr geringe Ansteckungsgefahr. Und nach dem Anfassen von Geld sollten wir uns sowieso nicht ins Gesicht fassen. Da tummeln sich nämlich noch jede Menge andere Keime.
  • Eine Übertragung über angefasste Lebensmittel ist bisher noch nicht nachgewiesen worden. Und außerdem wird das Coronavirus bei Hitze deaktiviert, so dass nach dem Kochen oder Erhitzen gar nichts übrig bleiben kann. Wer die (statistisch gesehen geringe) Gefahr darin sieht, sich über bestelltes Essen mit dem Coronavirus anzustecken, kann es nach Erhalt nochmal erhitzen. Lieferer sind zudem dazu angehalten, das Essen vor der Tür abzustellen und sich dann zu entfernen.
  • Auch auf Wäsche zielt der Fakt, dass das Virus mit Hitze nicht zurecht kommt. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann seine Wäsche bei 60 °C waschen. Dasselbe gilt für den Geschirrspüler. Experimente zeigen, dass das Virus bei 70 °C nach fünf Minuten nicht mehr nachweisbar war, bei 56 °C nach 30 Minuten. Dazu kommt aber, dass das Virus durch fettlösende Substanzen unschädlich wird. Seife hilft also nicht nur beim Händewaschen, sondern auch als Waschmittel in der Maschine sowie als Geschirrreiniger in Maschine oder im Waschbecken. So hoch muss die Temperatur also gar nicht sein. Der Grund? Coronaviren besitzen eine ihr Erbgut umhüllende Fettschicht, die durch Tenside und Co zerstört wird. Und das zerstört wiederum das Virus. Übrigens: Handtücher richtig bei höheren Temperaturen zu waschen, ist nicht nur aus Corona-Gründen eine gute Idee.
  • Dass sich das Virus im Trinkwasser tummeln könnte, dafür gibt es bisher keine Nachweise. Denn laut Weltgesundheitsorganisation WHO und Umweltbundesamt (UBA) ist die Virenhülle nicht nur empfindlich gegen fettlösende Substanzen, sondern auch gegen andere Umwelteinflüsse sowie gegen Chemikalien. Das Trinkwasser in Deutschland wird genauestens überprüft und zudem gereinigt: Laut UBA gibt es mehrere verschiedene Barrieren zum Schutz vor Krankheitserregern – etwa Filter sowie Desinfektionsmaßnahmen wie etwa UV-Einstrahlung. "Eine Übertragung des Coronavirus über die öffentliche Trinkwasserversorgung ist nach derzeitigem Kenntnisstand höchst unwahrscheinlich", so die Behörde in einem Schreiben.
  • Im Abwasser wurden Virusfragmente gefunden. Die sind jedoch als nicht infektiös eingestuft, vielmehr könnte sich hieraus eine Art Frühwarnsystem entwickeln. Dennoch: Ein Symptom von Covid-19, unter dem ein Teil der Erkrankten leidet, ist Durchfall. In Einzelfällen konnten Viren im Stuhl erkrankter Personen nachgewiesen werden. Doch darauf, dass dieser Infektionsweg eine Rolle spielt, gibt es bisher keine Hinweise.
  • Auf eine Ansteckung über Haustiere gibt es übrigens auch jetzt keine Hinweise, obwohl mittlerweile Einzelfälle bekannt sind, in denen sich Tiere mit Sars-CoV-2 infiziert haben. Doch es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass die von infizierten Tieren ausgeschiedene Virusmenge ausreicht, um eine Infektion beim Menschen auszulösen. Den Kontakt zu Ihrem Haustier einschränken müssen Sie laut dem für Tiergesundheit zuständigen Friedrich-Löffler-Institut daher nicht. Dennoch gelten die gleichen Hygieneregeln wie immer: Tiere vom Gesicht fernhalten oder sie nicht über das Gesicht lecken lassen, nach Kontakt mit Speichel Hände waschen. Sind Sie selbst erkrankt, halten Sie am besten Abstand nicht nur zu Ihren Mitmenschen, sondern auch zu Ihren Haustieren. Übrigens: Schweine und Geflügel scheinen laut neuen Erkenntnissen nicht gefährdet zu sein.

Ein Blick auf die Statistik: So hoch ist die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken

Es zeigt sich also, dass vor allem die Kontaktbeschränkungen Wirkung zeigen sollten – und das tun sie auch. Dazu gehören nämlich nicht nur die aktuellen Einschränkungen, sondern auch die Absage von Großveranstaltungen. Statistisch gesehen kommen wir jetzt also mit viel weniger Menschen in direkten Kontakt.

Die Infektionszahlen sowie die Zahlen der Hospitalisierten steigen derzeit wieder. Immerhin sei gesagt, dass man sich nicht zwangsläufig anstecken muss, auch wenn man auf einen Infizierten trifft. Zudem sinkt die Wahrscheinlichkeit umso mehr, je weniger wir selbst den Kontakt zu anderen Menschen suchen. Und genau dafür sind die derzeitigen und möglicherweise auch wieder strenger werdenden Regelungen da: Abstand, Maske, Hygiene, Lüften, das Nutzen der Corona-Warn-App, aber auch eben leider wieder verstärkte Kontaktbeschränkungen.

Viele Ansteckungen passieren mittlerweile im Privaten. Hätten wir weiter Großveranstaltungen, zu denen Tausende Menschen kommen, würde die Infektionsrate allein statistisch gesehen wieder nach oben schnellen. In vielen Fällen haben sich laut Forschern Menschen bei anderen angesteckt, während sie eine Mahlzeit zusammen eingenommen haben, also über längere Zeit in unmittelbarer Nähe zueinander saßen. Davon infizierten sich im Schnitt 35 Prozent.

Analysen zeigen, dass zwischen 70 und 85 Prozent aller Infizierten an Covid-19 erkranken – also nicht jeder. Mehr dazu: Coronavirus: So viele Menschen steckt ein Erkrankter im Schnitt an.

Große Gefahren von Massenansteckungen gibt es aber immer noch, die dazu auch noch oft geschwächte Risikogruppen treffen: Nämlich Seniorenwohnheime und Pflegeeinrichtungen, unter deren Einwohnern das Virus schwer zuschlagen kann, sowie Flüchtlingsunterkünfte, in denen viele Menschen zwangshalber wenig Abstand nehmen können. Zudem sind natürlich die stärker gefährdet, die aufgrund systemrelevanter Berufe weiter arbeiten müssen und dazu viel Kontakt mit anderen Menschen haben – etwa ÄrztInnen und PflegerInnen sowie VerkäuferInnen.

Wem es aber möglich ist: Halten Sie Abstand zu anderen, mit denen Sie nicht in einem Haushalt leben! Dazu gehören leider auch Familie und Freunde außerhalb des eigenen Haushaltes. Wer sich nicht sicher ist, ob vielleicht schon eine Infektion da ist: Masken können andere schützen! Sollten Sie aber Symptome verspüren: Bleiben Sie zu Hause!

Übertragung ohne Symptome: Wann sind Infizierte ansteckend?

Oben hatten wir erklärt, dass ein Infizierter bereits andere anstecken kann, ohne die Infektion selbst zu bemerken. Wann die ersten Symptome wie Husten, Fieber etc. auftreten, variiert sehr stark, im Mittel sind es etwa sechs Tage. Manche verspüren aber auch gar keine Symptome. Durch die hohe Viruslast im Rachen können Infizierte aber auch schon rund zwei Tage vor den ersten Symptomen ansteckend sein. Wie lange das der Fall ist, weiß man bisher nicht genau. Und ob Infizierte ohne Symptome ansteckend sind, ist auch noch nicht ganz geklärt.

Sind Sie infiziert, gilt daher, dass Sie sich mindestens 14 Tage isolieren sollten. Das Haus wieder verlassen dürfen Sie dann, wenn Sie mindestens zwei Tage symptomfrei sind.

  • Da man nie genau sagen kann, ob die Menschen, die einem draußen so begegnen, vielleicht ansteckend sind, ist die Abstandsregel so wichtig! Damit senken Sie die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus schon einmal gewaltig!

Fazit: Vor allem direkten Kontakt vermeiden

Fassen wir also zusammen: Eine Ansteckung lässt sich am besten vermeiden, indem Sie Abstand zu anderen außerhalb Ihres "Dunstkreises" (eigener Haushalt) halten. Die Ansteckung etwa im Vorbeigehen ist nach bisherigen Erkenntnissen schwer möglich. Zudem gelten natürlich weiterhin die üblichen Hygieneregeln wie gründliches Händewaschen , außerdem, sich nicht ins Gesicht zu fassen (wir wissen, wie schwer das ist... aber in Verbindung mit regelmäßigem Händewaschen lässt sich das ganz gut erlernen). Zum Schutz anderer sollten Sie im öffentlichen Raum, vor allem in Gebäuden, Gesichtsmasken tragen. Eine flächendeckende Desinfektion des eigenen Haushalts hingegen ist normalerweise nicht notwendig – es sei denn, jemand im Haushalt ist erkrankt und Sie möchten sich und andere Haushaltsmitglieder schützen. Auch hier gilt dann, soweit möglich: Abstand! Hier gibt's weitere Tipps, wie Sie sich vor dem Coronavirus schützen!

Glücklicherweise müssen wir trotz Abstandsregelungen während der Krise nicht auf soziale Kontakte verzichten! Die Technik macht es beispielsweise möglich, dass wir uns über Videotelefonie trotzdem sehen können. Denn trotz Abstand hilft in diesen Zeiten ganz besonders der Zusammenhalt!

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