08.04.2020 - 12:56

Ivermectin gegen Parasiten Krätze-Medikament könnte gegen Coronavirus wirken

Im Labor konnte schon gezeigt werden, dass Ivermectin gegen das neue Coronavirus wirken kann. Klappt's auch beim Menschen mit dem gut verfügbaren, von der WHO als sicher eingestuften Krätze-Medikament?

Foto: iStock/4X-image

Im Labor konnte schon gezeigt werden, dass Ivermectin gegen das neue Coronavirus wirken kann. Klappt's auch beim Menschen mit dem gut verfügbaren, von der WHO als sicher eingestuften Krätze-Medikament?

Es ist ein laut WHO-Liste "unentbehrliches Medikament" und wirkt eigentlich gegen allerlei Parasiten. Jetzt reiht sich Ivermectin ein in die Liste potentieller Wirkstoffe gegen das Coronavirus Sars-CoV-2.

Ein neuer Hoffnungsschimmer am Horizont in Sachen Wirkstoffe gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2? Ivermectin könnte helfen – das berichten jedenfalls australische Forscher. Was dahinter steckt und warum gerade dieses Medikament schnell verfügbar sein könnte – wenn die Wirksamkeit bestätigt werden kann.

Ivermectin: Krätze-Medikament könnte gegen Sars-CoV-2 wirken

Die Liste potentieller Medikamente gegen Sars-CoV-2 ist lang, nur wenige davon sind aber 1. tatsächlich erfolgversprechend und 2. wären auch schnell verfügbar inklusive weltweiter Zulassung. Möglicherweise könnte beides mit einem Medikament klappen, das von der Weltgesundheitsorganisation WHO sowieso schon als eines der wichtigsten Medikamente weltweit eingestuft ist.

Der Wirkstoff Ivermectin wird bei Mensch und Tier zur Behandlung parasitärer Erkrankungen angewendet. Er wirkt gegen Krätze (medizinisch Skabies), Kopfläuse und andere Parasiten, hilft etwa bei diversen Wurmerkrankungen. Das Mittel ist aufgrund seines Standes auf der WHO-Liste der essenziellen Arzneimittel weltweit normalerweise gut und zu einem angemessenen Preis verfügbar.

Jetzt haben australische Forscher im Fachjournal "Antiviral Research" darauf aufmerksam gemacht, dass Ivermectin auch in vitro, also zumindest außerhalb eines Organismus unter Laborbedingungen im Reagenzglas, auch das neue Coronavirus hemmen kann.

Wirkung im Reagenzglas nachgewiesen: 48 Stunden Wirkzeit

"Wir haben herausgefunden, dass bereits eine einzige Dosis die gesamte virale RNA entfernen kann, innerhalb von 48 Stunden", erklärt Studienleiterin Kylie Wagstaff vom Discovery Institute an der australischen Monsah-Universität in Melbourne. Und weiter: "Bereits nach 24 Stunden bemerkten wir eine signifikante Reduktion des Erbguts."

Die antivirale Wirkung des Medikaments hatte Wagstaff bereits 2012 beobachten können, damals anhand von Viren wie HIV, Dengue, Influenza und Zika. Zwar ist die genaue Wirkungsweise des Stoffes auf das Coronavirus nicht bekannt, doch die Forscher um Wagstaff vermuten, dass Ivermectin die Fähigkeit von Sars-CoV-2 "dämpft", sich gegen den Angriff der Wirtszelle zur Wehr zu setzen. So kann das Virus nicht mehr in der Wirtszelle andocken und sich weiterverbreiten. Da unser Körper das neuartige Coronavirus noch nicht kennt, kennen auch diese Wirtszellen es noch nicht und müssen erst lernen, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Aus diesem Grund sind Medikamente und ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2 so wichtig.

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Tests an Patienten müssen folgen – aber das kann dauern

Das Sicherheitsprofil von Ivermectin sei den Studienautoren zufolge gut erforscht, daher empfehlen sie, das Mittel auf einen möglichen Einsatz im Kampf gegen Covid-19 weiter zu untersuchen. Wie genau das funktionieren soll, lassen sie jedoch offen. Ein breiter experimenteller Einsatz komme noch nicht in frage, da die Datenlage zu dünn sei, wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet. Es liegen noch nicht einmal Tierstudien vor.

"Wir müssen jetzt herausfinden, ob die Dosierung, mit der wir es beim Menschen anwenden können, wirksam ist – das ist der nächste Schritt, erklärt die Studienleiterin Wagstaff. Als Medikament ist Ivermectin von der amerikanischen Arzneimittelbehörde immerhin schon zugelassen und gilt als sicheres Medikament, das zudem wie gesagt weltweit gut verfügbar ist.

Folgen müssen jetzt allerdings trotzdem erst einmal vorklinische Tests, bis klinische Studien möglich sind. Laut den Forschern dauere es mindestens einen Monat, bis die Wirkung beim Menschen bestimmt werden könne. Dazu seien zudem finanzielle Mittel notwendig.

Weitere potentielle Wirkstoffe gegen das neue Coronavirus werden derzeit getestet und könnten früher verfügbar sein als ein Durchbruch beim Impfstoff gegen den Coronavirus Sars-CoV-2. So könnte die Zeit bis dahin zumindest mit der Behandlung der Erkrankten überbrückt werden. Unter anderem gilt nach wie vor das Ebola-Medikament Remdesivir als heißer Favorit, doch auch das Malaria-Prophylaxe-Medikament Chloroquin könnte dabei helfen, die Viruslast im Körper zu senken. Weiter wird die Wirkstoff-Kombination aus Lopinavir und Ritonavir untersucht, die bereits gegen HIV eingesetzt werden. In Frankreich warnen Ärzte nach dem Einsatz des entsprechenden Medikamentes "Kaletra" aber vor enormen Nebenwirkungen. Eigenmächtig sollten all diese Medikamente daher auf keinen Fall eingenommen werden!

Bis ein Medikament gefunden ist, das nachgewiesenermaßen gegen das Coronavirus wirkt und auch verfügbar ist und auch darüber hinaus gilt: So schützen Sie sich vor dem Coronavirus! Mehr hilfreiche Artikel finden Sie auf unserer Coronavirus-Themenseite!

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Hier finden Sie eine interaktive Karte über den aktuellen Stand der Infektionen mit Sars-CoV-2 sowohl in Deutschland, in Europa als auch weltweit.

Die Studie wurde von Forschern der Monsah-Universität in Melbourne und des Peter Doherty Institute of Infection and Immunity der Universität Melbourne durchgeführt und ist hier in englischer Sprache nachzulesen.

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