03.04.2020 - 16:00

Studien weisen darauf hin Greift das Coronavirus auch das Herz an?

Studien zeigen: Anscheinend kann das neuartige Coronavirus auch das Herz beeinflussen und auf irgendeinem Weg angreifen. Ob selbst oder etwa über Immunreaktionen, muss sich aber noch zeigen.

Foto: iStock/uchar

Studien zeigen: Anscheinend kann das neuartige Coronavirus auch das Herz beeinflussen und auf irgendeinem Weg angreifen. Ob selbst oder etwa über Immunreaktionen, muss sich aber noch zeigen.

Bisher bekannt ist, dass das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 vor allem Atemwege und Lunge befällt. Doch mehrere Studien aus China und Italien legen nahe, dass es auch das Herz angreifen kann.

Covid-19 ist als Lungenkrankheit bekannt: Mittlerweile ist nachgewiesen, dass sich das auslösende Virus Sars-CoV-2 vor allem im Rachen tummelt und dann auf die Lunge übergeht, wo es unter Umständen großen Schaden anrichten kann. Doch das scheint nicht alles zu sein, wie diverse Studien aus China und Italien nahelegen. Denn die Mortalität von Covid-19-Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck ist mit 10,5 Prozent hoch. Zudem wurde im Blut von Patienten, egal ob mit oder ohne Vorerkrankung, ein Molekül gefunden, das bei Schädigung des Herzmuskels auftritt. Greift das Coronavirus also auch das Herz an? Von möglichen Erklärungen berichtet das Portal "wissenschaft.de" unter Berufung auf die Studien.

Sars-CoV-2 scheint auch das Herz angreifen zu können

Wir lernen immer mehr über das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2. Neben den Symptomen einer Atemwegserkrankung wurde über die vergangenen Wochen immer wieder festgestellt, dass die Krankheit Covid-19 zwar alle Altersgruppen treffen kann, vor allem aber bei älteren und vorerkrankten Menschen schwer verläuft. Es gibt auch schwere Verläufe bei jungen, offenbar gesunden Menschen, doch die Zahl älterer mit kritischem Verlauf, die etwa unter Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, bestimmten Krebserkrankungen oder Störungen der Hirndurchblutung leiden, ist weitaus höher. Meist entwickelt sich bei diesen Patienten eine schwere Lungenentzündung, die in Atemnot bis hin zum Tod übergeht.

Sind also Menschen mit solchen Erkrankungen einfach eher gefährdet? Vieles könnte darauf hinweisen, führt doch Atemnot auch dazu, dass das Herz mehr Leistung erbringen muss, um den wenigen Sauerstoff durch den Körper zu pumpen. Ist das Herz bereits geschwächt, kann es diese schwere Aufgabe umso weniger bewältigen. Doch diverse Studien aus China und Italien zeigen: Es könnte auch sein, dass das Virus selbst akute Schäden am Herzmuskel hervorruft.

Symptom Herzschaden: Biomarker im Blut erhöht

Hinweise darauf gibt ein erhöhter Biomarker im Blut von Covid-19-Patienten mit schweren Verläufen. Dieser Biomarker, kardiales Troponin, wird freigesetzt, wenn Herzmuskelzellen angegriffen und zerstört werden bzw. absterben. Das passiert zum Beispiel bei einem Herzinfarkt.

Das könnte laut Forschern ein Hinweis darauf sein, dass Sars-CoV-2 eben nicht nur die Lunge, sondern auch das Herz angreifen kann. Jedoch ist noch nicht bekannt, auf welchem Weg. Denn im Blut selbst wurde bisher kein Virus gefunden – dort lassen sich nur Antikörper und andere Marker nachweisen, wie eben nun auch den auf zerstörte Herzzellen hinweisenden Biomarker.

So könnte es zwar sein, dass das Virus selbst zu den Schäden am Herzen beiträgt, so "wissenschaft.de". Möglicherweise sind aber auch die durch die Infektion ausgelösten Prozesse und Immunreaktionen dafür verantwortlich. Solche Fälle sind auch von den mit Sars-CoV-2 verwandten Coronaviren Sars-CoV-1 ("Sars") sowie Mers-CoV ("Mers") bekannt. Bei einer Studie nach der Sars-Epidemie 2003 wurde anhand von 75 Patienten festgestellt, dass bei zwei Fünftel der an der Erkrankung verstorbenen Patienten ein akuter Herzinfarkt ausgelöst worden war. Ebenso seien Herzrhythmusstörungen aufgetreten, so berichtete Mohammad Madjid von der Unviersity of Texas in einer Überblicksstudie im Fachmagazin "JAMA Cardiology".

Italienische Patientin entwickelt Herzmuskelentzündung

In Italien hatten Forscher kürzlich dazu passend von einer Patientin berichtet, die vor der Sars-CoV-2-Infektion eigentlich als gesund gegolten habe. Die 53-Jährige hatte zuerst die klassischen Covid-19-Symptome wie Fieber und trockenen Husten entwickelt. Nach rund einer Woche habe sie aber Kreislaufprobleme zusammen mit starker Erschöpfung entwickelt, die so ausgeprägt gewesen seien, dass sie ins Krankenhaus eingewiesen worden war. Sie wurde positiv auf Covid-19 getestet und in die Kardiologie überwiesen. Dort zeigten Untersuchungen deutliche Anzeichen einer akuten Myocarditis, also einer Herzmuskelentzündung. Die Forscher der Studie um Riccardo Inciardi der Universität Brescia fassen zusammen: "Dieser Fall unterstreicht, dass das Herz als Komplikation von Covid-19 betroffen sein kann – und das selbst ohne klare Symptome und ohne eine Lungenentzündung." Das unterstreicht auch Madjid: "Es ist wahrscheinlich, dass der Herzmuskel selbst in Abwesenheit einer vorhergehenden Herzerkrankung durch das Coronavirus und die von ihm ausgelöste Krankheit beeinträchtigt wird."

Schaden kann es auf keinen Fall, auch während der Corona-Krise fit und aktiv zu bleiben. Denn auch so lässt sich das Herz stärken:

Fit & gesund durch die Coronakrise
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Sterberisiko kann sich stark erhöhen

In aktuellen chinesischen Studien zeigt sich, dass sich das Sterberisiko von Patienten deutlich erhöhen kann, wird auch das Herz angegriffen. Dazu hatte etwa ein Team der Universität Wuhan 416 Patienten untersucht und festgestellt, dass bei knapp 20 Prozent dieser Patienten Hinweise für Herzschäden zu sehen waren. Bei diesen war das Risiko demnach auch höher, an Covid-19 zu sterben. Eine weitere Studie mit 187 Patienten zeigte ähnliche Ergebnisse.

Rund die Hälfte der Patienten mit Herzmuskelschäden hatte eine höhere Mortalität als die Patienten, bei denen der Biomarker Troponin nicht nachzuweisen war. Interessant dabei: Die Sterberate war nicht nur bei den Patienten hoch, die aufgrund von Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen erhöhte Troponin-Werte hatten, sondern auch bei denen, die keine Vorerkrankungen hatten, deren Troponin-Werte aber dennoch erhöht waren.

Nun muss in weiteren Studien herausgefunden werden, was genau dafür sorgt, dass der Herzmuskel angegriffen wird und bei welchen Coronavirus-Patienten dies passiert.

Quellen: "wissenschaft.de" unter Berufung auf:

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