03.04.2020

Glossar Coronavirus: Diese Begriffe sollten Sie kennen

Coronavirus-Glossar: Begriffe, die Sie jetzt kennen sollten
Mi, 01.04.2020, 13.09 Uhr

Coronavirus-Glossar: Begriffe, die Sie jetzt kennen sollten

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Covid-19, Inkubationszeit, Quarantäne – einige Begriffe sind mittlerweile wohl jedem bekannt. Aber wo liegt nochmal genau der Unterschied zwischen Epidemie und Pandemie? Und was ist eigentlich die Letalität?

So viele Wörter fliegen uns derzeit um die Ohren, wenn wir die Zeitung aufschlagen, durchs Internet surfen oder die Nachrichten schauen. Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter? Wie genau heißt jetzt das Virus, wie die Krankheit? Hier gibt's ein Coronavirus-Glossar mit allen wichtigen Schlagworten!

Coronavirus-Glossar: Was ist was?

Wir alle haben zurzeit wohl kaum ein anderes Thema als die Coronavirus-Pandemie. Aber Moment mal. Pandemie? Epidemie? Hier gibt's Antworten:

Coronavirus

"Coronavirus" ist eigentlich ein Überbegriff für eine Vielzahl an Viren, nicht nur für Sars-CoV-2, das daher oft auch "neuartiges Coronavirus" genannt wird. So wird das Virus der Einfachheit halber aber auch gerne nur "Coronavirus" in der Öffentlichkeit genannt, manchmal auch noch kürzer "Corona". Coronaviren sind kugelförmige Viren mit kleinen Spitzen, so dass sie Kronen ähneln – Corona ist lateinisch für Krone.

Covid-19

Covid-19 nennt man die Lungenkrankheit, die durch das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöst wird. Der Name stammt von der Weltgesundheitsorganisation WHO und wurde am 11. Februar 2020 publik gemacht. Der Name setzt sich zusammen aus "Co" für Corona, "vi" für Virus und "d" für Disease, also Krankheit und die 19 steht für das Jahr 2019, in dem Sars-CoV-2 zum ersten Mal beim Menschen entdeckt wurde.

Sars-CoV-2

So wird das neuartige Coronavirus genannt, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst – die Kurzform für "Severe Acute Respiratory Syndrome. Es stammt aus der großen Familie der Coronaviren und wurde im Januar 2020 im chinesischen Wuhan in der Provinz Hubei als Auslöser der Lungenerkrankung identifiziert.

Immunsystem

Das Immunsystem ist die körpereigene Abwehr von Lebewesen, die dafür sorgt, dass Erreger von Infektionen, wie das Coronavirus einer ist, keinen allzu großen Schaden anrichten kann. Oft kann das Immunsystem direkt reagieren, wenn ihm der Erreger schon (zumindest halbwegs) bekannt ist. Das ist bei Sars-CoV-2 bisher nicht der Fall. Aber das Immunsystem lernt.

Wenn wir uns mit einem Krankheitserreger infizieren, greifen Zellen unseres angeborenen Immunsystems an – sogenannte Makrophagen und andere "Fresszellen" die die Angreifer geradezu fressen, sowie Killerzellen, die befallene Körperzellen abtöten und Mastzellen, die entzündungsfördernde Botenstoffe aussenden. Wenn das nicht ausreicht, wird die über unsere Lebenszeit erworbene Immunabwehr aktiviert: T- und B-Lymphozyten können Erreger noch besser vernichten, doch sie müssen sich erst bilden. Das geht schneller, wenn die Erreger dem Körper schon bekannt sind, etwa wie es bei eine Erkältung auslösenden Rhinoviren in der Regel der Fall ist, oder eben langsamer, weil der Körper die neuen Erreger erst kennenlernen muss. Das ist beim neuartigen Coronavirus der Fall. Und das dauert dann einige Tage.

Bei Immunreaktionen werden Stoffe ausgeschüttet, die Entzündungen hervorrufen, etwa Schwellungen oder Fieber. Das Symptom Fieber ist also eine Reaktion unseres Immunsystems auf die Erreger. Daher ist es bis zu einem gewissen Grad gut, das Fieber walten zu lassen. Ab 40 °C kann hohes Fieber aber gefährlich werden!

Antikörper und B-Zellen

Antikörper sind körpereigene Abwehrstoffe, genauer Proteine, also Eiweiße, die unser Immunsystem bei einer Erkrankung gegen den entsprechenden Erreger produziert. B-Zellen sind ür die Produktion dieser Antikörper zuständig.

Herdenimmunität / Bevölkerungsimmunität

Die Herdenimmunität ist eine Theorie, die uns langfristig vor einem Erreger immun macht – und zwar dann, wenn rund 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung einmal infizert war oder geimpft wurde. So können auch nicht-immune Menschen besser geschützt werden, denn immune Menschen können die Erreger meist auch nicht übertragen.

Immunität entsteht entweder, wenn man infiziert war und der Körper Immunzellen gebildet hat, die sich an diesen Erreger erinnern und ihn dann bei nächster Begegnung effektiv bekämpfen können, oder wenn ein wirksamer Impfstoff existiert. Jedoch wandeln sich manche Erreger so schnell, dass weder natürliche Immunität noch Impfstoff ausreichen. Das ist beispielsweise bei HIV oder dem Influenza-Virus, der Grippe, der Fall.

Basisreproduktionszahl/Reproduktionsziffer

Die Basisreproduktionszahl, auch R0-Wert genannt, beschreibt, wie ansteckend eine Krankheit ist, solange noch kein Mensch immun gegen den Erreger ist. Damit wird erklärt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Bei Sars-CoV-2 liegt der Wert bei 2-3. Damit eine Epidemie zum Stillstand kommt, muss der Wert auf 1 gesenkt werden, damit sie abebbt, auf unter 1.

Tröpfcheninfektion

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sagt: Die meisten Infektionen mit dem neuen Coronavirus finden über Tröpfcheninfektion statt. Winzige kontaminierte Tröpfen können von infizierten Menschen etwa über Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft gebracht und von anderen Menschen eingeatmet werden oder über Schleimhäute in den Körper gelangen.

Bei Sars-CoV-2 klappt das besonders schnell, da sich das Virus vor allem im Rachen vermehrt und dabei schnell ausgehustet werden kann. Doch ausgehustete oder genieste Tröpfchen fallen schnell zu Boden. Daher ist Abstand halten ein sehr effektiver Schutz vor einer Infektion.

Aerosol

Ein Aerosol ist eine fein zerstäubte Flüssigkeit in der Luft, in der sich theoretisch auch winzige Viruspartikel über längere Zeit schwebend in der Luft halten können, sozusagen als "Virus-Wolke". Daher stellen sich viele Menschen die Frage, ob Spazierengehen in Corona-Zeiten oder Joggen jetzt gefährlich ist.

Schmierinfektion / Kontaktinfektion

Früher wurde die Kontaktinfektion auch Schmierinfektion genannt. Auch so kann sich Sars-CoV-2 verbreiten: Nämlich wenn jemand einen kontaminierten Gegenstand anfasst oder eine erkrankte Person berührt und sich dann mit den Händen an Schleimhäute, etwa an Mund, Nase oder Augen, fasst. Eine Zeitlang kann sich das Coronavirus wohl auf Oberflächen halten. Doch in der Realität sollten die Werte geringer sein. Dennoch ist regelmäßiges Händewaschen äußerst wichtig, um sich vor einer Infektion zu schützen!

Richtig Hände waschen

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FFP-Maske

FFP ist die Abkürzung für das englisch "filtering face piece", also filternde Gesichtsmaske, zu deutsch genauer "partikelfilternde Halbmaske". Hier handelt es sich tatsächlich um eine Atemschutzmaske. Sie schützt den Träger je nach Stärke mehr oder weniger vor dem Einatmen von kleinen und kleinsten (FFP3) Partikeln, die die Gesundheit schädigen könnten.

Gesichtsmaske

Auch eine Gesichtsmaske ist eine Maske vor Mund und Nase. Sie ist im medizinischen Bereich aus einem filternden Papier, kann aber auch aus Stoff genäht werden, darf aber mittlerweile nicht mehr offiziell den vielgenutzten Namen "Mundschutz" tragen – denn sie schützt nicht den Träger, sondern die Mitmenschen. Mehr dazu: Stoff, Kaffeefilter und Co: Hilft eine selbstgemachte Maske?

Inkubationszeit

Dies ist die Zeitspanne zwischen Infizierung und Ausbruch der Krankheit mit Symptomen. Je nach Erkrankung kann die Inkubationszeit zwischen einigen Stunden und sogar einigen Jahren (etwa bei der von HIV ausgelösten Krankheit Aids) liegen. Im Schnitt liegt die Inkubationszeit bei Covid-19 bei fünf Tagen, kann aber auch bis zu 14 Tage dauern. Manche Infizierte verspüren hingegen sogar gar keine Symptome.

Latenzzeit

Während der Latenzzeit trägt ein Infizierter das Virus zwar schon in sich, kann aber noch niemanden anstecken. Die Länge ist bei Sars-CoV-2 noch nicht bekannt. Sie ist nicht identisch mit der Inkubationszeit, wie wir momentan sehen: Sars-CoV-2 kann schon vor Auftreten erster Symptome – also während der Inkubationszeit – auf andere übergehen.

Quarantäne

Quarantäne wird bei bestimmten, sehr ansteckenden Infektionskrankheiten angeordnet, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Behördlich kann sie angeordnet werden, wenn ein hohes Risiko einer Infizierung anderer besteht, wie es etwa bei Sars-CoV-2 der Fall ist. Zurzeit wird sie angeordnet, wenn man sich mit dem Coronavirus infiziert hat, wenn ein hohes Verdachtsrisiko besteht, etwa weil in den 14 Tagen zuvor Kontakt mit einem Erkrankten hatte oder in einer Risikoregion war. Dabei gibt es die Quarantäne im Krankenhaus, aber auch die häusliche Quarantäne. Die Quarantäne kann auf Kontaktpersonen ausgeweitet werden. Sie ist aber nicht zu verwechseln mit der für alle geltenden Ausgangsbeschränkung und dem Kontaktverbot! Wer in verordneter Quarantäne ist, darf aus seinem Quarantänebereich (in häuslicher Quarantäne ist das etwa die Wohnung) nicht raus!

Epidemie

Epidemie ist das wissenschaftliche Wort für Ausbruch und wird in Bezug auf Ausbrüche von Krankheiten in einem begrenzten Gebiet genutzt. Jedoch wird der Begriff in der Regel nur für größere Ausbrüche genutzt, da eine gewisse Dramatik mitschwingt.

Pandemie

Eine Pandemie ist die Ausweitung des Begriffes Epidemie und wird angewendet, wenn sich ein Krankheitsausbruch auf mehrere Kontinente erstreckt. Wie viele Kontinente aber betroffen sein müssen, dafür gibt es keine allgemeingültige Definition. Damals hat die WHO als Warnsignal Pandemien ausgerufen, heute nennt die Organisation dies "Gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite".

Exponentielles Wachstum

Wie exponentielles Wachstum funktioniert, ist gar nicht so einfach zu verstehen. Exponentielles Wachstum beschreibt eine Vermehrung, die sich ständig selbst beschleunigt: In einem festen Zeitraum findet jeweils eine Verdopplung der Fallzahl statt. Fallzahlen können leicht in die Höhe schnellen. In Bezug auf Infektionskrankheiten und vor allem bezüglich des neuartigen Coronavirus muss man sich das so vorstellen, dass ein Infizierter im Schnitt 2-3 andere Menschen ansteckt, die wiederum weitere 2-3 Menschen anstecken. Da aber anfangs noch nicht klar ist, wie hoch die Basisreproduktionszahl (s.o.) ist und da es auch durchaus sogenannte "Superspreader" geben kann, die statt nur 2-3 auch sehr viele Menschen anstecken können, wird eine Ausbreitung nach exponentiellem Wachstum anfangs leicht unterschätzt. Zu Beginn verläuft die Kurve nämlich langsam, doch je mehr Menschen sich anstecken, desto schneller wächst sie in die Höhe. Dieses Wachstum gilt es abzuschwächen, bis es irgendwann wieder rückläufig wird. Hilfreich dabei ist die Abstandsregelung, die die Absage von Veranstaltungen bis hin zum Kontaktverbot beinhaltet.

Letalität

Die Letalität beschreibt die Tödlichkeit einer Erkrankung. Um diese Rate zu bestimmen, wird die Anzahl der bereits an einer Krankheit verstorbenen Menschen in Relation zur Anzahl neuer Erkrankungen gesetzt.

Mortalität

Die Mortalitätsrate wird auch Sterberate genannt und bezeichnet die Anzahl der Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum, bezogen auf 1000 Individuen einer Population. Meist wird der Zeitraum auf ein Jahr definiert. Laut WHO liegt die Sterblichkeitsrate bei der Infektion mit dem Coronavirus bei bis zu drei Prozent, der Wert kann sich aber noch ändern und hängt auch damit zusammen, wie gut Menschen mit schwerem Krankheitsverlauf behandelt werden können. In Italien etwa ist die Mortalitätsrate sehr hoch, da viele Infizierte aufgrund mangelnder Kapazitäten nicht mehr behandelt werden können. Bei der Grippe liegt die Mortalität bei weniger als einem Prozent. Theoretisch könnte sie aber auch steigen, wenn Coronavirus-Welle und Grippewelle auf denselben Zeitraum fallen, das Gesundheitssystem überlastet wird und zu wenige erkrankte Menschen behandelt werden können und daher sterben.

Triage

Triage ist französisch und bedeutet Auswahl oder Einteilung. Der Begriff stammt aus der Militärmedizin und bedeutet, dass jene Patienten zuerst behandelt werden, bei denen die Erfolgsaussichten auf Heilung am größten sind. Triage-Entscheidungen müssen also etwa getroffen werden, wenn das Gesundheitssystem so überlastet ist, dass nicht mehr alle Erkrankten oder Verletzten gleichzeitig behandelt werden können. In Italien etwa müssen Ärzte zurzeit Triage-Entscheidungen treffen, um Menschenleben zu retten.

Die von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin zusammen mit anderen Fachverbänden und Medizinethikern herausgegebenen "Entscheidungen über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfall- und der Intensivmedizin im Kontext der Covid-19-Pandemie" sind solche Empfehlungen für den deutschen Raum und greifen dann, wenn auch hierzulande so viele schwere Fälle auftreten, dass die medizinischen Kapazitäten nicht mehr ausreichen, um alle zu behandeln. Es geht also darum, welche Patienten bei schwerem Verlauf auf die Intensivstation verlegt werden können und welche nicht. Abgewogen werden müssen dann "realistische klinische Erfolgsaussichten einer Intensivtherapie zum aktuellen Zeitpunkt".

Infektionsschutzgesetz

Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gibt es in Deutschland seit dem 1. Januar 2001. Es regelt die gesetzlichen Pflichten zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen. Dies soll dabei helfen, übertragbaren Krankheiten vorzubeugen sowie solche frühzeitig zu erkennen und die Ausbreitung zu verhindern. Das Gesetz regelt auch, welche Krankheiten bei Verdacht, Erkrankung oder Tod sowie welche labordiagnostischen Nachweise von Erregern meldepflichtig sind und welche Angaben dazu gemacht werden müssen – außerdem, welche dieser Angaben dem Gesundheitsamt übermittelt werden.

Zoonose

Darunter versteht man Krankheiten, die auf natürlichem Weg von Tieren auf Menschen oder von Menschen auf Tiere übertragbar sind. Stammt Sars-CoV-2 wie vermutet tatsächlich von einem Tier, handelt es sich um eine Zoonose.

Weitere hilfreiche Artikel sowie Neuigkeiten zum Coronavirus lesen Sie auf unserer Themenseite.

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