Aktualisiert: 08.01.2021 - 13:20

Antikörper-Konzentration sinkt ab, aber... Nach Coronavirus-Infektion immun? Und wenn ja, wie lange?

Die Impfung wird wohl der beste Weg sein: Immerhin deutet viel darauf hin, dass man entweder nach der Erkrankung oder insbesondere nach der Impfung für mindestens einige Monate immun gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 sein kann.

Foto: iStock/fotoquique

Die Impfung wird wohl der beste Weg sein: Immerhin deutet viel darauf hin, dass man entweder nach der Erkrankung oder insbesondere nach der Impfung für mindestens einige Monate immun gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 sein kann.

Kann eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 irgendwann tatsächlich erreicht werden? Aktuelle Studienergebnisse zeigen: Es baut sich ein Immungedächtnis auf – doch es schwankt. Was wissen wir bisher?

Eine Hoffnung in dunklen Zeiten? Forscher, die das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 seit seinem Auftreten immer wieder untersuchen und beobachten, stellen fest: Man kann davon ausgehen, dass Covid-19-Patienten nach Genesen der Infektion immun gegen das Coronavirus Sars CoV-2 sein könnten – zumindest für eine gewisse Zeit. Jetzt lässt sich dieser Zeitraum etwas genauer eingrenzen.

Die Zeit ist ein wichtiger Faktor. Denn Studien zeigen: Die Zahl der Antikörper sinkt bei vielen Patienten bereits wenige Wochen nach der Genese, es gab auch schon vereinzelte Meldungen von Zweitinfektionen. Zum Thema Immunität nach Corona-Infektion gibt es starke Schwankungen.

Immun nach Corona-Infektion? Tests sprechen dafür

Sars-CoV-2 ist auch nach rund einem Jahr noch auf seinem Weg durch die Welt. So viele Menschen sich derzeit damit auch infizieren, eines wird immer deutlicher: In dieser Zeit hat sich das Virus verändert. Das wirft die Frage nach anhaltender Immunität auf. Dass RNA-Viren, wie auch Coronaviren es sind, unter Umständen mutieren können, zeigen andere RNA-Viren, nämlich Influenzaviren. Daher muss für die jedes Jahr eine neue Impfung her – und da es so viele verschiedene Typen des Virus gibt, hilft der Impstoff auch nicht immer. Auch das HI-Virus stellt die Menschheit vor ähnliche Probleme: Da sich der Aids-Erreger so unglaublich schnell wandelt, konnte noch kein schützender Impfstoff dagegen gefunden werden. Beim Coronavirus macht gerade eine besorgniserregende Mutation die Runde. Und doch ist die Wandelfreude nicht ganz so hoch wie bei den beiden anderen Viren.

Dennoch bleibt die Frage der Immunität. Immerhin: Sars-CoV-2 scheint stabil genug zu sein, dass Menschen danach zumindest für eine längere Zeit immun sein könnten. Sowohl nach durchgemachter Covid-19-Erkrankung als auch nach einer Impfung mit einem der Impfstoffe bildet der Körper eine Immunantwort aus. Nach der Erkrankung scheint sie aber schneller wieder zu verschwinden als nach einer Impfung. Das hängt möglicherweise mit den verschiedenen Sars-2-Varianten zusammen, die mittlerweile kursieren. Der Impfschutz ist hier wahrscheinlich umfänglicher.

Doch laut einer neuen US-Studie sind bei den meisten Patienten, die Covid-19 überstanden haben, auch acht Monate nach der Infektion noch wichtige Immunstoffe vorhanden und ein Immungedächtnis nachweisbar.

Tests zeigen: Antikörper sind vorhanden – aber das Immunsystem kann mehr

Doch noch immer ist der aktuelle Wissensstand nicht ganz eindeutig. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass man nach der Erkrankung in den meisten Fällen erstmal immun ist. Die Frage ist nur: Wie lange? Denn bereits im Sommer konnte an einigen Patienten, vornehmlich mit mildem Infektionsverlauf, festgestellt werden, dass schon kurz nach Genese kaum Antikörper zu finden waren. Und Studien bekräftigen das: Sogar bei Patienten mit schwereren Verläufen sinkt die Zahl der Antikörper.

Doch Antikörper sind nicht alles, wie die Studie am La Jolla Institute for Immunology zeigt. Die Forschenden hatten über acht Monate hinweg das Infektionsgeschehen bei insgesamt 188 Covid-19-Patient*innen beobachtet. Die meisten davon hatten einen milden Verlauf ohne Krankenhausaufenthalt. Sieben Prozent der Probanden waren im Krankenhaus behandelt worden, ein Teil davon auf der Intensivstation.

Die Wissenschaftler*innen haben über Blutproben den Gehalt der spezifischen Antikörper ermittelt, die sich gegen das Spike-Protein des Coronavirus wehren, aber auch von B-Gedächtniszellen, von CD4+-T-Zellen und von CD8+-T-Gedächtniszellen. Diese vier Komponenten gehören alle zum Immungedächtnis:

  • B-Gedächtniszellen kümmern sich um die "Bauanleitung" für virenspezifische Antikörper und reagieren bei erneutem Virenkontakt schnell, um Antikörper zu produzieren.
  • Diese spezifischen Antikörper können sich dann gegen das Spike-Protein zur Wehr setzen.
  • CD4+- und CD8+-T-Gedächtniszellen erinnern sich ebenfalls an bestimmte Teile des Virus, genauer an Proteine oder Proteinteile. Bei einer Zweitinfektion kümmern sie sich um die Aktivierung von T-Killerzellen und T-Helferzellen, die wiederum dann antivirale Botenstoffe auf den Weg schicken.

Sinkende Antikörper sind bekannt – doch der Körper kann sie neu herstellen

Antikörper sind bei Virusinfektionen also oft ein wichtiger Faktor für die Immunität, aber nicht der einzige. Dass die Zahl der Antikörper irgendwann sinkt, und das teilweise schnell, zeigten schon Tests an den ersten deutschen Corona-Patienten, die Ende Januar in München behandelt worden waren. So erklärte Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt an der Klinik für Infektiologie an der München Klinik Schwabing, der diese Patienten behandelt hat: "Bei vier der neun Patienten sehen wir sinkende neutralisierende Antikörper."

Auch Forscher aus China haben ähnliche Entdeckungen gemacht. In einer in der Fachzeitschrift "Nature Medicine" veröffentlichten Studie berichten sie, dass vor allem symptomfreie Patienten schon nach zwei Monaten kaum noch Antikörper aufweisen und auch generell weniger davon und demnach eine schwächere Immunantwort entwickelt hatten. Aber auch bei Patienten mit stärkeren bis starken Symptomen fiel auf, dass die Zahl der Antikörper nach der Genese schnell abnahm. Doch wie gesagt: Auch die anderen Bestandteile des Immunsystems spielen eine offenbar große Rolle.

Clemens Wendtner betonte damals: "Es konnte gezeigt werden, dass neutralisierende Antikörper sehr rasch vom Körper hergestellt werden können, da man für die natürliche Antikörperproduktion auf ähnliche Vorstufen zurückgreifen kann, wie Personen, die nicht in Kontakt mit Covid-19 gekommen sind." Zwar "vergisst" das Immunsystem irgendwann, aber offenbar dauert das Monate, wie die neuesten Ergebnisse zeigen. Kommt es in dieser Zeit zu einer neuen Infektion, können die diese Antikörper produzierenden sogenannten "B-Zellen" direkt mit der Produktion dieser kleinen und gegen genau dieses Virus wirksamen Waffen beginnen – und Sars-CoV-2 könne zumindest schneller attackiert werden.

Das konnte bereits vor Monaten ein Test an vier Rhesusaffen zeigen. Darüber hatte auch Charité-Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast berichtet. Chinesische Forscher hatten vier Affen mit dem Coronavirus infiziert, sie wieder genesen lassen und sie dann, wieder gesund und vier Wochen nach der Gesundung, einer weiteren, extrem hohen Dosis an Viren ausgesetzt. Keiner der Affen hatte sich danach wieder infiziert – und keiner war ansteckend. Ob das auch auf den Menschen übertragbar ist, soll nun getestet werden. Alles spricht aber dafür, denn das Immunsystem von Rhesusaffen ähnelt dem des Menschen stark. Das Robert-Koch-Institut (RKI) ging im April noch davon aus, dass eine "Immunität bis zu drei Jahre anhalten könnte".

Studienergebnisse zeigen: Die meisten sind acht Monate später noch immun

Fünf bis acht Monate nach überstandener Infektion zeigten 95 Prozent der Probanden der Studie des La Jolla Instituts noch mindestens drei dieser Immungedächtnis-Komponenten in sich. Abgenommen hat insbesondere die Menge der neutralisierenden Antikörper. Vor allem die virusspezifischen Immunglobulin-G-Antikörper konnten bei vielen Patienten nach rund drei Monaten nur noch in geringem Maße nachgewiesen werden. Andere neutralisierende Antikörper aber ließen sich auch nach bis zu acht Monaten noch bei 90 Prozent der Probanden nachweisen. Und auch die Abwehr- und Gedächtniszellen blieben meist lange erhalten.

Laut Jennifer Dan und ihrem Team nahmen die B-Gedächtniszellen in den vier Monaten nach der Infektion sogar noch zu und blieben dann auf hohem Niveau. als "robust und wahrscheinlich lange anhaltend" bezeichnen die Forscher das B-Zell-Gedächtnis.

Ebenfalls lange nachweisen ließen sich bei 92 Prozent der Probanden die CD4+-T-Gedächtniszellen. Die virusspezifischen CD8+-T-Gedächtniszellen hingegen nahmen schnell ab und waren nach sechs Monaten nur noch bei der Hälfte der Studienteilnehmer vorhanden.

Dennoch zeigen die Ergebnisse laut Dan und ihrem Team, dass offenbar bei den meisten Menschen ein Immunschutz von mindestens sechs bis acht Monaten nach Corona-Infektion anhält – und diese Immunantwort auch gegen schwere Verläufe schützt.

Dennoch wird es sicherlich Patienten geben, bei denen das Immungedächtnis schneller zurückgeht. Denn die Immunantwort kann, das zeigen auch die oben genannten Ergebnisse, sehr unterschiedlich ausfallen. Rund fünf Prozent der Probanden zeigten demnach nur ein schwaches Immungedächtnis. Die Forschenden gehen davon aus, dass diese Menschen durchaus schnell anfällig für eine erneute Infektion mit Sars-CoV-2 sein könnten.

Inwiefern neue Mutationen wie die besorgniserregende Corona-Variante B.1.1.7 dort hineinfließen, muss noch herausgefunden werden.

Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?
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Impfstoff wäre der schnellste Weg zur Immunität

Der sicherste und schnellste Weg, eine großflächige Immunität gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 zu erreichen, wäre dennoch nicht die Infektion aller – denn dazu müssten sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infizieren, und das ist allein ethisch nicht machbar –, sondern ein funktionierender Impfstoff. Und von diesem haben wir Stand jetzt gleich zwei – weitere folgen. Mit diesen Corona-Impfstoffen können wir bald rechnen.

A propos: Wie das mit dem Immunschutz funktioniert, lässt sich auch ganz gut am Beispiel von Impfungen erklären. Denn auch nach einer Impfung ist man nicht sofort immun. Die Immunantwort muss sich erst aufbauen.

Mehr aktuelle Infos und hilfreiche Ratgeber in Sachen Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite.

Studien:

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