03.04.2020

Hoffnung in Pandemie-Zeiten Ist man nach der Coronavirus-Infektion immun?

Die Impfung wird wohl irgendwann der beste Weg sein: Immerhin deutet viel darauf hin, dass man entweder nach der Erkrankung oder eben nach der Impfung immun gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 sein kann. Zumindest für eine gewisse Zeit.

Foto: iStock/fotoquique

Die Impfung wird wohl irgendwann der beste Weg sein: Immerhin deutet viel darauf hin, dass man entweder nach der Erkrankung oder eben nach der Impfung immun gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 sein kann. Zumindest für eine gewisse Zeit.

Vieles deutet darauf hin, dass die Herdenimmunität gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 irgendwann tatsächlich erreicht werden kann. Bis dahin ist es aber ein sehr weiter Weg.

Eine Hoffnung in dunklen Zeiten: Forscher, die das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 seit dessen Auftreten immer wieder untersuchen und beobachten, stellen fest: Zwar verändert sich das Virus – aber nur ganz minimal. So minimal, dass man wohl davon ausgehen kann, dass Covid-19-Patienten nach Genesen der Infektion immun gegen dieses Coronavirus sein könnten. Das bestätigen mittlerweile sogar diverse Tests.

Immun nach Corona-Infektion? Tests sprechen dafür

Sars-CoV-2 ist nun seit über drei Monaten auf seinem Weg durch die Welt. So viele Menschen sich derzeit damit auch infizieren, wird dennoch eines immer deutlicher: In dieser Zeit hat sich das Virus kaum verändert. Dass das bei RNA-Viren, wie auch Coronaviren es sind, unter Umständen schnell passieren kann, zeigen andere RNA-Viren, nämlich Influenzaviren. Daher muss für die jedes Jahr eine neue Impfung her – und da es so viele verschiedene Typen des Virus gibt, hilft der Impstoff auch nicht immer. Und auch das HI-Virus stellt die Menschheit vor ähnliche Probleme: Da sich der Aids-Erreger so unglaublich schnell wandelt, konnte noch kein schützender Stoff dagegen gefunden werden.

Dass Coronaviren etwas weniger wandlungsfreudig sind, war zwar bekannt. Aber Sars-CoV-2 scheint stabil genug zu sein, dass Menschen danach zumindest für eine längere Zeit immun sein könnten. "Das Virus hat nur sehr wenige Mutationen auf seinem Weg um die Welt mitgemacht", sagt der Virologe Georg Bornkamm, ehemals Professor am Helmholtz-Zentrum München. Das wäre dann ähnlich wie bei anderen durch stabile Viren hervorgerufenen Krankheiten wie Masern oder Röteln sowie bei vielen Erkältungsviren.

Das macht Mut angesichts dessen, was uns noch bevorsteht – denn das Virus wird uns wohl noch länger begleiten, als uns lieb ist. Zwar kann die Frage noch nicht sicher beantwortet werden, doch Studien, so auch in Deutschland, sollen das bald zeigen.

Impfstoff wäre der schnellste Weg zur Immunität

Georg Bornkamm steckt tief drin in der Forschung am neuartigen Erreger. Er hat das Erbgut verschiedener Sars-CoV-2-Viren von Patienten aus aller Welt miteinander verglichen. Dabei konnten er und seine Kollegen erkennen, dass sich das Virus beispielsweise auf dem Weg von China bis in die USA nur an zehn Stellen verändert hat. Peter Thielen, Molekulargenetiker an der Johns Hopkins University, erklärte der Washington Post gegenüber: "Das ist eine relativ kleine Zahl von Mutationen dafür, dass das Virus eine so große Zahl von Menschen passiert hat."

Dennoch: Der sicherste und schnellste Weg, eine großflächige Immunität gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 zu erreichen, wäre nicht die Infektion aller – denn dazu müssten sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infizieren –, sondern ein funktionierender Impfstoff. Auch daran wird mit rauchenden Köpfen geforscht und gewerkelt. Doch bis es soweit ist, wird wahrscheinlich die 2021 im Datum stehen.

Wenn das allerdings alles klappt und das Virus bleibt tatsächlich stabil, würde das bedeuten, dass ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2 über Generationen hinweg wirksam sein könnte – so wie es eben auch beim Impfstoff gegen Masern oder Keuchhusten ist.

Was ist, wenn ich krank war? Bin ich immun?

Dass sich der Erreger so wenig verändert, lässt aber auch vermuten, dass einmal infizierte und wieder genesene Menschen danach immun gegen Sars-CoV-2 sind. Entweder zumindest für einige Zeit, ganz vielleicht sogar für immer. Denn unser Körper bildet – so zeigte eine erste Studie an den ersten deutschen Coronavirus-Patienten – nach einigen Tagen, spätestens nach zwei Wochen Antikörper. Und die bleiben erhalten, zumindest eine gewisse Zeit. Zwar "vergisst" das Immunsystem irgendwann, doch das dauert. Kommt es nun zu einer neuen Infektion, können die diese Antikörper produzierenden sogenannten "B-Zellen" direkt mit der Produktion dieser kleinen und gegen genau dieses Virus wirksamen Waffen beginnen – und Sars-CoV-2 hat keine Chance, sich ein zweites Mal im Körper auszubreiten.

Zeigen konnte das vor einigen Wochen bereits ein Test an vier Rhesusaffen. Darüber hatte auch Charité-Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast berichtet. Chinesische Forscher hatten vier Affen mit dem Coronavirus infiziert, sie wieder genesen lassen und sie dann, wieder gesund und vier Wochen nach der Gesundung, einer weiteren, extrem hohen Dosis an Viren ausgesetzt. Keiner der Affen hatte sich danach wieder infiziert – und keiner war ansteckend. Ob das auch auf den Menschen übertragbar ist, soll nun getestet werden. Alles spricht aber dafür, denn das Immunsystem von Rhesusaffen ähnelt dem des Menschen stark.

Ob das nun wirklich der Fall ist, soll eine groß angelegte Studie über das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig zeigen, die das Blut von vom Covid-19 wieder genesenen Menschen auf Antikörper untersucht. So kann sich besser einschätzen lassen, wie hoch die Zahl der Immunen und wie hoch die der noch gefährdeten Menschen ist.

Außerdem kann anhand von Tests mit Antikörpern vielleicht sogar erklärt werden, warum die Infektion bei den meisten relativ mild, bei manchen aber so kritisch verläuft. Erste deutsche Corona-Patienten geben Aufschluss über Verlauf.

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Wie lange ist man immun – das müssen Forscher herausfinden

Dass wir nach einer Infektion erst einmal immun sind, gilt also als halbwegs bestätigt. Ob man dann aber für immer immun ist, ist dennoch immer noch nicht erklärt. Hierzu schauen sich Forscher unter anderem das "Vorgängervirus", Sars-CoV-1, an, das 2002/03 in China aufgetreten war. Zwar hat dieses Virus den Körper etwas anders angegriffen als Sars-CoV-2 – es ist direkt in die Lunge gewandert und hat sich nicht, so wie das neuartige Virus, vermehrt im Rachen getummelt – dennoch ähneln sich die Viren stark. Und bei mit Sars-1-Infizierten finden sich noch drei bis fünf Jahre nach der Infektion noch passende Antikörper. Am Ende kommt es also darauf an, wie lange die Antikörper erhalten bleiben.

Hier setzt jetzt eine weitere neue Studie an: Es sollen nämlich Antikörper aus dem Blut von Covid-19 genesener Menschen extrahiert und damit andere Menschen "geimpft" werden. Diese sogenannte "passive Immunisierung" kennt man noch aus den Anfängen der Immunologie aus der Diphterie-Forschung. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA beginnt nun mit solchen Tests – und in Deutschland könnte es auch bald soweit sein…

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