02.04.2020 - 14:40

Unverwundbar ist keiner Coronavirus: Warum erkranken auch junge Leute schwer?

Es trifft nicht nur die Vorerkrankten: Auch junge Menschen können schwer an Covid-19 erkranken. Warum das so ist, wollen Wissenschaftler herausfinden.

Foto: iStock/Branimir76

Es trifft nicht nur die Vorerkrankten: Auch junge Menschen können schwer an Covid-19 erkranken. Warum das so ist, wollen Wissenschaftler herausfinden.

Covid-19 trifft vor allem ältere, vorerkrankte Menschen, heißt es. Doch vermehrt tauchen auch Berichte über junge Leute auf, die den Folgen des Coronavirus erliegen.

Eigentlich herrschte Konsens: Von Covid-19 sind doch eigentlich hauptsächlich vorerkrankte und alte Menschen betroffen? Klar, das macht die Schwere der Pandemie nicht besser, doch zumindest ließ sich die von Sars-CoV-2 ausgelöste Lungenkrankheit so irgendwie besser erklären. Jetzt werden aber gefühlt immer mehr Fälle bekannt, in denen auch vermeintlich gesunde, (sehr) junge Menschen schwer am Coronavirus erkranken und sogar an den Folgen sterben. Das zeigt: Unbesiegbar ist keiner.

Junge Leute und schwere Covid-19-Verläufe bis zum Tod: Auch das ist möglich

Die Meldungen häufen sich derzeit: Schwere Verläufe bei Leistungssportlern und Kleinkindern, Todesfälle sogar bei Jugendlichen – mag sein, dass unser Blick darauf zurzeit durch die vermehrte Berichterstattung in den Medien geschärft ist. Dennoch bleibt der Gedanke: Wenn schon Kinder der Lungenkrankheit Covid-19 erliegen – dann kann es doch eigentlich jeden treffen.

Und genau das ist der Punkt: Es kann uns alle treffen. Keiner von uns ist unverwundbar.

Warum genau das aber so ist, darüber gibt es bisher nur Spekulationen. Klar ist, dass eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 jeden treffen kann, egal wie alt, wie gesund, wie fit. Die einen spüren es eher, die anderen gar nicht, einer muss dann doch beatmet werden, die andere kommen gut mit ein bisschen Ruhe über die Runden.

Das Coronavirus befällt die Lunge

Das neuartige Coronavirus macht sich anfangs in den oberen Atemwegen breit, gelangt von dort aber nach einigen Tagen in die Lunge und befällt dort die Zellen. Jedoch scheint jeder auf diesen Befall anders zu reagieren. Bei den meisten Menschen schafft es das Immunsystem, einen großflächigen Zellenbefall zu verhindern.

Das Immunsystem ist aber nicht bei jedem Menschen stark genug. Mit dem Alter etwa nimmt dessen Leistungsfähigkeit immer weiter ab. Daher verläuft die Lungenkrankheit vor allem bei Älteren häufiger schwer. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) steigt das Risiko für einen schweren Verlauf der Infektion ab etwa 50 bis 60 Jahren stetig an. Und auch Vorerkrankungen beeinflussen über verschiedene Wege die Fähigkeit der Lunge, Luft aufzunehmen und abzugeben. Vor allem das Herz-Kreislaufsystem scheint hier eine große Rolle zu spielen. Wird der Körper nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt, muss das Herz mehr Leistung bringen und mehr Blut durch den Körper pumpen. Ist es aber schon durch Vorerkrankungen geschwächt, kann es dabei schneller schlapp machen. So erhöhen Herz- und Lungenprobleme, aber auch etwa Bluthochdruck oder Diabetes das Risiko. In Deutschland sind bisher über neun Prozent der über 80-Jährigen verstorben, bei denen das Coronavirus nachgewiesen werden konnte. Ob der Tod nun durch das Virus ausgelöst worden ist, dadurch begünstigt wurde oder ob eine andere Todesursache vorlag, ist bisher nicht klar. Bei den 60-69-Jährigen liegt die Rate bei rund zwei Prozent. Von den U-30-Jährigen hingegen mussten laut "Süddeutscher Zeitung" die meisten nicht einmal ins Krankenhaus.

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Mehrere Theorien – aber keine Studien

Was ist nun mit jungen, eigentlich gesunden Menschen? RKI-Vizepräsident Lars Schaade etwa warnt vor einem zu lockeren Umgang mit der Lage: "Auch wenn es selten vorkommt: Bei jüngeren und gesunden Menschen kann es schwere Verläufe geben, darunter sogar Todesfälle."

Es gibt nun verschiedene Theorien: Eine davon ist, dass das Immunsystem einfach überreagiert und dann eigene, eigentlich gesunde Zellen zerstört. Auch darunter leidet das Lungengewebe schwer.

Eine zweite Theorie ist etwa, dass sich das Virus in manchen Fällen nicht erst im oberen Rachen ausbreitet, sondern es direkt in die Lunge eingeatmet wird. Das könnte etwa dann passieren, wenn eine große Anzahl an Viren direkt in den Körper und damit schnell in die Lunge gelangt. Dort kann Sars-CoV-2 dann schneller Schaden anrichten, als das Immunsystem überhaupt reagieren kann. So hatte es kürzlich der vielzitierte Charité-Virologe und Experte in Sachen Coronavirus, Christian Drosten, im NDR-Podcast vermutet. Zwar ist es bisher nur das: eine Vermutung. Doch bis diese bestätigt oder widerlegt ist, sollten wir doch lieber Vorsicht walten lassen.

Eine dritte Theorie ist: Vielleicht wissen manche jungen, vermeintlich gesunden Menschen gar nichts von einer Erkrankung.

Bisher gibt es aber keine evidenzbasierten Studien dazu, warum auch junge und gesunde Menschen schwer bis tödlich an Covid-19 erkranken können. Dafür kennen wir das neue Coronavirus einfach noch nicht gut genug. Dennoch, und dafür plädieren so viele junge erkrankte Menschen mittlerweile in den sozialen Medien, sollte jeder, ob jung oder alt, die Lage ernst nehmen und nach Möglichkeit die Kontakte zu anderen einschränken.

Auch wenn tragischerweise mittlerweile sogar Jugendliche dem Coronavirus erlegen sind, trifft es meist doch die Risikogruppe. Wie wir diese schützen und versorgen können und wie wir gleichzeitig uns selbst vor dem Coronavirus schützen, etwa indem wir uns nicht ins Gesicht fassen, lesen Sie auf unserer Coronavirus-Themenseite.

Übrigens: Es gibt ein paar Tricks, mit denen sich eine Lungenentzündung eventuell verhindern lässt. Und eines können junge Leute auf jeden Fall tun, um sich vor Corona zu schützen: am besten jetzt aufhören zu rauchen!!

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