01.04.2020 - 19:02

Welche Maske hilft wem? Stoff, Kaffeefilter und Co: Hilft eine selbstgemachte Maske?

So nähen Sie sich selbst einen Mundschutz
Fr, 27.03.2020, 13.26 Uhr

So nähen Sie sich selbst einen Mundschutz

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Erst hieß es, Mundschutz hilft nicht, jetzt nähen sich immer mehr Menschen selbst eine Maske – aber nicht zum Selbstschutz! Wem welche Masken helfen und warum hier Solidarität ganz wichtig ist.

Man macht sich ja hierzulande schnell lächerlich über die, die in der Öffentlichkeit mit Mundschutz bzw. Gesichtsmaske herumlaufen. Auch Wut mischte sich in den vergangenen Wochen schnell zum Gefühl der Unverständnis: Lasst doch denen die Masken, die sie wirklich brauchen! So ging und geht es wohl vielen von uns durch den Kopf. Oder auch die Frage: Ist der Maskenträger da vor mir nun krank oder hat ihn die Panik gepackt?

Jetzt herrscht vielerorts Maskenpflicht in der Öffentlichkeit. Und prompt schießen Schnittmuster für selbstgenähte Masken aus dem Boden. Aber bringt der stoffene, filterlose oder anderweitig selbstgemachte Maske überhaupt etwas? Und wenn ja: wem? Ein Überblick:

Selbstgemachte Maske vs. professioneller Mundschutz

Allem voran: Die Frage, ob eine Gesichtsmaske gegen das Coronavirus hilft oder nicht, ist mit einem klaren JEIN zu beantworten.

  • Ja, eine Atemschutzmaske hilft, wenn sie mindestens FFP2-Schutz aufweist. ABER: Diese Masken sollten ausschließlich denen zur Verfügung stehen, die sie wirklich brauchen, und zwar dem medizinischen Personal. Uns Ottonormalmenschen würde das Atmen darunter sowieso auf Dauer zu anstrengend und unangenehm. Zumal sie im normalen Alltag sinnfrei sind. Außerdem: Jetzt einen käuflich erwerbbaren Mundschutz kaufen zu wollen ist aussichtslos. Leider auch für Krankenhauspersonal und Pflegekräfte. Die Preise sind enorm nach oben geschnellt, was viele Krankenhäuser und Pflegedienste in die Bredouille bringt. Daher: Lassen wir denen diese Masken, die sie für die Pflege kranker und schwacher Menschen brauchen – auch und vor allem, damit sie diese Arbeit auch weiter verrichten können, ohne selbst zu erkranken!
  • Nein, eine papierene Gesichstmaske oder eine solche aus Stoff, sogar die klassische OP-Maske schützt den Träger selbst nicht. ABER: Eine solche Maske hilft, eigene Speicheltröpfchen und damit potentiell auch eigene Viren aufzufangen und so andere Menschen zu schützen! Gerade gegenüber der Risikogruppe kann das also Leben retten – besonders vor dem Hintergrund, dass man trotz fehlender Covid-19-Symptome ansteckend sein kann – und ist ein Zeichen der Solidarität. Außerdem: Wenn alle Masken tragen, sind alle etwas besser geschützt! In asiatischen Ländern ist das übrigens tatsächlich ein soziales Zeichen der Höflichkeit.

Welche Masken helfen wem?

Zur Übersicht also: Jede Maske hilft irgendwie ein bisschen, die einen mehr, die anderen weniger, die einen den Träger selbst, die anderen die Mitmenschen.

  • FFP-Masken: Schützen den Träger, wenn sie mindestens Schutzstufe 2, besser Schutzstufe 3 aufweisen – sind aber unbequem, erschweren das Atmen UND sollten DRINGEND medizinischem Personal vorbehalten sein. Dort werden sie wirklich gebraucht. Im Alltag behindern sie vor allem, und wenn sie ein eingebautes Ventil besitzen, zeigen sie eigentlich nur: Der Träger ist ein Egoist. Diese Masken sind nicht für den Fremdschutz ausgelegt.
  • Chirurgischer Mund- und Nasenschutz: Schützen vor allem die Mitmenschen, zu einem geringen Teil auch den Träger, schirmt aber nur größere Tröpfchen ab und dient dem Fremdschutz. OP-Masken müssen in Deutschland durch eine DIN-Norm-Regelung zugelassen sein. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dazu: "Da der Träger je nach Sitz des MNS (Anm. d.R.: Mund-Nasen-Schutz) im Wesentlichen nicht durch das Vlies des MNS einatmet, sondern die Atemluft an den Rändern des MNS vorbei angesogen wird, bieten MNS für den Träger in der Regel kaum Schutz gegenüber erregerhaltigen Tröpfchen und Aerosolen."
  • Selbstgemachte Masken: Kommen so langsam in Mode, können hübsch gestaltet werden und helfen vor allem den Mitmenschen. Als Selbstschutz eignet sich eine solche selbstgemachte Maske nicht! Selbst gemacht werden können Masken aus Stoff (genäht), dann können sie sogar mehrfach wiederverwendet werden, aber auch etwa aus Kaffeefilterpapier. Alternativ, aber nicht ganz so gut, hilft auch ein Schal oder ein festeres Tuch vor Mund und Nase. Diese Masken sind eher ein Zeichen der Solidarität, das zeigt: "Ich denke an meine Mitmenschen und möchte sie schützen, falls ich Krankheitserreger in mir trage, von denen ich nichts weiß." Auch, wenn eine selbstgenähte Maske aus Stoff Aerosole nicht aufhält, dann aber immerhin größere Tröpfchen beim Sprechen oder Husten. Sie sollten aus kochfestem Baumwollstoff bestehen. Dieser ist luftdurchlässig und hindert den Träger nicht beim Atmen.

Übrigens dürfen die Masken aus Stoff, die nun vielerorts erhältlich sind, nicht als "Schutz" bzw. "Mundschutz" bezeichnet werden. Denn das sind sie nicht: Sie schützen nicht Sie als Träger, sondern bieten zumindest ein Bisschen Schutz Ihren Mitmenschen. WENN sie richtig gehandhabt werden.

Selbstverständlich gilt auch trotz Verfügbarkeit selbstgemachter Masken: Wer sich krank fühlt, egal ob mit Verdacht auf Covid-19 oder auch nur aufgrund einer Erkältung oder Grippe: Bitte zuhause bleiben und auskurieren! Das sollten wir uns auch für die Zeit nach der Corona-Krise wieder mehr ins Gedächtnis rufen! Dann hätte auch die "echte" Grippe, das Influenza-Virus eine geringere Chance, jährlich Todesopfer zu fordern.

Was muss bei der selbstgemachten Maske noch beachtet werden?

Bei allen Masken gilt: Sie müssen so getragen werden, dass sie Mund und Nase wirksam bedecken: Von der Nasenwurzel bis unters Kinn muss sie reichen. Auch wenn Lösungen aus Filterpapier beispielsweise, oder etwa Windeln, schon hilfreich sind, schön sind sie nicht, und sie verursachen jede Menge Müll. Die wohl umweltfreundlichste und nachhaltigste Art eines Mundschutzes ist die aus Stoff genähte Maske, die lässt sich sogar selbst herstellen. Wer selbst nicht nähen kann, kann dazu vielleicht Bekannte fragen oder sich online umschauen. Viele Kleidungshändler und vor allem auch kleinere Unternehmen fangen an, genähte Gesichtsmasken anzubieten. Und wie erwähnt: Auch vor Mund und Nase gewickelte Schals bieten einen gewissen Schutz für die Mitmenschen. Doch regelmäßiges Waschen sowie sehr vorsichtiges Auf- und Absetzen sind enorm wichtig. Und generell gilt trotzdem: Abstand halten ist nach wie vor wichtig!

So geht's übrigens ganz leicht: Alles, was Sie brauchen, ist ein Halstuch und zwei Gummis.

Außerdem sollten Sie Ihre persönliche Stoffmaske regelmäßig desinfizieren: Dazu reicht es, die Maske entweder bei mindestens 60 °C zu waschen. 5 wirksame Methoden: So reinigen Sie Ihre Gesichtsmaske richtig! Vorsicht gilt bei der Mikrowelle: Masken mit Draht dürfen auf keinen Fall so desinfiziert werden!

Eine Übersicht gibt auch das Portal vergleich.org:

Und allgemein: Was ist mit Vermummungsverbot?

So mancher hat sich vielleicht auch schon gefragt: Wenn jetzt alle anfangen, Gesichtsmasken zu tragen – fällt das nicht unter das Vermummungsverbot? Da lässt sich kurz sagen: Nein. Medizinische Gründe, darunter Infektionsschutz, sind vom Vermummungsverbot ausgenommen – und die gelten in Zeiten der Coronavirus-Pandemie. Zudem greift das Vermummungsverbot in Deutschland nur bei Demonstrationen oder Versammlungen (ausgenommen Karneval) sowie bei Autofahrern. In Österreich, wo in der Öffentlichkeit mittlerweile auch Maskenpflicht herrscht, sieht das normalerweise etwas anders aus. Dort ist es normalerweise verboten, solch große Teile des Gesichts zu verdecken. Ausnahme aber auch hier nun: Infektionsschutz, Schutz vor Luftverschmutzung und Schutz vor witterungsbedingten Umständen, etwa Frost.

Coronavirus – Alle wichtigen Infos
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Ganz wichtig: Auch Mundschutz und vor allem nicht die selbstgemachte Maske aus Stoff und Co oder ein Schal ersetzen nicht die sonstigen Hygienevorschriften! Und auch andere Maßnahmen zum Eindämmen der Virusausbreitung werden damit nicht außer Kraft gesetzt! Die Masken sind ein Zusatz – präventiv gegenüber anderen eingesetzt, oder wie in Österreich sowie in Jena mittlerweile in der Öffentlichkeit oder zumindest in gewissen Bereichen Pflicht.

Sie sollten daher darauf achten, Ihre Gesichtsmaske in der Öffentlichkeit nur mit frisch gewaschenen Händen aufzusetzen oder zu berühren. Denn auch Sie können sich durch Schmierinfektion anstecken. Fassen Sie also etwa an einen kontaminierten Türgriff, können Sie Viren darüber an Ihren Mundschutz übertragen, ebenso wie auch an alle anderen Gegenstände oder Körperstellen. Daher gilt nach wie vor: Gründliches Händewaschen nicht vergessen! So schützen Sie sich vor dem Coronavirus!

Diese Tipps sind kein Garant dafür, gesund zu bleiben! Auch mit Maske können Sie sich anstecken oder andere infizieren. Daher ist die Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen – also auch Hygiene sowie Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote – so äußerst wichtig.

Mehr dazu: Risikopatientin klärt auf: Darum sollten alle Mundschutz tragen

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