01.04.2020

Mehrere Tests gleichzeitig Durchbruch beim Coronavirus-Testen: Forscher entwickeln neues Verfahren

Coronavirus-Test: Wichtige Fragen geklärt
Mi, 18.03.2020, 15.20 Uhr

Coronavirus-Test: Wichtige Fragen geklärt

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Wissenschaftler des Universitätsklinikums Frankfurt und des Deutschen Roten Kreuzes haben ein Verfahren entwickelt, mit dem man viel schneller und großflächiger auf das neuartige Coronavirus testen könnte.

In Deutschland wird schon viel getestet, die Labore gelangen aber mehr und mehr an ihre Kapazitätsgrenzen, die Verfahren dauern lange. Bis zu vier Tage lang braucht es, bis ein Testergebnis vorliegt – und viele Menschen warten auf die Möglichkeit, sich auf das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 testen zu lassen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, haben sich Forscher aus Frankfurt eines neuen, schnelleren Coronavirus-Testverfahrens bedient, das die Menge an Tests mindestens verfünffachen könnte.

Forscher stellen schnelleres Testverfahren für Coronavirus vor

Das Verfahren hatten die Forscher vom Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum in Frankfurt und vom Deutschen Roten Kreuz schon vor Jahren bei Tests von Blutspenden auf HIV angewandt – mit Erfolg. Daher kam die Idee, es auch für Sars-CoV-2 auszuprobieren.

Mit der neuen Test-Vorgangsweise können mehr Menschen gleichzeitig auf das neuartige Virus getestet werden. Damit könne die Testkapazität zum Nachweis des Virus "ab sofort dramatisch weltweit" erhöht werden, so heißt es in einer Mitteilung. Ein "Meilenstein", so nennt es die Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Dr. Birgitta Wolff.

Fünf Proben gemeinsam testen

Grund für das neue Verfahren waren Kapazitätsgrenzen im Corona-Testzentrum auf dem Gelände des DRK-Blutspendezentrums in Frankfurt. "Wir könnten theoretisch über 3000 Tests pro Tag durchführen", so Prof. Erhard Seifried, Ärztlicher Direkt und Medizinischer Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg und Hessen gegenüber der "Frankfurter Rundschau". "Aber wir haben nicht genug Testkits."

Bislang wurde für jede zu testende Person ein Test genutzt, manchmal für zwei Personen. Im neuen Verfahren der Frankfurter Forscher sollen dagegen fünf Proben zu einem "Minipool" zusammengeführt werden. Diese werden dann gemeinsam mithilfe des aktuell genutzten Testverfahrens, des Polymerase-Kettenreaktionsverfahrens (PCR-Verfahren) getestet. Fünf Schleimhaut-Abstriche auf ein Testkit: "Das würde bedeuten, dass wir Massenuntersuchungen mit einem Fünftel des Aufwandes durchführen können", erklärt Seifried.

Dann werden die Ergebnisse wie gehabt geprüft: Fallen alle fünf Proben auf einem Test negativ aus, könne den Getesteten bereits mitgeteilt werden, dass sie nicht mit Sars-CoV-2 infiziert sind.

Ist der Fünffachtest positiv, werden die Proben noch einmal einzeln untersucht. Einzelproben werden dafür vorab archiviert. Der Clou: Dieser Nachtest dauert im Gegensatz zum ersten Test nur maximal vier Stunden, so beschreiben es die Wissenschaftler in einer Mitteilung.

Feldversuch erfolgreich: Test könnte eventuell noch mehr ausgeweitet werden

Dass es mit fünf Proben klappe, sei absolut gesichert, so Seifried. Man habe dasselbe Verfahren schon 1996 angewandt, um Blutspenden auf das HI-Virus (HIV) zu untersuchen. Aufgrund der fehlenden Testkapazitäten kam nun die Idee, das Verfahren auch für das Coronavirus anzuwenden.

Getestet wurde das Verfahren nun schon bei einem Feldversuch mit 50 Patientenproben. Fünf davon waren positiv auf Sars-CoV-2. Die 50 Proben teilten die Forscher auf zehn Fünfer-Pools auf, in vier davon befanden sich positive Proben – die mit dem Analyseverfahren aufgespürt werden konnten.

Jetzt sollen weitere Versuche folgen, sogar mit Minipools aus zehn Proben. Man könne wahrscheinlich nicht unendlich viele Proben auf einen Schlag testen, vermutet Seifried. Doch man wolle die Grenze herausfinden. Er sei "optimistisch", dass man das Verfahren noch ausdehnen könne. "Zehn wäre natürlich genial", schließt er.

Praktisch für Tests von systemrelevanten Gruppen

Man könne so vor allem die Testmenge in den systemrelevanten Arbeitsbereichen ausweiten, etwa beim medizinischen Personal und bei Pflegekräften sowie Verkäufern. Aber auch für die Bewohner von Seniorenheimen wären solch schnellere, weitläufigere Testverfahren sinnvoll. Zudem könnten Kontaktpersonen von Infizierten großflächiger gestestet werden, so dass man die Infektionsketten besser nachvollziehen und positiv getestete Menschen gezielt isolieren kann.

Wenig Sinn ergebe ein Pool-Test hingegen bei Patienten, die bereits Symptome von Covid-19 zeigen. Da sollte man, so Seifried, weiter mit Einzeltests oder maximal zwei Proben auf einem Test arbeiten.

Das Testverfahren wurde bereits in Europa und den USA zum Patent angemeldet. Schätzungsweise könne sich so die Zahl der Tests in Deutschland von zurzeit rund 40.000 Untersuchungen am Tag auf 200.000 bis 400.000 steigern – ohne Senkung der Qualität der Diagnostik. Seifried zeigt sich überzeugt: "Mit der neuen Methode kann Deutschland den globalen Kampf gegen Sars-Cov-2 auf ein neues Level anheben."

Bis es soweit ist, sollten Sie sich nicht auf angebliche Coronavirus-Schnelltests aus der Apotheke verlassen. Die sind leider viel zu ungenau und könnten Sie in falscher Sicherheit wiegen. Hilfreich ist die "CovApp", eine Art Onlinetest der Berliner Charité. Nach Beantwortung diverser Fragen gibt Ihnen die Web-App Ratschläge, etwa wie Sie bei Verdacht auf Ansteckung mit dem Coronavirus nun handeln sollten.

Weitere News und hilfreiche Ratgeber zum Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite.

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