30.03.2020 - 11:25

Höhepunkt überstanden 323 Todesfälle wegen Grippe in Deutschland

Schnupfen, Husten, Fieber, Krankheitsgefühl: Die Grippe-Symptome können heftig ausfallen. Doch eventuell können wir aufatmen: Der Höhepunkt der Grippewelle 2020 scheint langsam überstanden.

Foto: iStock/Cecilie_Arcurs

Schnupfen, Husten, Fieber, Krankheitsgefühl: Die Grippe-Symptome können heftig ausfallen. Doch eventuell können wir aufatmen: Der Höhepunkt der Grippewelle 2020 scheint langsam überstanden.

Die Grippewelle hat in dieser Saison bisher rund 177.000 Menschen in Deutschland erwischt. Aber das RKI meldet: Die Zahlen gehen zurück!

Nebst all der Aufregung rund um die Coronavirus-Pandemie dürfen wir nicht vergessen, dass andere Erkrankungen in diesen Zeiten nicht pausieren. Wir befinden uns immer noch mitten in der Grippewelle 2020 – und die hat nachweislich bisher 323 Todesopfer gefordert. Doch die Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert-Koch-Institut (RKI) meldet: Es scheint bergauf zu gehen.

Grippewelle 2020: Reale Fallzahlen dürften höher liegen

Wie das RKI vermeldet, sind nachweislich aktuell rund 177.000 Grippe-Fälle in Deutschland in dieser Grippesaison registriert worden. Jedoch dürften die tatsächlichen Zahlen höher liegen, denn nur ausgewählte Praxen schicken Influenza-Proben an das Institut. Die Verdachtsfälle werden am Ende der Saison hochgerechnet – bis zum 17. Mai voraussichtlich läuft die aktuelle Saison. Bisher sind also nur im Labor bestätigte Fälle bekannt.

323 Menschen sind an den Folgen der Influenza in der aktuellen Saison gestorben. Davon waren 85 Prozent 60 Jahre oder älter, 48 Prozent waren 80 Jahre oder älter.

Seit der zweiten Januarwoche 2020 läuft die Grippewelle in Deutschland, das RKI vermutet, dass der Höhepunkt nun überschritten ist, die Zahl der Atemwegserkrankungen blieb im Vergleich zur Vorwoche stabil. Das RKI schätzt, dass sich im Verlauf von Grippewellen bis zu 20 Prozent der Bevölkerung anstecken. In diesem Jahr scheint die Welle relativ leicht zu verlaufen – etwa auch im Vergleich zur heftigen Grippesaison 2017/18, bei der RKI-Schätzungen zufolge zehn Millionen Besuche bei Ärztinnen und Ärzten auf die Grippe zurückzuführen waren. In heftigen Jahren erwarten Experten mehrere Zehntausend Tote.

Übrigens wird aktuell jeder Grippe-Fall auf das neue Coronavirus Sars-CoV-2 mitgetestet. Seit der achten Kalenderwoche wurden in eingeschickten Influenza-Proben sechs Nachweise für den neuartigen Erreger der Krankheit Covid-19 entdeckt.

Woran erkenne ich die Grippe?

Grippesymptome treten meist plötzlich ein, dazu zählen Fieber, trockener Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Glieder- und Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Es gibt auch hier milde Verläufe, aber auch schwere, bei denen Komplikationen wie etwa Lungenentzündung auftreten können.

Das Influenza-Virus wird von Mensch zu Mensch vor allem über Tröpfcheninfektion, teilweise aber per Schmierinfektion übertragen und ist sehr ansteckend. Daher gilt – wie sowieso – regelmäßiges und gründliches Händewaschen auch hier als sehr guter Schutz zum Vorbeugen einer Ansteckung.

Symptome und Schutzmaßnahmen ähneln sich bei Grippe und Coronavirus stark. Was sind also die Unterschiede?

Coronavirus und Grippe im Vergleich

Coronavirus und Grippe im Vergleich

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Übrigens verwechseln viele die Grippe mit einer Erkältung. Doch die Auslöser sowie Symptome und Schwere der Erkrankung unterscheiden sich stark.

Wann ist die Grippewelle zu Ende?

Grippeviren halten sich besonders gut in der trockenen Raumluft, wenn es kalt ist. Dann können sie aufgrund der höheren Verweildauer auch längere Distanzen überwinden und andere anstecken. Daher spielt das Wetter für die Stärke einer Grippewelle eine große Rolle. Ist es kalt, verbringen die Menschen auch mehr Zeit in geschlossenen Räumen mit trockener Heizungsluft – und die schwächt die Schleimhäute der Atemwege, so dass sie anfälliger für Infektionen werden. Aus diesem Grund können sich etwa Großraumbüros und vor allem auch öffentliche Verkehrsmittel als wahre Virenschleudern entpuppen.

Die Schwere einer Welle wird aber vor allem auch durch die Immunität der Bevölkerung durch vorausgegangene Grippewellen beeinflusst, heißt es seitens des RKI. Auch wenn sich Influenza-Viren ständig ändern und unser Immunsystem vor neue Herausforderungen stellen, eine gewisse Grundimmunität bleibt in der Regel. Diese Grundimmunität haben wir etwa beim Coronavirus Sars-CoV-2 noch nicht.

Grippeimpfung: Sinnvoll?

Anders als es beim Coronavirus bisher der Fall ist, gibt es Impfungen gegen die Grippe. Doch die müssen jährlich aufgefrischt werden und helfen nicht immer. Der Grund dafür ist, dass sich Influenza-Viren ständig verändern. Die Impfstoff-Hersteller müssen daher jährlich einen Impfstoff anhand von Prognosen entwickeln, die eintreten können, aber nicht müssen. Dennoch kann ein guter Impfstoff die Auswirkungen der Grippe eindämmen. In dieser Saison scheint das recht gut funktioniert zu haben – auch wenn sich der Grippe-Erreger mittlerweile wieder verändert hat.

Eine Grippeimpfung ist vor allem zwischen Oktober und Dezember sinnvoll. Auch in den Wochen bis Monaten danach kann sie noch helfen und vor schweren Verläufen schützen. Doch es dauert zehn bis 14 Tage, bis der Impfstoff wirkt, so Professor Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Hilfreich kann sie trotzdem – auch um sich vor eventueller Doppelinfektion mit Grippe und Corona zu schützen – auch jetzt noch für Risikogruppen wie chronisch Kranke, Ältere, Schwangere oder medizinisches Personal sein.

Damit nicht jedes Jahr neu geimpft werden muss – und auch, weil die Weltgesundheitsorganisation WHO, die die Prognosen abgibt, in den vergangenen zehn Jahren rund drei mal komplett falsch lag, wird weltweit an einem Universalimpfstoff gearbeitet, der mit Influenza-Viren aller Typen zurecht kommt – ob sie sich wandeln oder nicht.

Bis dahin gilt: So schützen Sie sich vor Grippe, ebenso wie vor dem Coronavirus.

Sie wollen über die Entwicklung der Grippewelle informiert bleiben? Hier finden Sie einen aktuellen Grippe-Monitor für Deutschland!

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