06.05.2020 - 19:03

Schutz vor Lungenentzündung Für wen ist die Pneumokokken-Impfung sinnvoll?

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Wer sollte sich gegen Pneumokokken impfen lassen?
Di, 31.03.2020, 13.02 Uhr

Wer sollte sich gegen Pneumokokken impfen lassen?

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Auch in der Corona-Krise raten Experten zur Pneumokokken-Impfung. Aber was haben Pneumokokken mit dem neuen Coronavirus zu tun? Welche Erreger verbergen sich hinter dem Zungenbrecher und gibt es überhaupt noch genug Impfstoff für alle?

Wir wissen: Noch gibt es keinen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus (Sars-CoV-2), das die Lunge befällt. Deshalb kommt es im Moment darauf an, dass sich alle an Vorsichts- und Quarantäne-Maßnahmen halten. Experten empfahlen schon vorher allen Menschen über 60 Jahren sich vor dem Winter gegen Influenza, Keuchhusten und Pneumokokken impfen zu lassen. Auch in der herrschenden Corona-Krise mache das noch Sinn, sagte u.a. Virologe Prof. Christian Drosten von der Charité in Berlin. Eine doppelte Infektion mit Influenza, Keuchhusten oder Pneumokokken UND Sars-CoV-2 wäre für viele Menschen ein Todesurteil. Allerdings ist der Pneumokokken-Impfstoff mittlerweile knapp!

Wer kann sich derzeit überhaupt gegen Pneumokokken impfen lassen?

Für die Pneumokokken-Impfstoffe Prevenar 13 und Pneumovax bestehen laut Paul-Ehrlich-Institut Lieferengpässe – aufgrund gestiegener Nachfrage und komplexer Herstellung, heißt es seitens des Pneumovax-Herstellers MSD. Das bestätigt auch Stiftung Warentest, die Mitte April erneut nachgefragt hat. Prevenar sei "begrenzt verfügbar" heißt es seitens der Behörden. Pneumovax soll nun ab Anfang Mai wieder lieferbar sein. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) nun: Nur noch die am gefährdetsten Personengruppen sollen derzeit eine Pneumokokken-Impfung erhalten – darunter fallen Säuglinge und Kleinkinder bis zwei Jahre, Patienten mit Immundefizienz oder chronischen Atemwegserkrankungen und Senioren ab 70 Jahren.

Die Impf-Experten der Stiftung Warentest setzen den Kreis sogar noch enger: "In der derzeitigen Situation ist zu erwarten, dass vor allem Senioren mit Krankheiten, etwa Diabetes, chronischen Lungen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie Menschen mit Immunschwäche und kleine Kinder von der Pneumokokken-Impfung profitieren", erklärt dazu Dr. Judith Günther, Fachapothekerin für Arzneimittelinformation und Mitglied des Expertenkreises zum Thema Impfen bei der Stiftung Warentest.

Ein Grund für den Engpass beim Pneumokokken-Impfstoff: Bislang ließ sich in Deutschland nur ein Bruchteil der empfohlenen Personengruppen gegen Pneumokokken impfen. Mit der Verbreitung des Coronavirus stieg die Aufmerksamkeit und Bereitschaft sprunghaft an, allerdings werden Impfstoffe schon vor dem Winter aufgrund der Nachfrage der letzten Jahre bestellt. Viele Deutsche machten sich bis Corona wenig Gedanken über lebensgefährliche Erreger in der Lunge, wie Pneumokokken. Das ändert sich nun.

"Die Impfung schützt Risikogruppen zwar nicht vor den Coronaviren selbst", erklärt Günther, "aber möglicherweise vor zusätzlichen Lungenentzündungen durch Pneumokokken, die den Krankheitsverlauf erschweren können." Bei kleinen Kindern sei der Nutzen am besten belegt.

Was sind Pneumokokken und warum sind sie lebensgefährlich?

Pneumokokken sind Bakterien aus der Familie der Streptokokken, die sehr weit verbreitete Krankheitserreger sind. Pneumokokken werden durch Tröpfchen-Infektion übertragen, z.B. beim Husten oder Niesen. Sie besiedeln den Nasenrachenraum oft, ohne dabei überhaupt Symptome zu verursachen. Deshalb können auch Gesunde Pneumokokken weitergeben.

Wenn das Immunsystem die Erreger nicht in Schach halten kann, verbreiten sie sich lokal übermäßig und verursachen Krankheiten. Das kann die oberen Atemwege betreffen, z.B. durch eine Nasennebenhöhlenentzündung oder die unteren Atemwege, etwa in Form einer Lungenentzündung. Bis zu jede zweite bakterielle Lungenentzündung bei älteren Erwachsenen wird durch Pneumokokken ausgelöst, so Schätzungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Damit es gar nicht so weit kommt, kann jeder Erkältete selbst viel tun, um eine Lungenentzündung zu verhindern.

Besonders gefährlich sind sog. invasive Pneumokokken-Erkrankungen. Dabei finden die Bakterien den Weg in normalerweise sterile Körperflüssigkeiten wie Blut oder Liquor (Flüssigkeit im Gehirn und Rückenmark) – Blutvergiftungen und Hirnhautentzündungen sind die Folge. Mehr als 5000 Menschen sterben hierzulande jedes Jahr an einer Krankheit, die durch Pneumokokken verursacht wurde. In vielen Fällen hätte eine Pneumokokken-Impfung das verhindern können. Die Bakterien können zwar mit Antibiotika behandelt werden, allerdings werden die Erreger zunehmend resistent.

Für wen ist eine Pneumokokken-Impfung allgemein sinnvoll?

Pneumokokken-Impfstoff ist nicht für alle verfügbar – im Moment. Eine Immunisierung gegen Pneumokokken macht aber auch dann noch Sinn, wenn hoffentlich auch irgendwann die Coronavirus-Krise vorbei ist. Deutlich wird nun jedem bewusst, wie wichtig Vorsorge ist, um sich gegen so viele Krankheitserreger wie möglich zu wappnen. Also: fragen Sie Ihren Hausarzt, ab wann eine Pneumokokken-Impfung wieder möglich ist. Besonders empfohlen ist sie normalerweise laut STIKO generell für folgende erwachsenen Personengruppen:

  • Alle Menschen über 60 Jahre, auch wenn keine Vorerkrankungen oder besondere Risiken bestehen
  • Personen, deren Immunsystem dauerhaft geschwächt ist – z.B. aufgrund angeborener Defekte, einer HIV-Infektion oder einer Organtransplantation
  • Menschen mit Diabetes oder anderen chronischen Erkrankungen, z.B. von Herz, Lunge, Leber, Nieren oder Nervensystem
  • Menschen, die ein erhöhtes Risiko für eine Hirnhautentzündung haben – z. B. bedingt durch ein Cochlea-Implantat (Hörprothese)
  • Personen, die berufsbedingt ein erhöhtes Risiko haben, ihre Lunge zu schädigen, wie beim Schweißen durch Einatmen von Metall-Rauchen

Für diese Personengruppen tragen Krankenkassen übrigens die Kosten: also für Kinder bis zwei Jahre, Patienten mit chronischen Krankheiten und Ältere ab 60. Auch in der Zeit, in der Lieferengpässe herrschen.

Woraus besteht die Pneumokokken-Impfung und was sind die Nebenwirkungen?

Der sog. Polysaccharid-Impfstoff Pneumovax für Erwachsene gibt Schutz vor 23 der wichtigsten Pneumokokken-Typen. Es handelt es sich um einen Impfstoff aus den Zuckern der Pneumokokken-Bakterienhülle, so die BZgA. Darüber hinaus gibt es sog. Konjugat-Impfstoff Prevenar, der gegen 13 Pneumokokken-Typen immunisiert. Letzterer wird vor allem für Kleinkinder verwendet, weil ihr Immunsystem darauf besser reagiert.

Komplikationen der Impfung gibt die Stiftung Warentest als sehr selten an. Als häufigste Nebenwirkung kommt es nach der Impfung zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Auch Allgemeinsymptome wie beispielsweise Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen können in den ersten drei Tagen nach der Impfung auftreten. Das alles sind Zeichen, dass das Immunsystem durch die Pneumokokken-Impfung aktiviert ist. Schwere Nebenwirkungen sind hingegen selten.

Eigentlich wird vor allem im Herbst geimpft. Wer zu den genannten Personengruppen gehört, kann von der Pneumokokken-Impfung aber auch jetzt eigentlich nur profitieren. Hoffen wir, dass die Coronavirus-Krise ein Gutes hat und das Gesundheitsbewusstsein von allen stärkt.

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Warum und welche Impfungen in welchem Alter wichtig sind, erfahren Sie auf unserer Themenseite zu Impfungen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert über die Pneumokokken-Impfung bei Erwachsenen und Kindern.

Über die Verfügbarkeit des Pneumokokken-Impfstoffs können Sie sich z.B. bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)auf dem Laufenden halten.

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