27.03.2020 - 19:32

Vor allem die Älteren Coronavirus: So schützen und versorgen wir die Risikogruppe

Einkaufen gehen für Pflegebedürfige ist in Corona-Zeiten wichtig, aber auch nicht einfach. Tür öffnen ist nicht die beste Idee – wenn, dann viel Abstand halten.

Foto: iStock/FredFroese

Einkaufen gehen für Pflegebedürfige ist in Corona-Zeiten wichtig, aber auch nicht einfach. Tür öffnen ist nicht die beste Idee – wenn, dann viel Abstand halten.

Covid-19 verläuft zwar in den meisten Fällen mild, kann aber auch sehr schwere Verläufe nehmen. Vor allem die Risikogruppe ist gefährdet. Wie wir Ältere, Vorerkrankte und Pflegebedürftige jetzt schützen und unterstützen können.

Längst ist klar: Auch augenscheinlich gesunde, junge Menschen können an einer schweren Form von Covid-19, der durch das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelösten Lungenkrankheit erkranken. Wie genau das passiert, muss noch herausgefunden werden. Klar ist aber auch: Weiterhin ist die sogenannte Risikogruppe weit mehr gefährdet. Dazu zählen Menschen mit Vorerkrankung, etwa mit Herz-Kreislauf-Beschwerden oder anderen Krankheiten sowie Menschen mit körperlicher Einschränkung und vor allem Seniorinnen und Senioren. Das RKI (Robert-Koch-Institut) berichtet, dass das Risiko einer schweren Erkrankung ab 50 bis 60 Jahren stetig ansteigt. Aber wie können wir die Risikogruppe vor dem Coronavirus schützen und sie versorgen? Dazu gibt es einige Maßnahmen, die jeder von uns auf seine Weise umsetzen kann.

Risikogruppe schützen: Das können wir alle tun

Klar, auch bei jungen, gesunden Menschen kann Covid-19 schwer verlaufen. Vor allem sind aber die sowieso schon Schwachen gefährdet. Und mittlerweile schnellen die Fallzahlen so sehr in die Höhe, dass die Kapazitäten der Krankenhäuser zur Neige gehen, Ärzte und Pfleger jetzt schon kaum hinterherkommen. Wenn die Zahlen also weiter steigen – und das werden sie –, kann Patienten schlechter geholfen werden. Was können wir also tun?

Zuerst einmal gilt: Lasst uns die Kurve der Infektionen so flach wie möglich halten, so dass unser Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. Und das schaffen wir, indem wir uns selbst durch möglichst wenig bis gar keine physischen Kontakte außerhalb unserer eigenen Familie bzw. Wohngemeinschaft schützen, aber auch, indem wir die Risikogruppe unterstützen, so gut wir das auf die Distanz nur können. Dafür hat die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) konkrete Maßnahmen zum Schutz, zur Versorgung und zur Behandlung von älteren Menschen aufgestellt.

"Wir haben alle berechtigte Sorge, wie es mit der Versorgung unserer geriatrischen Patienten langfristig weitergeht", sagt DGG-Präsident Professor Hans Jürgen Heppner, Chefarzt der Klinik für Geriatrie am Helios Klinikum Schwelm, in einer Pressemeldung. "Dabei sind wir jetzt auf die Unterstützung von jedem einzelnen und auf die konsequente Umsetzung sinnvoller Maßnahmen angewiesen, um das Voranschreiten der Infektionswelle abzufedern." Ähnlich lässt sich das natürlich auch für jüngere in Risikogruppen übertragen, die etwa durch Behinderungen geschwächt sind.

Wichtig und interessant sind die folgenden Regeln und Punkte daher auch für Menschen, deren Angehörige sich etwa im Pflegeheim befinden, um zu verstehen, warum gerade Besuchsverbot herrscht und was getan werden kann, damit Sie Ihre geliebten Menschen dennoch gut versorgt wissen.

Wer sind die Risikogruppen überhaupt?

Zu den Risikogruppen gehören laut Robert-Koch-Institut (RKI) und Bundesregierung die folgenden:

  • ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für schweren Verlauf ab etwa 50 bis 60 Jahren)
  • Raucherinnen und Raucher
  • Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, darunter:
  • Erkrankungen des Herzens (zum Beispiel koronare Herzerkrankung),
  • Erkrankungen der Lunge (zum Beispiel Asthma, chronische Bronchitis),
  • chronischen Lebererkrankungen,
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit),
  • einer Krebserkrankung sowie
  • geschwächtes Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch die Einnahme von die Immunabwehr schwächenden Medikamenten, bedingt wird – etwa Cortison).

Selbst betroffen? Das können Sie tun:

Wer sich selbst zur Risikogruppe zählen muss, aber sich eigentlich noch gut selbst versorgt, kann trotzdem einige Vorkehrungen treffen – und auch nicht zögern, sich Hilfe zu holen.

  • Abstand halten zu anderen Personen, mindestens 1,5 Meter
  • Hygiene: Hände regelmäßig mindestens 20 bis 30 Sekunden waschen
  • Veranstaltungen meiden
  • Impfungen komplettieren (u.a. Grippeimpfung und Pneumokokkenimpfung)
  • Notfallliste bereitlegen

Pflegende Angehörige: Vermeiden Sie Risikokontakte!

Sie pflegen selbst jemanden aus der Familie, die oder der mit Vorerkrankungen belastet und daher auf Pflege angewiesen ist? Im Grunde verhält es sich wie sonst auch für Sie, jedoch sollten Sie noch genauer darauf achten, da Sie nicht nur sich, sondern auch die zu pflegende Person anstecken können: Vermeiden Sie in jedem Fall jegliche Risikokontakte. Das bedeutet aktuell: Ziehen Sie sich so weit es geht aus dem sozialen Leben zurück, damit Sie Ihre risikobehafteten Angehörigen nicht gefährden.

Wer einkaufen oder anderen Erledigungen nachgehen muss, sollte zwingend auf Hygiene sowie Abstand zu anderen achten. Auch wenn Sie für jemanden Dinge besorgen – am besten an der Tür abstellen.

Übrigens gibt es aber auch schöne Alternativen zum direkten Kontakt: So lassen sich etwa Videoschalten einrichten, beispielsweise über WhatsApp. Auch Besuche vor dem Fenster sind möglich, sofern Abstand von mindestens zwei Metern gehalten wird.

Fachpersonal? Das ist zu beachten

Wer als Fachpersonal in der ambulanten Versorgung geriatrischer Patientinnen und Patienten arbeitet, soll sich an diese Regeln halten:

  • Praxiskontakte auf ein Mindestmaß beschränken
  • Verdachtsfälle zur Diagnostik und gegebenenfalls Therapie eng mit den lokalen Gesundheitsbehörden absprechen
  • Einweisungen in die Notfallambulanzen und Krankenhäuser auf zwingende Notfälle beschränken

Wer teilstationär geriatrische Patientinnen und Patienten versorgt, für den gilt:

  • Tagespflegeeinrichtungen sollten ihre Aufnahmen auf das Notwendigste beschränken
  • Täglich eine Risikoanamnese erheben
  • Keine Aufnahmen von Anmeldungen mit Infektions-/Erkältungszeichen
  • Geriatrische Tageskliniken sollten den Betrieb für die nächsten Wochen gänzlich einstellen
  • Ambulante Rehabilitationsmaßnahmen sollten nach Möglichkeit nur als Einzeltherapien beziehungsweise im häuslichen Umfeld durchgeführt und auf das minimal notwendige Maß beschränkt werden

Und wer vollstationär arbeitet:

  • Ausführliche Anamnese, um mögliche Infektionskontakte zu identifizieren
  • Umsetzung des Besuchsverbotes
  • Keine elektiven oder plan- und verschiebbare Aufnahmen
  • Auf frühe Anzeichen von Atemwegsinfektionen achten
  • Pandemiepläne entsprechend der eigenen Krankenhausplanung umsetzen

Für die Versorgung geriatrischer Bewohner in Pflegeeinrichtungen wiederum gilt:

  • Regelhafte Heimbesuche durch den Hausarzt vorrübergehend aussetzen
  • Aufklärung der Mitarbeiter und Bewohner über die Risiken und Schutzmaßnahmen
  • Besuchsverbote und Mindestabstand beachten
  • Für Bewohner von Alten- oder Pflegeeinrichtungen gelten die gleichen Prinzipien wie bei der Prävention beziehungsweise beim Ausbruchsmanagement anderer Atemwegserkrankungen – so wie sie beim RKI hinterlegt sind.

Häusliche Pflege: Besonderes Augenmerk auf die Hygiene

Viele dieser Tipps sind aber auch sinnvoll zu beachten, wenn es um die Pflege von älteren oder erkrankten Familienmitgliedern geht. Weiter gilt in der häuslichen Pflege:

  • Bei älteren Familienangehörigen, oder denen mit vorbestehenden Erkrankungen, sollten zur Infektionsvermeidung alle oben genannten Regeln berücksichtigt werden.
  • Bei älteren oder chronisch kranken Familienmitgliedern, die auf Unterstützung angewiesen sind, müssen die Regeln zur Infektionsvermeidung selbstverständlich ebenfalls beibehalten werden.
  • Es sollten sich vorrangig die Familienmitglieder mit dem geringsten Infektionsrisiko kümmern, vor allem aber nicht diejenigen, die selbst Symptome einer Atemwegserkrankung aufweisen – auch wenn es diejenigen sind, die sich bisher immer gekümmert haben.

Regelvisiten von Hausärzten im Pflegeheim sollten ausgesetzt werden

Wer Anverwandte im Pflegeheim hat, muss sich darauf einstellen, dass zurzeit keine hausärztlichen Regelvisiten stattfinden. Das ist notwendig, um die weitere Verbreitung der Coronavirus-Infektionen weiter einzuschränken und vor allem die Risikogruppe zu schützen. Vorerst gilt dies für die kommenden 2-4 Wochen, jedoch kann die Zeit auch erweitert werden, sollte es nötig sein.

Jedoch müssen notwendige Arztbesuche natürlich trotzdem durchgeführt werden können. Dazu muss vor dem Besuch telefonisch zwischen Pflegeeinrichtung bzw. Patient/in sowie Ärztin/Arzt geklärt werden, ob ein Hausbesuch wirklich erforderlich ist oder ob Therapiemaßnahmen sich auch ausreichend vor Ort umsetzen lassen. Auch das Gesundheitsamt muss verständigt werden, vor allem, wenn Einweisungen in die Notaufnahme nicht umgangen werden können.

Dennoch: Auch die Risikogruppe darf nicht vollständig isoliert werden, wenn es nicht ganz zwingend nötig wird. Denn auch die Psyche leidet. Die oben genannten Maßnahmen sind jedoch immer zu beachten. Richten Sie Ihren Angehörigen beispielsweise Technikmöglichkeiten ein, damit Sie etwa via WhatsApp über Videotelefonie in Kontakt bleiben können.

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Mehr zum Coronavirus lesen Sie auf unserer Themenseite. Und hier finden Sie die Pressemeldung der DGG.

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