24.03.2020

Erstaunlich gut vorbereitet Immunreaktion dokumentiert: So wehrt sich der Körper gegen das Coronavirus

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen
Di, 17.03.2020, 16.34 Uhr

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Beschreibung anzeigen

Was macht unser Körper, wenn er auf ein ihm unbekanntes Virus wie das neue Coronavirus Sars-CoV-2 trifft? Das Ergebnis hat Forscher überrascht.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist neu: Erstmals im Dezember 2019 beim Menschen aufgetreten, wissen wir auch drei Monate später noch nicht, wo genau der Erreger herkommt und was hilft. Wir wissen aber mittlerweile, wie der Mensch auf das neuartige Virus reagiert. Ein australisches Forscherteam konnte nämlich dokumentieren, wie sich unser Immunsystem gegen das Coronavirus zur Wehr setzt. Das Verblüffendste dabei: Unser Immunsystem scheint auf solch neuartige Erreger erstaunlich gut vorbereitet zu sein.

Der Körper wehrt sich: So sieht die Immunreaktion aufs Coronavirus aus

Für ihre Arbeit haben Forschende des Peter-Doherty-Instituts für Infektion und Immunität in Melbourne in Australien eine der ersten dort an Covid-19 erkrankten Menschen während ihrer Erkrankung untersucht. Ein Ergebnis davon: Der Körper scheint nicht so wehrlos zu sein wie zunächst angenommen.

Die Patientin hatte elf Tage nach ihrer Rückreise aus der chinesischen Stadt Wuhan typische Coronavirus-Sympome wie trockenen Husten und Fieber entwickelt, dazu Abgeschlagenheit, Halsschmerzen, stechende Brustschmerzen beim Einatmen und leichte Atemnot. Vorerkrankungen gab es bei ihr keine, bis dahin galt sie als gesund, wurde auf ihre Symptome in einer Klinik in Melbourne behandelt.

Während des Krankheitsverlauf hat ihr das Forscherteam Blutproben zu vier unterschiedlichen Zeitpunkten entnommen und damit die Immunreaktion dokumentieren können. "Wir haben die gesamte Breite der Immunreaktion bei dieser Patientin untersucht und dabei das über viele Jahre aufgebaute Wissen genutzt, indem wir die Immunreaktionen bei Patienten, die mit Grippe im Krankenhaus waren, untersucht haben", erläuterte einer der Studienautoren, Dr. Oanh Nguyen.

Forscher konnten Genesung voraussagen

"Drei Tage nach Aufnahme der Patientin konnten wir große Populationen mehrerer Immunzellen feststellen, die oft ein deutliches Zeichen für die Genesung während einer saisonalen Grippeinfektion sind, so dass wir voraussagen konnten, dass die Patientin sich in drei Tagen erholen würde", erklärt Nguyen. Und das sei dann auch geschehen. Die Forscher rund um Katherine Kedzierska, Laborleiterin am Doherty-Institut, konnten daraufhin die immunologische Antwort auf Sars-CoV-2 kartieren:

Zuerst konnten sie als Immunreaktion einen Anstieg der Antikörper produzierenden Zellen messen – am siebten Tag nach Ausbruch der Erkrankung. Viren waren zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr im Abstrich nachweisbar. An Tag 8 verzeichneten sie den Höhepunkt dieses Anstiegs.

Außerdem sei es während des Anstiegs dieser Antikörper produzierenden Zellen auch zu einem Anstieg follikulärer T-Helferzellen gekommen. Die wiederum sorgen dafür, dass wirksame Antikörper anhaltend produziert werden. Zudem wurde eine Zunahme der sogenannten CD8-positiven T-Zellen erkannt. Diese Zellen zerstören infektiöse Zellen.

Währenddessen sei die Zahl der sogenannten Monozyten im Blut gesunken. Diese können in Gewebe eindringen und sich dort in Fresszellen, sogenannte Makrophagen verwandeln – laut Kedzierska, um die Folgen der Lungenentzündung zu beseitigen.

Immunantwort ähnelt der bei einer Grippe

Zusammengefasst vergleicht Kedzierska die Immunantwort mit der auf Grippeviren: "Wir haben gezeigt, dass, obwohl Covid-19 durch ein neues Virus verursacht wird, bei einer ansonsten gesunden Person eine robuste Immunantwort über verschiedene Zelltypen hinweg mit einer klinischen Genesung verbunden ist, ähnlich wie bei der Grippe."

Selbstverständlich müssen hier nun weitere Forschungen anschließen, um den Ablauf von Covid-19 noch besser und umfassender zu verstehen und daraufhin sogar Medikamente gegen das Coronavirus sowie hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft auch einen geeigneten Impfstoff gegen Sars-CoV-2 zu entwickeln. Auch kann so hoffentlich bald verstanden werden, was genau denjenigen fehlt, bei denen die Krankheit tödlich verläuft und warum wiederum andere fast gar keine Symptome zeigen. Weitere Artikel zum Coronavirus gibts auf unserer Themenseite.

Die Forschungsergebnisse wurden im Fachjournal "Nature Medicine" veröffentlicht. Hier erfahren Sie mehr zum Peter-Doherty-Institut.

Hier finden Sie eine interaktive Karte über den aktuellen Stand der Infektionen mit Sars-CoV-2 sowohl in Deutschland, in Europa als auch weltweit.

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Beschreibung anzeigen