Aktualisiert: 13.11.2020 - 09:22

Erstaunlich gut vorbereitet – manchmal Immunreaktion dokumentiert: So kämpft der Körper gegen das Coronavirus

Antikörper und Killerzellen - So reagiert dein Körper auf Feinde

Antikörper und Killerzellen - So reagiert dein Körper auf Feinde

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Was macht unser Körper, wenn er auf ein ihm unbekanntes Virus wie das neue Coronavirus Sars-CoV-2 trifft? Er kämpft. Und in den meisten Fällen verläuft das wohl so.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist noch immer relativ neu: erstmals 2019 beim Menschen aufgetreten, heute eine Pandemie. Auch Monate später wissen wir noch nicht, wo genau der Erreger herkommt und was hilft. Wir wissen aber mittlerweile, wie der Mensch auf das neuartige Virus reagiert. Forscher konnten mittlerweile dokumentieren, wie sich unser Immunsystem gegen das Coronavirus zur Wehr setzt. Auf neuartige Erreger scheint es in den meisten Fällen sogar erstaunlich gut vorbereitet zu sein. Nur eben nicht immer.

Der Körper wehrt sich: So sieht die Immunreaktion aufs Coronavirus aus

Schon im März haben Forschende des Peter-Doherty-Instituts für Infektion und Immunität in Melbourne in Australien einen der ersten dort an Covid-19 erkrankten Menschen während seiner Erkrankung untersucht. Ein Ergebnis davon: Der Körper scheint nicht so wehrlos zu sein wie zunächst angenommen.

Die Patientin hatte elf Tage nach ihrer Rückreise aus der chinesischen Stadt Wuhan typische Coronavirus-Sympome wie trockenen Husten und Fieber entwickelt, dazu Abgeschlagenheit, Halsschmerzen, stechende Brustschmerzen beim Einatmen und leichte Atemnot. Vorerkrankungen gab es bei ihr keine, bis dahin galt sie als gesund, wurde auf ihre Symptome in einer Klinik in Melbourne behandelt.

Während des Krankheitsverlauf hat ihr das Forscherteam Blutproben zu vier unterschiedlichen Zeitpunkten entnommen und damit die Immunreaktion dokumentieren können. "Wir haben die gesamte Breite der Immunreaktion bei dieser Patientin untersucht und dabei das über viele Jahre aufgebaute Wissen genutzt, indem wir die Immunreaktionen bei Patienten, die mit Grippe im Krankenhaus waren, untersucht haben", erläuterte einer der Studienautoren, Dr. Oanh Nguyen.

Forscher konnten Genesung voraussagen

"Drei Tage nach Aufnahme der Patientin konnten wir große Populationen mehrerer Immunzellen feststellen, die oft ein deutliches Zeichen für die Genesung während einer saisonalen Grippeinfektion sind, so dass wir voraussagen konnten, dass die Patientin sich in drei Tagen erholen würde", erklärt Nguyen. Und das sei dann auch geschehen. Die Forscher rund um Katherine Kedzierska, Laborleiterin am Doherty-Institut, konnten daraufhin die immunologische Antwort auf Sars-CoV-2 kartieren:

Zuerst konnten sie als Immunreaktion einen Anstieg der Antikörper produzierenden Zellen messen – am siebten Tag nach Ausbruch der Erkrankung. Viren waren zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr im Abstrich nachweisbar. An Tag 8 verzeichneten sie den Höhepunkt dieses Anstiegs.

Außerdem sei es während des Anstiegs dieser Antikörper produzierenden Zellen auch zu einem Anstieg follikulärer T-Helferzellen gekommen. Die wiederum sorgen dafür, dass wirksame Antikörper anhaltend produziert werden. Zudem wurde eine Zunahme der sogenannten CD8-positiven T-Zellen erkannt. Diese Zellen zerstören infektiöse Zellen. Mittlerweile konnten andere Forscher übrigens herausfinden, dass die T-Zellen recht lange im Blut verbleiben können: Coronavirus-Patienten können offenbar nach 6 Monaten noch immun sein.

Währenddessen sei die Zahl der sogenannten Monozyten im Blut gesunken. Diese können in Gewebe eindringen und sich dort in Fresszellen, sogenannte Makrophagen verwandeln – laut Kedzierska, um die Folgen der Lungenentzündung zu beseitigen.

Exkurs: Wie funktionieren Antikörper?

Unser Körper produziert also Antikörper. Das Problem oft: Bei einem dem Körper bisher unbekannten Virus kann das manchmal länger dauern – oder die Immunantwort passt nicht ganz. Generell lässt sich aber stark vereinfacht beschreiben, wie unser Körper, ist er im Gleichgewicht, auf Eindringlinge reagiert – und das ist eigentlich ganz spannend:

  1. Dringen Viren, Bakterien oder Pilze in unseren Körper ein, stoßen sie irgendwann auf weiße Blutkörperchen. Deren B-Zellen beginnen im besten Fall mit der Entwicklung eines Antikörpers passend zum eingedrungenen Erreger. Das geht schneller, wenn der Erreger oder Teile davon bereits bekannt sind.
  2. Erkennt der Körper das Antigen, also das Teilchen, das uns schadet, und die Produktion ist angelaufen, werden viele, genau zum Antigen passenden Antikörper ausgeschüttet, die nun an den schädlichen Eindringling andocken können – etwa wie ein Schlüssel, der in ein Schloss passt. Das Problem bei Sars-CoV-2: Diese Art des Coronavirus kennt unser Körper noch nicht, muss also ganz neue Antikörper entwickeln. Würde er es kennen, riefe das die B-Gedächtniszellen auf den Plan, die dann schneller reagieren können, weil der "Bauplan" schon vorhanden ist. Forscher vermuten, dass manche Menschen daher aufgrund von vorherigen Erkältungen durch andere Coronaviren einen gewissen Immunvorteil haben könnten, da die Gedächtniszellen hier schon reagieren könnten.
  3. Die Antikörper locken gleichzeitig Fress- und Killerzellen an, die dann an sie andocken. So werden Viren, Bakterien und Pilze sozusagen festgehalten und bekämpft und sterben im besten Fall ab. Denn diese Fresszellen zerstören die Erreger durch Verdauungsenzyme. Die unschädlich gemachten Reste werden dann einfach ausgeschieden. Da sie aber in der Regel erst ins Blut abgegeben werden, können hier in machen Fällen andere Körperreaktionen anschließen, die manchmal zu Komplikationen führen, etwa eine Immunthrombose.

Das ist natürlich alles stark vereinfacht dargestellt, jedoch lässt sich so vielleicht besser verstehen, was im Körper eigentlich los ist, wenn wir krank werden.

Aber warum reagieren Menschen so unterschiedlich?

Es ist noch ein langer Weg, bis wir vollständig verstanden haben, warum Covid-19 manchmal mild, manchmal so schwer verläuft. Und ob die Gedächtniszellen bleiben, ist auch nicht immer klar.

Nicht immer reagiert der Körper also "vorbildlich". Manchmal schießt das Immunsystem auch über sein Ziel heraus. Was genau das Coronavirus im Körper anrichten kann, wird derzeit nach und nach erkannt. Vorerkrankungen oder eine Immunseneszenz bei Älteren – wodurch ihnen zudem oft das Symptom Fieber fehlt – erhöhen jedoch diese Risiken.

Antikörper spielen aus all diesen Gründen eine große Rolle in der Entwicklung eines geeigneten Impfstoffs gegen Sars-CoV-2. Weitere Artikel zum Coronavirus gibt's auf unserer Themenseite.

Die Forschungsergebnisse wurden im Fachjournal "Nature Medicine" veröffentlicht. Hier erfahren Sie mehr zum Peter-Doherty-Institut.

Hier finden Sie eine interaktive Karte über den aktuellen Stand der Infektionen mit Sars-CoV-2 sowohl in Deutschland, in Europa als auch weltweit.

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