24.03.2020

Coronavirus Sars-CoV-2 Ansteckung über die Luft: Gibt es die "Virus-Wolke"?

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen
Di, 17.03.2020, 16.34 Uhr

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

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Eine Studie hat gezeigt, dass es möglich ist, sich mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 auch über Schwebeteilchen in der Luft anzustecken. Allerdings sind solche Studienergebnisse mit Vorsicht zu genießen, denn: Laborbedingungen unterscheiden sich stark von realen Bedingungen!

Wie genau wird das Virus eigentlich übertragen? Diese Frage beschäftigt nicht nur die Bevölkerung, sondern auch Forscher rund um den Globus, seitdem das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 das erste Mal aufgetreten ist und sich anfangs in der Provinz Hubei in China verbreitet hat. Kürzlich ist eine Studie im Fachmagazin "New England Journal of Medicine" (NEJM) veröffentlicht worden, die sich unter anderem mit der Frage beschäftigt: Ist eine Coronavirus-Übertragung über die Luft möglich? Das Ergebnis lautet in der Studie "ja" – doch auf die Realität ist diese zuerst erschreckend klingende Erkenntnis nicht so einfach übertragbar. Und das ist beruhigend und hilft uns weiter im Schutz gegen die Krankheit Covid-19.

Coronaviren und die Übertragung über die Luft: Das steckt dahinter

In der Studie erklären die Forscher ihr Ergebnis: Die Übertragung von Sars-CoV-2 sei durchaus per Aerosol, also über die Luft möglich. Das bedeutet, dass sich Viren als Schwebeteilchen über einen längeren Zeitraum in der Luft aufhalten können. Theoretisch könnten diese so auch eingeatmet werden. Doch wir können vorweg greifen: Das bedeutet nicht, dass sich Menschen so mit dem Virus anstecken können.

Klar ist bis heute, dass das Virus vor allem über zwei Wege übertragen wird – und daher zu einem Sicherheitsabstand von 1,5 bis 2 Metern geraten wird:

  • Beim Husten oder Sprechen über Speicheltröpfchen
  • Bei Körperkontakt sowie beim Anfassen von kontaminierten Gegenständen, wenn man sich anschließend etwa an Mund, Nase oder Augen fasst

In den Versuchen der Forscher – wir hatten über diese Studie bereits in Relation zur Oberflächenbeständigkeit des Coronavirus berichtet – stellten sie nun fest, dass das Virus rund drei Stunden als Schwebeteilchen in der Luft verbleiben kann. Im Versuch haben sie das Virus mit einer Art Zerstäuber in der Luft versprüht.

Die Realität sieht anders aus – aber weitere Studien notwendig

Jedoch, und das hat auch Charité-Virologe Christian Drosten, der sich hierzulande wohl wie kein anderer mit Sars-CoV-2 auskennt, bereits erklärt: In der Realität kann das wieder ganz anders aussehen – und wird es höchstwahrscheinlich auch. Er selbst und sein Kollege Paul Hunter von der britischen University of East Anglia sagen: Beim Husten entstehen Speicheltröpfchen, die viel größer sind als ein Aerosol. Hustet ein Erkrankter, dann fallen die weit mehr ansteckenden Tröpfchen im Vergleich zu einem Aerosol recht schnell zu Boden, da sie schwerer sind als die Schwebeteilchen.

Drosten erklärte in seinem NDR-Podcast vergangene Woche etwas genauer: "Das Virus ist nun mal in der Luft für eine kurze Zeit. Es wird ausgehustet und steht als grobes bis mittelgroßes tröpfiges Aerosol in der Luft. Und das fällt relativ schnell zu Boden. Das ist nicht so, dass so ein Virus als Wolke in der Luft steht und stundenlang bleibt und sich auch noch in den Nachbarraum verteilt." Außerdem seien die Tropfen so klein, dass sie keine hohe Viruskonzentration haben könnten und schnell durchtrocknen. Dann werde das Virus recht schnell inaktiv. Jedoch sei all das noch nicht hundertprozentig klar, und auch eine Übertragung über die Luft könne nicht komplett ausgeschlossen werden. Da müssen noch Studien folgen.

Allerdings: Würde sich ein solches Aerosol mit Viren doch als ansteckend genug herausstellen, müsste die Empfehlung für Atemmasken als Schutz grundlegend überdacht werden. Bisher – auch vor dem Hintergrund, dass Atemmasken denen überlassen werden müssen, die sie wirklich benötigen: den Menschen im Krankenhaus – heißt es, sie sind unnötig und höchstens denen zu empfehlen, die krank sind, aber trotzdem die Wohnung verlassen müssen, etwa um zum Arzt zu gehen.

Bis dahin gilt: weiter schützen!

Doch die Experten sind sich einig: Die Gefahr, sich über Tröpfchen- oder Schmierinfektion anzustecken, ist weitaus präsenter. Daher gelten weiterhin die aktuellen Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus:

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Mehr zum Thema finden Sie auf unserer Coronavirus -Themenseite! Die Studie in englischer Sprache gibt's hier.

Hier finden Sie eine interaktive Karte über den aktuellen Stand der Infektionen mit Sars-CoV-2 sowohl in Deutschland, in Europa als auch weltweit.

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