19.03.2020 - 21:07

Experte erklärt extremes Wachstum Ab wann sind zu große Brüste Gigantomastie?

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Sehr große Brüste können große Probleme mit sich bringen. Ab wann ist von Gigantomastie die Rede?

Foto: iStock/Beeldbewerking

Sehr große Brüste können große Probleme mit sich bringen. Ab wann ist von Gigantomastie die Rede?

Schwere Belastung: Brüste wachsen manchmal einfach weiter, auch bei Frauen weit jenseits der Pubertät. Makromastie oder Gigantomastie heißen diese Brustfehlbildungen.

80 C ist die durchschnittliche Körbchengröße hierzulande. Doch einige Frauen müssen BHs in Größe G oder gar J kaufen! Müssen zu große Brüste immer behandelt werden? Wann ist ein Busen überhaupt "zu groß"? Und gibt es bei einer Brustverkleinerung nur bei Gigantomastie eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse? Dr. Evangelos Sarantopoulos, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie an der Clinic im Centrum in Dortmund und Münster, erklärt hier die Probleme mit Makro- und Gigantomastie und wie die Chirurgie helfen kann.

Wo "beginnt" Gigantomastie als Krankheit?

Dr. Sarantopoulos: "Die weibliche Brust wiegt in der Regel 150 – 400 Gramm. Übersteigt das Gewicht pro Brust 400 Gramm spricht man von Makromastie, ab einem Kilo von Gigantomastie. Als Krankheit an sich kann man Makromastie und Gigantomastie nicht unbedingt bezeichnen, zumindest ist die Behandlung kein Muss."

Aber Dr. Sarantopoulos führt weiter aus: "Allerdings leiden Frauen mit diesen Brustfehlbildungen meistens unter körperlichen Problemen, die vom Gewicht der Brüste verursacht werden. Starke Rückenschmerzen sind einer der Hauptgründe, warum sich Patientinnen zu Brustverkleinerungen beraten lassen. Dazu kommt natürlich, dass zu große Brüste von den Betroffenen als nicht ästhetisch und psychisch belastend empfunden werden."

Vor allem bei der Gigantomastie ist die Beeinträchtigung durch zu große Brüste im Alltag eigentlich unvermeidlich. Für viele Frauen ist es unvorstellbar, täglich zwei Kilo oder mehr extra mit sich herumzuschleppen, für manche aber schmerzhafte Realität – das Gewicht des Busens zerrt am Oberkörper, der Wirbelsäle, den Schultern. Einige extreme Fälle sind (anonym) in der wissenschaftlichen Literatur dokumentiert: z.B. mussten 2010 einem erst 13-jährigen Mädchen in Malaysia mehr als 7 Kilo Brust-Gewebe entfernt werden. Da sie zum OP-Zeitpunkt nur 1,50 Meter groß und 49 Kilo leicht war, wurden ihr fast 15 Prozent ihres gesamten Körpergewichts abgenommen! Gigantomastie ist jedoch bei Jugendlichen in der Pubertät eher selten, auch wenn das die Zeit ist, in der Geschlechtshormone zum ersten Mal das weibliche Brustwachstum anregen.

Die Brüste wachsen manchmal einfach weiter - warum?

Dr. Sarantopoulos: "Eine Gigantomastie entsteht durch eine hormonelle Umstellung. Die weibliche Brust fängt in der Pubertät an zu wachsen und hört normalerweise nach ihrem Ende auf. Das bedeutet aber nicht für immer! Ein klassisches Beispiel ist das Brustwachstum in der Schwangerschaft. Die Brüste wachsen danach einfach weiter bei manchen Frauen. Dadurch kann eine Gigantomastie entstehen, bei der die Brustdrüsen stark vergrößert und schwer sind."

Warum Hormone, die im Körper jeder gesunden Frau gebildet werden, bei manchen zu Gigantomastie bzw. Brustfehlbildungen führen, konnte die Forschung bislang noch nicht eindeutig klären. Ärzte können nur die Auswirkungen behandeln, erster Ansprechpartner ist der Gynäkologe, eine Brustverkleinerung sollte ein Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie durchführen.

Können diese Brustfehlbildungen rückgängig gemacht werden?

Dr. Sarantopoulos: "Leider können diese klinischen Situationen nicht rückgängig gemacht, aber durch eine Operation behoben werden. Es gibt verschiedene Methoden zur Brustverkleinerung, die der Patientin im Beratungsgespräch erklärt und mit ihr ausgewählt werden: Die Schnittführung ist entweder in einer Y-Form oder ein Anker-Schnitt, in etwa wie ein umgedrehtes T. Bei einer Gigantomastie ist meist das die bessere Variante.

Es ist nötig, einen Teil der schweren Brustdrüsen zu entfernen, wie auch überschüssige Haut, die durch das Gewicht der Brüste gedehnt und erschlafft ist."

Nach der Operation, die unter Vollnarkose stattfindet, bleibt die Patientin in der Regel zwei Nächte in der Klinik, um auf evtl. Nachblutungen reagieren zu können. Nach etwa sechs Wochen sind Heben über 5 Kilo und Sport wieder erlaubt.

Gibt es bei Gigantomastie eine Kostenübernahme der OP?

Dr. Sarantopoulos: "Die Kosten für eine Brustreduktion belaufen sich auf etwa 7.500 – 8.000 Euro. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt sie unter bestimmten Umständen, zumindest teilweise. Klären Sie unbedingt im Vorfeld mit Ihrer Versicherung, welche Diagnosen und Bescheinigungen Sie dafür brauchen. Zu große Brüste an sich reichen dafür nicht, aber Gigantomastie als Krankheit hat einigermaßen gute Aussichten auf Kostenübernahme."

Sie möchten wissen, ob sie nach einer Brustverkleinerung noch stillen können oder welche weiteren OP-Methoden es gibt? Noch viel mehr Fragen zum Thema Brustverkleinerung beantwortet unser großer Ratgeber!

Wie Sie Rückenschmerzen – egal, ob von zu großen Brüsten ausgelöst oder nicht – am besten selbst behandeln und vorbeugen erfahren Sie auf unserer Themenseite.

Unser Interviewpartner Dr. Evangelis Sarantopoulos praktiziert bei der Clinic im Centrum, einem Facharztverbund für Plastische und Ästhetische Chirurgie, der u.a. auf Brust-Operationen spezialisiert ist.

Den Studienfall aus Malaysia finden Sie hier.

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