Aktualisiert: 07.12.2020 - 09:05

Coronavirus-Symptom Covid-19: Riechen und schmecken wieder antrainieren?

Covid-19 und die Pandemie: Diese Dinge sind jetzt klar!

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Die Pandemie-Situation stellt weltweit eine Herausforderung dar. Die folgenden Fakten über das Coronavirus gelten jedoch mittlerweile als bestätigt!

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Mittlerweile ist es eines der wichtigsten Covid-19-Symptome, das stark zur Diagnose beiträgt: Ein signifikanter Teil der Erkrankten erleidet einen Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. Warum das so ist und wie Patienten wieder lernen können, ihre Sinne wahrzunehmen.

Der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn zählt mittlerweile zu den Hauptsymptomen von Covid-19 – neben trockenem Husten und Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Und es ist ein wichtiges Symptom für die Diagnose, hilft es doch, die Erkrankung von anderen Leiden zu unterscheiden. Denn anders als bei normalen Erkältungen, bei denen es auch schon einmal vorkommt, nicht mehr richtig riechen und schmecken zu können, passiert das bei Covid-19 in vielen Fällen ohne verstopfte Nase und manchmal über einen langen Zeitraum. Forscher wissen jetzt, wie lange es dauert, bis die Sinne zurückkehren – und wie Betroffene dabei unterstützt werden können.

Typisches Covid-19-Symptom: Geruch und Geschmack sind weg

Die Symptome der vom Coronavirus ausgelösten Beschwerden können recht weitreichend sein. Vereinzelt wurden auch Übelkeit und Durchfall, Schüttelfrost und auch Schnupfen entdeckt. Im März hat dann erstmals Hendrik Streek, Facharzt für Virologie und Infektionsepidemiologie am Institut für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn, ein weiteres Symptom entdeckt:

"Fast alle Infizierten, die wir befragt haben, und das gilt für gut zwei Drittel, beschrieben einen mehrtägigen Geruchs- und Geschmacksverlust", erklärte Streek im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er ergänzt: "Das geht so weit, dass eine Mutter den Geruch einer vollen Windel ihres Kindes nicht wahrnehmen konnte." Auch Shampoo konnten andere nicht mehr riechen, das Essen begann, fad zu schmecken. Das berichten auch andere Patienten ihren Ärzten.

Anders als gedacht: Sinnesverlust kann schon früher auftreten

Damals ging Streeck davon aus, dass der Verlust der Sinne erst im späteren Verlauf auftreten würde. Mittlerweile weiß man: Das Symptom kann auch früh mit anderen ersten Symptomen auftreten – und damit auch bei der Erstdiagnose helfen – als eines der wichtigsten Diagnosesymptome. Zwar kann der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns auch im Zuge anderer Viruserkrankungen auftreten – jedoch längst nicht so häufig und oft im Zuge einer verstopften Nase, wie die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung betonen.

Außerdem: "Basierend auf den Ergebnissen unserer aktuellen Corona-Studie ist die Wahrscheinlichkeit für Geruchs- und Geschmacksverlust bei Covid-19-Patienten zehnmal höher als bei anderen Infektionsursachen", erklärte etwa Dr. Carol Yan, HNO-Ärztin und Kopf-Hals-Chirurgin an der UC San Diego Health im Zuge einer Studie vom April 2020 in der Zeitschrift "International Forum of Allergy & Rhinology".

Das macht die Symptome übrigens zu wichtigen Hilfen im Kampf zur Eindämmung der Pandemie:

Wer zusätzlich zu Erkältungssymptomen bzw grippeähnlichen Symptomen Geruchsverlust oder Geschmacksverlust erleidet, bleibt bitte zu Hause und meldet sich telefonisch beim Hausarzt oder beim Gesundheitsamt!

Warum verschwinden diese Sinne?

Meist tritt der Verlust der Sinne plötzlich auf. Die "Lungenärzte im Netz" vermuten, dass dies an einer Schädigung der Riech- und Geschmackssinneszellen durch das Coronavirus liegen könnte. Ganz geklärt ist es noch nicht, warum Riechen und Schmecken bei manchen Patienten nicht mehr funktioniert, doch Experten vermuten: Das Virus könnte das Riechepithel schädigen. Das ist die Schleimhaut, die die Nasenhöhle im obersten Bereich bedeckt und voller Riechsinneszellen steckt. Und die wiederum sind für unseren Geruchssinn zuständig – und damit auch dafür, dass wir etwas schmecken.

Patienten erholen sich in der Regel wieder

Die gute Nachricht: Die meisten Patienten mit Anosmie und/oder Ageusie (Dysgeusie) – so die medizinischen Fachbegriffe – erholen sich innerhalb von drei Wochen wieder. Das ist das Ergebnis einer Studie aus Korea. Im Durchschnitt konnten Covid-19-Erkrankte mit diesem Symptom nach sieben Tagen wieder riechen und schmecken. Andere Publikationen gehen von ein bis zwei Monaten aus.

Dabei können Betroffene in den meisten Fällen erst wieder schmecken und etwas später wieder riechen. Die im Zuge der Infektion abgestorbenen Sinneszellen müssen dazu erst einmal wieder erneuert werden. Die Hautzellen in der Mundschleimhaut, die für den Geschmackssinn zuständig sind, erneuern sich dabei schneller – etwa innerhalb von 14 Tagen. Beim Geruchssinn kann dies allerdings mehrere Monate dauern – denn bei den Zellen im Riechsystem handelt es sich um Nervenzellen.

Länger betroffen? Riechtraining kann helfen

Es gibt daher auch Fälle, in denen Betroffene noch nach Monaten keinen Geruchs- und/oder Geschmackssinn haben. Manche Betroffene stellen in der Zeit der Regeneration auch sogenannte Parosmien fest: Der Geruchssinn kommt immer mal wieder und verschwindet dann wieder. Oft geht dies mit Geruchsstörungen einher – einer Umfrage der Helmholtz-Gemeinschaft zufolge kann es sogar sein, dass Betroffene wahrnehmen, dass Dinge anders riechen – und zwar leider unangenehm nach Fäkalien, Schwefel oder Abfluss. Laut Dr. Kathrin Ohla vom Forschungszentrum Jülich, Leiterin der Online-Umfrage, sei dies aber ein Zeichen für den Heilungsprozess.

Doch Betroffene können ihren Geruchssinn auch wieder trainieren, indem sie verschiedene Geruchsstoffe täglich zu erriechen versuchen. Etwa Zimt, Gewürznelken oder Eukalyptus. Dabei werden den Patienten etwa Geruchsproben unter die Nase gehalten, die sie erkennen müssen. Wichtig dabei: Es müssen Gerüche sein, die man kennt, die also im Gehirn verankert sind. Ziel ist es dabei, das Geruchsgedächtnis zu aktivieren.

Am Interdisziplinären Zentrum für Riechen und Schmecken in Dresden etwa wird so ein Training bereits als Therapiemethode bei sogenannten postviralen Riechstörungen angewendet. "Die Patienten sollen dabei jeden Morgen und jeden Abend für jeweils 30 Sekunden an vier verschiedenen Düften riechen", erklärt Prof. Dr. Thomas Hummel, Oberarzt an der HNO-Klinik des Dresdner Uniklinikums gegenüber der "Pharmazeutischen Zeitung". Dieses Training sollten sie konsequent über mindestens vier, teilweise aber auch bis zu neun Monate durchführen."

Wichtig sei dabei, dass die Düfte stark seien und mindestens einer davon ein Gefühl hervorruft, etwa ein Kribbeln, ein Stechen oder ein Kühlen. Dabei eigneten sich insbesondere ätherische Öle mit Rosen- oder Zitronendüften, Gewürze wie Zimt oder Thymian oder Methanol und Essig, die ein Kühlen oder Stechen auslösen. Sinnvoll sei die Therapie besonders bei den Covid-19-Patienten, die schon länger mit Problemen mit dem Geruchs- und Geschmackssinn zu kämpfen haben.

Fragen Sie am besten Ihre Ärzte, ob es in Ihrer Nähe ein Geruchstraining gibt. Denn Hummel betont: Für Zuhause sei die Therapiemethode nicht geeignet. Daher sollte jeder Patient, der nicht mehr riechen und schmecken kann, einen HNO-Arzt oder einen Neurologen um Rat fragen. Bitte stellen Sie keine eigenständige Diagnose. Hummel erklärt: Die Gründe für die Beschwerden seien vielfältig, sie gehörten in ärztliche Hände.

Hier finden Sie eine interaktive Karte zur aktuellen Ausbreitung von Sars-CoV-2 in Deutschland.

Deutscher Patient berichtet: So fühlt sich das Coronavirus an

Wichtig bleibt: Versuchen Sie, möglichst zu Hause zu bleiben, und halten Sie die Hygieneregeln wie gründliches Händewaschen ein. So können Sie sich vor dem Coronavirus schützen.

So funktioniert übrigens der Test auf das Coronavirus.

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Studien und Quellen:

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