18.03.2020

Was zu tun ist, bei Covid-19-Verdacht Schnupfen, Husten: Brauche ich jetzt einen Corona-Test?

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Coronavirus-Test: Wichtige Fragen geklärt
Mi, 18.03.2020, 15.20 Uhr

Coronavirus-Test: Wichtige Fragen geklärt

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Die Verunsicherung ist riesig – wie erkennt man, ob man mit dem Coronavirus infiziert ist? Soll jeder mit Grippe-Symptomen zum Corona-Test? Kann überhaupt jeder einen machen? Die wichtigsten Infos im Überblick.

"Kein Problem ist so schlimm, als dass man es nicht selbst verschlimmern könnte“ besagt eine vielzitierte Weisheit des Astronauten Chris Hadfield. Und wie verschlimmert man es? Durch Panik. Sie ist momentan in der Corona-Krise allgegenwertig. Panik ist ein normales Gefühl, aber unproduktiv. Es hilft weder dem Einzelnen, noch dem Gesundheitssystem, wenn jeder mit Erkältungssymptomen und Husten einen Coronavirus-Test fordert.

Vorsicht ist wichtig, damit die Ansteckungsrate sinkt und der Ausbruch so bald wie möglich vorbei ist. Panik hingegen bewirkt das Gegenteil. Fakten helfen – wir haben zusammengefasst, wer sich auf das Coronavirus testen lassen sollte, und wer nicht – und wie der Test auf Sars-CoV-2 funktioniert. Die Informationen basieren auf den aktuellen Angaben des Bundesgesundheitsministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Stand 16.03.2020):

Bei welchen Symptomen ist ein Corona-Test ratsam?

Ausgangslage: Sie haben grippeähnliche Symptome (z.B. Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Husten, Halsschmerzen und Fieber).

  • UND haben sich in den letzten 14 Tagen in einer Region mit Coronavirus-Fällen aufgehalten.
  • ODER hatten in den letzten 14 Tagen Kontakt zu einem bestätigten Coronavirus-Fall.

Genaueres dazu: Coronavirus: Verdacht auf Ansteckung? Das ist zu tun

Was sollte ich tun, wenn das auf mich zutrifft?

Bitte melden Sie sich zunächst telefonisch bei Ihrem Hausarzt. Gehen Sie nicht ohne telefonische Voranmeldung in die Praxis. In dringenden Fällen rufen Sie die Nummer 116 117 (ärztl. Bereitschaftsdienst) an. Begeben Sie sich schon einmal vorsichtshalber in häusliche Quarantäne, bis geklärt ist, wie es weitergeht.

Wie häusliche Quarantäne abläuft, erfahren Sie hier in unserem Ratgeber: Coronavirus: Das erwartet Sie in häuslicher Quarantäne

Wer entscheidet, ob ein Test auf Coronavirus durchgeführt wird?

Wer getestet wird, entscheiden derzeit die Kliniken, Bereitschafts- und Hausärzte selbst. Sie orientieren sich dabei an den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Symptome wie Fieber, Halsschmerzen und Atembeschwerden allein reichen demnach nicht aus. Die Person muss außerdem Kontakt zu einer infizierten Person gehabt oder sich in einer Region aufgehalten haben, in der das Virus flächendeckend nachgewiesen wurde (z.B. Landkreis Heinsberg in NRW oder Tirol).

Eine Liste dieser besonders betroffenen Gebiete gibt es hier vom RKI.

Wer sollte sich OHNE Symptome bei Behörden wegen eines möglichen Tests melden?

Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das neuartige Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde. Sie sollten sich unverzüglich - auch wenn sie keine Krankheitszeichen haben – an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden.

Das zuständige Gesundheitsamt kann über eine Datenbank des Robert Koch-Instituts (RKI) ermittelt werden.

Wie läuft der Corona-Test organisatorisch ab?

Das kommt darauf an, zu was ihnen telefonisch geraten wurde und in welcher Region sie sind. Es gibt Hausbesuche zum Abstrich, Abstriche durch den Hausarzt, zentrale Teststellen in Kliniken, oder Drive-In-Teststellen. Voraussetzung dafür ist, dass sie ein eigenes Auto haben (bei Infektionsverdacht keine Carsharing- oder Miet-Fahrzeuge nutzen!) Wichtig: Gehen Sie nicht ohne offizielle Anmeldung zu den Teststellen, Sie werden definitiv nicht drangenommen!

Das Testergebnis liegt in der Regel innerhalb von wenigen Tagen vor. Das zuständige Gesundheitsamt oder Ihr Arzt werden sich damit telefonisch bei Ihnen melden, evtl. haben Sie eine Nummer erhalten, bei der Sie aktiv nachfragen können. Beachten Sie aber: Ab sofort werden nur diejenigen mit positivem Testergebnis benachrichtigt, also die, die das Coronavirus haben. Wer nichts von Arzt / Gesundheitsamt hört, ist negativ, hat also das Coronavirus nicht. Wie genau ihre Benachrichtigung ablaufen wird, erfahren die Betroffenen an der Teststelle.

Wie funktioniert der Test auf Coronavirus?

Zur Abklärung einer Infektion entnimmt der Arzt eine Probe aus den oberen und/oder tiefen Atemwegen, zum Beispiel als Abstrich aus dem Nasen-, Mund-, Rachenbereich oder dem ausgehusteten Sekret. Die Proben werden anschließend an ein Diagnostiklabor geschickt, welches mit einem speziellen Verfahren prüft, ob das neuartige Coronavirus in der Probe enthalten ist.

Dafür wird eine Methode namens PCR (polymerase chain reaction) eingesetzt, die Polymerase-Kettenreaktion. Polymerase ist ein Enzym, mit dem Erbgut vervielfältigt werden kann, auch das von Viren. Dabei versucht man mit bestimmten Komponenten das Erbgut vom Coronavirus zu multiplizieren. Wenn in der Probe aber gar kein Coronavirus-Erbgut ist, können die eingesetzten Enzyme nichts bewirken. Es kommt also nicht zur Vervielfältigung, der Test ist negativ. Gelingt die Vervielfältigung, ist der Test positiv. Um ganz sicher zu gehen, wird bei einem positiven Befund ein zweiter Test zur Bestätigung gemacht.

Zahlt die Krankenkasse den Test auf Coronavirus?

Seit dem 28. Februar 2020 übernehmen die Krankenkassen die Kosten der Testung per PCR auf das Coronavirus in einem weiten Umfang. Voraussetzung hierfür ist die Entscheidung des Arztes, ob ein Patient getestet werden soll oder nicht.

Gibt es einen Corona-Schnelltest für zu Hause?

Ein Schnelltest, mit dem eine Bestätigung der Coronavirus-Infektion selbst durchgeführt werden kann, in etwa wie ein Schwangerschaftstest, existiert nicht. Auch zuverlässige Corona-Schnelltests für die Labor-Auswertung gibt es nicht. Derzeit kursierende Schnelltests suchen nicht direkt nach den Viren, sondern im Blut nach Antikörpern auf SARS-CoV-2.

Das Problem: Antikörper sind bei Virusinfektionen meist frühestens eine Woche nach Erkrankungsbeginn nachweisbar, in der Regel sogar erst nach 14 Tagen. Die Kosten für diese unzuverlässigen Antikörper-Tests werden daher nicht von den Krankenkassen übernommen.

Außerdem besteht die Gefahr, dass man sich, einmal negativ getestet, zu sicher fühlen und unvorsichtiger werden könnte. Doch das Virus kann man sich trotzdem noch einfangen.

Hotlines zum Coronavirus

Wenden Sie sich telefonisch an Ihren Hausarzt oder wählen Sie die 116117 - die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes - wenn Sie glauben, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben.

Hier eine weitere Auswahl von Hotlines, die zum Thema Coronavirus informieren:

  • Unabhängige Patientenberatung Deutschland - 0800 011 77 22
  • Bundesministerium für Gesundheit (Bürgertelefon) - 030 346 465 100
  • Allgemeine Erstinformation und Kontaktvermittlung - Behördennummer 115 (www.115.de)

Weitere, ständig aktualisierte Informationen zur Ausbreitung des Coronavirus und den Maßnahmen dagegen veröffentlichen das Bundesgesundheitsministerium und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Zu allem - von Krankschreibung per Telefon, über Reiserecht bis zur Aufklärung kursierender Fake News - können Sie sich auch auf unserer großen Themenseite zum Coronavirus informieren.

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

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