17.03.2020

Sars-CoV-2 Wie lange überlebt das Virus in der Luft und auf Oberflächen?

Stopp Coronavirus - 6 simple und effiziente Maßnahmen im Alltag
Fr, 13.03.2020, 16.56 Uhr

Stopp Coronavirus - 6 simple und effiziente Maßnahmen im Alltag

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Die Frage brennt natürlich zurzeit: Wie lange ist das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 eigentlich in der Luft sowie auf Oberflächen aktiv? Laborexperimente zeigen dies. Aber Virologe Christian Drosten warnt, die Ergebnisse so auf die reale Welt zu übertragen.

Nicht nur der Name ähnelt sich: US-amerikanische Forscher haben nun in Laborexperimenten nachweisen können, wie lange das Coronavirus Sars-CoV-2 in der Luft und auf Oberflächen nachweisbar ist – nämlich ähnlich lange wie sein "Vorgänger", Sars-CoV-1. Der damals als "Sars" bekanntgewordene Erreger hatte 2002/03 vor allem in China gewütet, konnte aber gut eingedämmt werden. Die Erkenntnisse können jetzt dabei helfen, auch die Pandemie mit Covid-19 besser in den Griff zu bekommen. Doch es muss bei den Ergebnissen auch aufgepasst werden, sagt Christian Drosten, Virologe an der Charité und Experte in Sachen Sars-CoV-2.

Luft und Oberflächen: So lange überlebt das Coronavirus - unter Laborbedingungen

In einem Hochsicherheitslabor in Hamilton im US-Bundesstaat Montana konnten Forscher der US-National Institutes of Health die Stabilität der beiden Sars-Coronaviren untersuchen und vergleichen. Über diverse Gerätschaften und Filter konnten sie über wechselnde Zeiträume die Viruskonzentration in der Luft bestimmen. In Experimenten haben sie weiterhin Oberflächen aus Kunststoff, Edelstahl, Kupfer sowie handelsüblicher Pappe besprüht und anschließend ebenfalls die Virenkonzentration im Abstand mehrerer Stunden bis hin zu vier Tagen bestimmt.

Die Ergebnisse decken sich größtenteils mit denen des damaligen Sars-Virus, so die Forscher rund um Neeltje van Doremalen. So konnten sich die Viren sowohl in der Luft als auch auf den Oberflächen bis zum Ende der Experimente nachweisen lassen, doch die Konzentration nahm exponentiell ab.

  • In der Luft betrugen die Halbwertszeiten für beide Sars-CoV jeweils 2,74 Stunden. Sprich: Nach dieser Zeit war nur noch die Hälfte der Viren vorhanden, nach noch einmal 2,74 Stunden wiederum die Hälfte vom verbleibenden Rest und so weiter.
  • Auf der Kupferoberfläche betrug die Halbwertszeit nach 3,4 (Sars-CoV-2) bzw. 3,76 Stunden (Sars-CoV-1).
  • Den größten Unterschied gab es zwischen den Viren bei Pappe: Sars-CoV-2 war nach 8,45 Stunden auf Pappe noch zur Hälfte vorhanden, Sars-CoV-1 nur 1,74 Stunden.
  • Auf Stahl betrugen die Halbwertszeiten 13,1 Stunden (2) sowie 9,77 Stunden (1).
  • Auf Plastik lag die Konzentrations-Halbwertszeit bei 15,9 Stunden (Sars-CoV-2) sowie 17,7 Stunden (Sars-CoV-1).

In etwa lässt sich aus Tests sagen, dass Sars-CoV-2 bis zu 72 Stunden auf Kunststoff und Edelstahl überleben kann. In der Luft ist es nach rund drei Stunden nicht mehr nachweisbar.

Schmierinfektion ist Risikofaktor - Tröpfchen aber nicht unterschätzen

Die Vermutung, dass die Viren durch Berührung kontaminierter Oberflächen und durch engen Kontakt übertragen werden, konnte damit bestätigt werden, allerdings lässt sich durch die Experimente nicht das genaue Übertragungsrisiko ableiten – denn die Versuche sind unter kontrollierten Laborbedingungen erfolgt, die Ergebnisse können unter Normalbedingungen daher abweichen – in der Luft etwa durch Wind.

Außerdem ist die zu einer Infektion führende Konzentration an Viren weiter unbekannt, denn auch die könne von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausfallen.

In weiteren Versuchen soll jetzt geklärt werden, wie die Viren auf Schwankungen in Temperatur und Luftfeuchtigkeit reagieren – daraus lassen sich dann möglicherweise Rückschlüsse auf den weiteren Verlauf der Pandemie ziehen – etwa darauf, wie sich die weitere Ausbreitung bei höheren Temperaturen in Frühling und Sommer entwickeln wird.

Virologe erklärt: Ergebnisse lassen sich schwer auf reale Welt übertragen

Virologe Christian Drosten warnt: Diese Ergebnisse könnten "zu gefährlich" klingen. Denn es ist gar nicht klar, wie wie viel Virus in welcher Form auf die Testoberflächen aufgetragen worden ist. Es sei aber, so Drosten, ein großer Unterschied, ob es sich hier um große oder sogar um ganz kleine Tropfen Flüssigkeit mit Virus gehandelt habe und auch, wie genau getestet wurde. Wie es nämlich ist, wenn dieser Tropfen aus "Viruslösung", also Viren gelöst in einer Flüssigkeit, einfach trocknet, darüber gibt es keine Rückschlüsse. Außerdem sind Laborbedingungen immer anders als reale Bedingungen. Nehmen wir an, man bekommt irgendwo etwas auf die Haut, das sich dort dann weiter verdünnt und auch vom sauren Milieu der Haut nochmal beeinflusst wird. Daher sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen. Diese Untersuchung sei extrem simpel gehaltend und die Schlussfolgerungen würden schnell missverstanden, so Drosten.

Die Ergebnisse seien nicht falsch, aber so simpel, dass die reale Infektion damit wahrscheinlich nicht abgebildet würde, so Drosten.

Das Problem daran, wenn man nun die "Haltbarkeit" des Virus auf einen bestimmten Zeitraum festsetzen würde anhand solcher Studien, sei, dass Menschen, die sich schützen wollen, vielleicht falsche Prioritäten setzen und möglicherweise zwar keine Türklinken mehr anfassen, aber doch noch anderen zu nahe kommen. Denn der wichtigere Mechanismus bei solchen typischen Tröpfcheninfektionen sei es, anderen nicht mehr zu nahe zu kommen. An die Möglichkeit der Schmierinfektion Zahlen ranzuhängen, verzerre seiner Meinung nach die Wirklichkeit. Wir brauchen aber, so Drosten, eine gesunde und realistische Einschätzung, wie wir uns jetzt am besten schützen.

Er sagt dazu: Wenn jemand, der infiziert ist, etwa spreche oder huste, bleibe das Virus eine kleine Zeit um die Person herum und falle dann irgendwann zu Boden. Und zwar eher zehn bis 20 Minuten, beim Husten wahrscheinlich länger als beim Sprechen. Und auch dann könnten Tropfen so klein sein, dass sie keine hohe Viruskonzentration haben und so schnell druchtrocknen, dass das Virus nicht mehr aktiv ist. All das wissen wir noch nicht, sagt Christian Drosten. Da müssen noch genaue, wissenschaftliche Studien folgen. Bis dahin sollten wir uns wohl lieber an die Etikette halten, die wir von anderen Erkältungserkrankungen etwa kennen.

Weitere Tests mit menschlichen Ausscheidungen

Weltweit wird gerade am neuartigen Coronavirus geforscht. So testeten etwa Wissenschaftler rund um Wenjie Tan vom Nationalen Institut für die Kontrolle und Prävention von Viruserkrankungen in Peking 1.070 Proben von 205 Patienten mit Covid-19 und berichteten darüber im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020). Kurz zusammengefasst: Die meisten Viren fand man nach Spülen der Bronchien (Bronchiallavage, 93 Prozent positiv), gefolgt vom Auswurf beim Husten (Sputum, 72 Prozent), dem Nasenabstrich (63 Prozent), bronchoskopische Bürstenbiopsie (Entnahme von Zellen und Sekreten aus den Bronchien, 46 Prozent), Rachenabstrich (32 Prozent), Stuhlproben (29 Prozent) und Blutproben (1 Prozent). Keine von 72 Urinproben fiel positiv aus.

Was sagen uns diese Ergebnisse jetzt? Gut lüften, um die Virenkonzentration in geschlossenen Räumen auszudünnen, regelmäßig raus an die frische Luft gehen (wenn nicht in Quarantäne mit eigenem Garten), regelmäßig gründlich die Hände waschen und etwa zwei Meter Abstand halten! Von vielen Menschen benutzte Oberflächen können mit Oberflächendesinfektionsmittel gereinigt werden – aber denken Sie daran: Es muss bis zu einer Minute einwirken! Tipps dafür, wie Sie sich und andere vor dem Coronavirus schützen und wie wir es gemeinsam hinkriegen, die Infektionskurve so flach wie nur möglich zu halten, finden Sie auch bei uns, nebst weiteren informativen Artikeln zum Coronavirus Sars-CoV-2. Bleiben Sie gesund!

Den täglichen Podcast vom NDR mit Prof. Dr. Christian Drosten. Leiter der Virologie an der Berliner Charité, können Sie hier hören.

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