17.03.2020

Worauf zu achten ist Coronavirus: Das erwartet Sie in häuslicher Quarantäne

Coronavirus – Alle wichtigen Infos
Mi, 11.03.2020, 09.27 Uhr

Corona-Virus – Alle wichtigen Infos

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Mit weiterer Ausbreitung des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 und vermehrten Krankheitsfällen mit Covid-19 werden immer mehr Menschen in häusliche Quarantäne gestellt. Wie genau soll das ablaufen und wie wird man in dieser Zeit versorgt? Wir klären wichtige Fragen.

Um die weitere Ausbreitung von Covid-19, der durch das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelösten Lungenkrankheit, einzudämmen, werden mehr und mehr Leute jetzt und auch in den kommenden Wochen wohl in einer häuslichen Quarantäne landen. Einerseits gilt das für Verdachtsfälle, andererseits vor allem für die, die sich angesteckt haben, aber nur leichte bis gar keine Symptome zeigen und daher nicht im Krankenhaus behandelt werden müssen. Doch was sind da die Auflagen und Vorgaben? Das müssen Sie in häuslicher Quarantäne beachten.

Häusliche Quarantäne: Was bedeutet das?

Quarantäne kann als Vorsichtsmaßnahme auch die treffen, die bisher nicht infiziert sind. Die Quarantäne-Maßnahme soll dann eine weitere Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen. Betroffen sind vor allem:

  • Menschen, die Kontakt zu einer an Covid-19 erkrankten Person hatten.
  • Menschen, die sich in den vergangenen zwei Wochen in einem Risikogebiet aufgehalten haben.
  • Menschen, deren Test auf Sars-CoV-2 positiv ausgefallen ist, auch wenn keine oder geringe Symptome auftreten.

Muss ich in Quarantäne bleiben, obwohl es mir gut geht?

Die vom Gesundheitsamt verordnete häusliche Quarantäne ist verpflichtend! Wer sich nicht daran hält, dem drohen laut Infektionsschutz entweder eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe. Laut Rechtsanwalt Kai Wiegand von der "Bild" sind Geldbußen bis 25.000 Euro und Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren möglich.

Auch, wenn es Ihnen gut geht und Sie keine Symptome verspüren, können Sie via Tröpfchen- oder Schmierinfektion ansteckend sein. Denn Sars-CoV-2 kann auch mit keinen oder nur geringen Symptomen ansteckend sein, da es sich auch in den vorderen Atemwegen tummelt. Die Inkubationszeit kann bis zu 14 Tage betragen.

Quarantäne bedeutet: Haus oder Wohnung nicht verlassen! Ausgenommen ist das eigene Grundstück bei Einfamilienhäusern bzw. der zur Wohnung gehörende Garten. Auch Einkäufe, Besuche, Spaziergänge sowie das Gassigehen mit dem Hund während der Quarantänezeit (Katzen dürfen aber alleine raus) und auch der Gang zur Arbeit sind Tabu. Außerdem gilt: Die vom Gesundheitsamt verordnete Quarantäne gilt für alle Personen im Haushalt. Ist ein Mitglied im Haushalt vorsichtshalber in Quarantäne, gibt das Gesundheitsamt Empfehlungen für die restlichen Personen im Haushalt. Nach Möglichkeit sollen alle zuhause bleiben, es kann aber sein, dass etwa der Arbeitgeber eines Familienmitglieds, das offiziell nicht unter Quarantäne steht, den Gang zur Arbeit einfordert. Das muss individuell geklärt werden.

Wie komme ich an Lebensmittel und andere wichtige Waren?

Bitten Sie am besten Nachbarn, Freunde oder Verwandte, die nicht im gleichen Haushalt wohnen, Sie zu versorgen und für Sie einkaufen zu gehen. Die Waren können sie dann vor Ihrer Haustür abstellen. Die Tür dürfen Sie nicht öffnen, wenn jemand davor steht – das gilt auch für Lieferdienste: Informieren Sie sie, dass sie das Essen vor der Tür abstellen sollen und bezahlen Sie online.

Auch den Müll können Sie vor die Tür stellen und etwa Nachbarn bitten, ihn herunterzubringen.

Wer kontrolliert meinen Zustand?

Zu Beginn der Quarantäne werden Sie auf das Virus getestet. Speziell geschulte Mitarbeiter des Gesundheitsamtes melden sich meist einmal am Tag. Wer unter Quarantäne steht, muss zudem seinen Gesundheitszustand protokollieren: Symptome müssen gelistet, Fieber zweimal am Tag gemessen werden. Vom Gesundheitsamt gibt es etwa entsprechende Vordrucke. Am Ende der zweiwöchigen häuslichen Quarantäne werden Sie erneut auf Sars-CoV-2 getestet. Fällt der Test negativ aus, endet die Quarantäne.

Was ist mit meiner Arbeit?

Wer offiziell unter vom Gesundheitsamt angeordneter Quarantäne steht, bekommt trotzdem wie bei normaler Krankheit eine Lohnfortzahlung. Auch wer nicht krank ist, aber der Quarantäne-Anordnung unterliegt, hat laut Infektionsschutzgesetz Anspruch auf Entschädigung in Höhe des Verdienstausfalls. Der Arbeitgeber kann sich den Betrag von der Behörde erstatten lassen. Die Lohnfortzahlung gilt übrigens auch, wenn der Betrieb aus eigener Entscheidung etwa aufgrund von Coronavirus-Verdachtsfällen geschlossen ist.

Was, wenn ein Handwerker kommen muss?

In der Wohnung tritt ein technischer Defekt auf. Hier kommt es auf die Schwere der Lage an. Bei Gefahr in Verzug, etwa bei einem Brand, müssen natürlich die Rettungsdienste informiert werden. Liegt nur ein technisches Problem vor, etwa ein kaputter Kühlschrank, Stromausfall oder ein Wasserschaden, muss das Gesundheitsamt informiert und auf Anweisung gewartet werden.

Zuletzt gilt: Ruhe bewahren. Versuchen wir, die Situation – und das betrifft auch die Absagen von Veranstaltungen – als Hilfe vor allem für die zu sehen, denen eine Infektion eher Schaden zufügen könnte – den Mitmenschen mit Vorerkrankungen und denen in hohem Lebensalter. Bedenken wir: In China konnten Isolationsmaßnahmen eine weitere Verbreitung massiv eindämmen. Das wird jetzt auch in Italien und Frankreich versucht. Und auch hier ist das öffentliche Leben mittlerweile stark eingeschränkt. Doch blicken wir nach vor: Nur so können wir vor allem die Risikogruppe schützen und das Gesundheitssystem vor dem absoluten Zusammenbruch bewahren. Unsere Ärzte und Pflegekräfte sind jetzt schon am Ende, Kapazitäten begrenzt. Wenn wir es mit ein paar Tagen bis Wochen Quarantäne und Ausgangssperre schaffen, die Infektionskurve flach zu halten, so dass die Kapazitäten irgendwie reichen, ist es das allemal wert!

Übrigens: Haustiere können sich nach bisherigen Erkenntnissen nicht mit Sars-CoV-2 infizieren oder es übertragen. Mehr News und Infos zum Coronavirus erfahren Sie auf unserer Themenseite.

Coronavirus: Wichtige Telefonnummern bei Verdacht auf Covid-19

Ärzte warnen davor, nun aus unnötigen Gründen Arztpraxen und Notaufnahmen aufzusuchen. Wer typische Covid-19-Symptome wie Husten und Fieber verspürt, ist dazu angehalten, nicht einfach so in die nächste Arztpraxis oder Notaufnahme zu marschieren, sondern sich im Vorfeld telefonisch über das weitere Vorgehen zu erkundigen. Denn Wartezimmer und Notaufnahmen sind Viren-Brutstätten. Um nicht ganze Notaufnahmen lahmzulegen, hat etwa die Charité in Berlin ein eigenes Corona-Zentrum im Virchow-Klinikum eingerichtet.

Unter folgenden Telefonnummern können Sie sich bei Verdacht melden:

  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
  • Einheitliche Behördennummer: 115
  • Unabhängige Patientenberatung Deutschland: 0800 011 77 22
  • Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Zudem stehen Ihnen Ihre Hausärzte telefonisch zur Verfügung. Alle neuen Informationen zur Ausbreitung des Virus gibt es außerdem auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Hier finden Sie eine interaktive Karte über den aktuellen Stand der Infektionen mit Sars-CoV-2 sowohl in Deutschland, in Europa als auch weltweit.

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

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