12.03.2020 - 15:22

Stammzelltherapie erfolgreich Von HIV geheilt: "Londoner Patient" will Botschafter der Hoffnung sein

Nach dem "Berliner Patient" jetzt der "Londoner Patient": Der weltweit zweite HIV-Patient gilt nach einer Stammzelltherapie als geheilt.

Foto: iStock/burakkarademir

Nach dem "Berliner Patient" jetzt der "Londoner Patient": Der weltweit zweite HIV-Patient gilt nach einer Stammzelltherapie als geheilt.

Er gilt als der weltweit zweite HIV-Patient, der offiziell geheilt werden konnte: Jetzt spricht der "Londoner Patient".

Die Stammzellentherapie hat ein zweites Mal erfolgreich gewirkt: Nachdem der sogenannte "Berliner Patient", ein in Berlin lebender Amerikaner, bisher offiziell seit 2011 als der einzige vom HI-Virus geheilte Mensch galt, darf sich nun auch der "Londoner Patient" als offiziell HIV-frei bezeichnen. Bei ihm konnten nun 30 Monate lang keine HI-Viren mehr nachgewiesen werden. Seine Ärzte bezeichnen ihn nun in einer wissenschaftlichen Publikation offiziell als geheilt. Jetzt gab er seine Identität preis.

"Londoner Patient" von HIV geheilt: Das ist Adam Castillejo

Adam Castillejo ist 40 Jahre alt und stammt gebürtig aus Venezuela. Seit fast 20 Jahren lebt er in London – und das brachte ihm den Namen "Londoner Patient" ein. Denn Castillejo darf sich nach dem "Berliner Patienten" Timothy Ray Brown nun etwa 2,5 Jahre nach Ende seiner Anti-HIV-Therapie als zweiter von HIV geheilter Mensch bezeichnen. Das bedeutet: Auch 30 Monate nach seiner Therapie kann bei ihm kein funktionsfähiges HI-Virus mehr nachgewiesen werden. Berichtet haben das nun offiziell Ärzte und Wissenschaftler rund um Ravindra Gupta von der University of Cambridge in Großbritannien im Fachmagazin "The Lancet HIV".

2003, als er gerade 23 Jahre alt war, wurde bei Castillejo das Virus entdeckt, später wurde ihm Blutkrebs diagnostiziert. Das Hauptziel der Stammzelltherapie war eigentlich, den Krebs zu besiegen – doch eine Mutation in den Stammzellen des Spenders konnte ihn letztendlich auch vom HI-Virus befreien.

Stammzelltherapie baut Immunsystem neu auf – ist aber risikoreich

Die Stammzelltherapie hat damit nun zweimal positiv angeschlagen. Doch Forscher sind dennoch nur vorsichtig optimistisch. Denn die Art der Therapie ist eine Hochrisikobehandlung. Die Sterblichkeit liegt bei 10 Prozent, und dieses Risiko wollen die meisten HIV-Patienten nicht eingehen, vor allem, weil sich das Virus heute mit Medikamenten sehr gut unterdrücken lässt. Aids selbst ist bis heute nicht heilbar, das Virus kann lediglich mit sogenannten antiretroviralen Medikamenten zurückgehalten werden, so dass die Erkrankung nicht ausbricht.

Bei der Stammzelltherapie ist es nun so, dass das Immunsystem neu aufgebaut wird. Das ist möglich durch Stammzellenspender, die durch eine seltene Mutation namens Delta 32 sozusagen immun gegen HI-Viren sind. Die Zellen bilden keinen CCR5-Rezeptor, den HI-Viren meist benötigen, um an eine Zelle anzudocken, um sich zu vermehren. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Erfolg der Stammzelltransplantation als Heilung für HIV, über den erstmals vor neun Jahren beim Berliner Patienten berichtet wurde, wiederholt werden kann", sagt Gupta. Auch der Patient aus Berlin war an einer Form des Blutkrebs erkrankt und hatte eine Stammzelltherapie erhalten.

Auch bei anderen Patienten hatten Ärzte das Verfahren angewendet, doch es funktioniert nicht immer, bei einem Mann aus Essen wurde ein Rückfall mit einem mutierten Virusstamm verzeichnet. Für die meisten Patienten komme die Hochrisikobehandlung nicht infrage, stellen die Ärzte klar. Meist werde daher weiterhin auf den klassischen Ansatz zurückgegriffen, das Virus in Schach zu halten und den Aids-Ausbruch langfristig zu unterdrücken.

Heilung bedeutet eher "kein intaktes Virus"

Aufgrund des hohen Risikos wird die Therapie meist bei Menschen eingesetzt, die auch an einer weiteren schweren Erkrankung leiden. So auch Castillejo. Er litt neben HIV noch an einer Blutkrebserkrankung, gegen die er zuvor eine Stammzellspende erhalten hatte. Er möchte nun "ein Botschafter der Hoffnung" sein.

In Flüssigkeits- und Gewebeproben fanden die Forscher zwar noch Teile des Erbguts von HIV, doch sie vermuten, dass es sich um "fossile" DNA-Stränge handelt und sich das Virus nicht mehr vermehren könne, da auch unter anderem die Anzahl an HIV-spezifischen Antikörpern zurückgegangen sei und dies darauf hinweise, dass das Virus aus dem Körper des Patienten verschwunden sei. Die meisten Viren, die eine Anti-HIV-Therapie überstehen, seien defekt und könnten sich nicht mehr vermehren, schreiben die Autoren. Daher könne man die Heilung für HIV eher als "kein intaktes Virus" beschreiben.

Die Stammzelltherapie gehört zu den vielversprechendsten Therapien gegen das HI-Virus, wird aber meist bei Krebs-Patienten, vor allem bei Blutkrebserkrankungen wie Leukämie eingesetzt. Eine weitere Möglichkeit könnte es sein, das Virus aus dem Erbgut herauszuschneiden. Zudem gibt es noch das Medikament "PrEP", mit dem sich Gesunde vor einer Ansteckung schützen können.

Die wichtigsten Fakten über Krebs in Deutschland
Die wichtigsten Fakten über Krebs in Deutschland
Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe