05.03.2020 - 16:04

Nach Coronavirus-Infektion Erkrankt an Covid-19: Ab wann bin ich wieder gesund?

Ab wann darf ich dem Krankenhauspersonal nach einer Infektion mit dem Coronavirus eigentlich wieder den Rücken kehren?

Foto: iStock/sturti

Ab wann darf ich dem Krankenhauspersonal nach einer Infektion mit dem Coronavirus eigentlich wieder den Rücken kehren?

Die Zahl der Infizierten mit Sars-CoV-2 steigt weltweit, auch in Deutschland mehren sich die Fälle. Aber gleichzeitig genesen auch immer mehr Menschen, der Großteil übersteht die Infektion problemlos. Da stellt sich die Frage: Ab wann gilt man nach der Infektion überhaupt wieder als gesund?

Zwar gibt es durchaus kritische Fälle, in denen die Infektion mit dem Coronavirus eine schwere Lungenentzündung auslöst und die Lungenkrankheit Covid-19 kritisch, sogar tödlich verlaufen kann. Doch der Großteil der Infizierten verspürt nur leichte Symptome, manche gar keine. Allzu viel Erfahrung haben wir weltweit mit dem Virus noch nicht. Da stellt sich zu recht die Frage: Ab wann bin ich als Coronavirus-Infizierter eigentlich wieder gesund?

Coronavirus-Infektion: Viele wieder gesund?

Täglich steigt die Zahl der mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizierten Menschen. Gefühlt noch schneller steigt aber glücklicherweise auch die Zahl der Genesenen. Denn was wir ob der Ausbreitung und der Vorsicht gegenüber dem neuartigen Virus nicht vergessen sollten: Zwar wissen wir noch nicht viel über die neue Virusart, doch sie ist kein absolutes Todesurteil. Mittlerweile scheint die Zahl der wieder gesund gewordenen Menschen die der Neuinfizierten täglich zu übersteigen. Aber da knüpft eine andere Frage an, die sich auch viele stellen, die zurzeit eine Infektion befürchten: Wann gelte ich eigentlich wieder als gesund?

Die hohe Zahl der wieder gesund gewordenen Menschen entspricht laut Clemens Wendtner, dem Chefarzt am Klinikum Schwabing München, bisher allerdings eher denen, die aus der Behandlung entlassen worden sind. Die Dunkelziffer dürfte daher, wie bei den Infizierten auch höher liegen. Auch ist nicht ganz klar, ob in China alle aus dem Krankenhaus entlassenen Menschen wirklich komplett fieberfrei und genesen waren. Im Klinikum Schwabing wurden damals die ersten Infizierten in Deutschland behandelt, hier wurden auch die ersten Entlassungen in Deutschland gefeiert.

Ab wann man als geheilt gilt

Es gibt leider (noch) keine gezielte Therapie gegen Covid-19, daher stehen – wie bei der Grippe und bei einfachen Erkältungen auch – unterstützende Maßnahmen im Vordergrund. Bei leichten Verläufen, wie sie glücklicherweise zumeist vorkommen, ist das eine Behandlung der Symptome wie Husten und Fieber. Werden Patienten im Krankenhaus behandelt, bekommen sie Sauerstoff und Flüssigkeitszufuhr. In seltenen Fällen werden Antibiotika gegeben, wenn gleichzeitig noch Infektionen mit Bakterien vorliegen oder um ebendiese zu vermeiden. Gegen Viren wirken Antibiotika nicht. Verläuft die Krankheit schwer, werden Patientinnen und Patienten künstlich beatmet.

Als vom Coronavirus bzw. Covid-19 genesen gilt man laut Robert-Koch-Institut (RKI), wenn man mindestens 48 Stunden fieberfrei ist und mindestens 24 Stunden keine Symptome mehr verspürt hat. Das ist laut RKI nach frühestens zehn Tagen der Fall. Außerdem muss man nach Empfehlung des RKI zweimal negativ auf das Virus getestet worden sein.

Ein Test auf Sars-CoV-2 läuft so ab, dass ein Abstrich aus dem Nasenrachenraum genommen wird. Dieser darf keine Viren mehr enthalten. Zwischen beiden Tests müssen 24 Stunden liegen.

Wendtner, der diese Richtlinien zusammen mit Christian Drosten von der Charité in Berlin und Roman Wölfel vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr für das RKI erforscht und ermittelt hat, ergänzt, dass infektiöse Sars-CoV-2-Viruspartikel im Schnitt nach zehn Tagen in Abstrichen nicht mehr nachweisbar gewesen seien. In Einzelfällen könne man nach wissenschaftlichen Kriterien Patienten auch eher entlassen, nämlich dann, wenn die Viruszahl im abgehusteten Schleim auf eine Million Viren pro Mililiter abgefallen ist. Dann seien laut Wendtner die Erreger nicht mehr in der Lage, auf Zellkulturen zu wachsen. Die Patienten seien damit nicht mehr infektiös, auch wenn sie noch Viruspartikel in sich tragen.

Die Viruspartikel können allerdings auch mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Und das noch Wochen nach der Infektion. Diese sind aber laut Wendtner nachgewiesenermaßen nicht mehr ansteckend.

Werden alle Menschen mit Symptomen und nachgewiesener Infektion stationär aufgenommen?

Bisher ist das der Fall: Bei wem das Virus nachgewiesen wurde, der soll auch aufgenommen werden. Doch die Realität sieht jetzt schon etwas anders aus und wird sich wohl sowieso noch ändern, je mehr Platz in Kliniken für schwere Fälle benötigt wird. Dann müsse man, so Wendtner gegenüber der "Zeit", darüber diskutieren, ob Patienten mit leichten Symptomen überhaupt stationär aufgenommen werden oder ob man sie in die Heimisolation schickt. Das wird derzeit teilweise schon so betrieben, gerade wenn nur leichte Symptome spürbar sind. So wird beispielsweise eine Frau aus Nordhessen zurzeit in Heimquarantäne medizinisch betreut.

Vom RKI rühren die Zahlen der Genesenen übrigens nicht, das Institut darf aus Datenschutzgründen nicht über Genesungen informiert werden. Die 16 bekannten Fälle, in denen Patienten wieder als gesund gelten, stammen daher, weil die Krankenhäuser sie öffentlich gemacht haben.

Kann man sich denn erneut anstecken?

Vor Kurzem wurde ein Fall bekannt, bei dem sich eine Japanerin angeblich zum zweiten Mal mit dem Virus angesteckt haben soll, und auch bei vier chinesischen Patienten wurden ähnliche Berichte bekannt. Doch die deutschen Experten halten dies für nicht nachvollziehbar. Sie vermuten, dass die Patienten zu früh entlassen worden seien oder man zwischenzeitlich einen fehlerhaften Test gemacht habe. Denn es komme, so Wendtner, auch darauf an, wo der Abstrich gemacht werde: Tief im Rachen oder weiter vorne. Weiter vorne ist die Zahl der Viren meist geringer. Außerdem könne es sein, dass sich Patienten nach der Covid-19-Erkrankung mit einem anderen Virus, etwa Influenza, angesteckt haben, wenn ähnliche Symptome kurz später wieder auftreten.

Vielmehr sieht es so aus, als seien alle, die sich mit Sars-CoV-2 angesteckt haben, vor einer Folgeinfektion mit der zurzeit umhergehenden Virenart sicher, also immun. Denn unser Immunsystem entwickelt bei Infektionen Antikörper gegen die Erreger – und zwar nach etwa zehn Tagen. Möglicherweise klappt das auch bei Menschen, die infiziert sind, aber kaum Symptome zeigen, sie etwa kein Fieber haben. Denn das Immunsystem hat gegen den Erreger gekämpft und merkt sich das auch. Bei der Grippe verläuft das nicht anders: Sie ist nur jedes Jahr zur Grippesaison wieder gefährlich, weil sich das Virus ständig wandelt. Ob dies bei Sars-CoV-2 auch in dem Ausmaß der Fall sein wird, muss sich erst noch zeigen.

Es gibt hier aber einen signifikanten Unterschied zwischen Coronavirus und Influenza-Virus: Influenza-Viren besitzen ein Erbgut, das sich aus Segmenten zusammensetzt. Und das kann sich immer wieder neu zusammensetzen. Das Erbgut von Sars-CoV-2 jedoch besteht aus einem einzelnen RNA-Strang und gilt daher als wenig mutationsfreudig. Inwiefern es sich also entwickelt und wie es sich etwa regionsspezifisch unterscheidet, muss noch herausgefunden werden.

Wichtig ist dennoch, dass sich alle, vor allem die, die noch nicht erkrankt sind, vor dem Coronavirus schützen. Mit diesen Tipps schützen Sie sich auch gleich vor der Grippe und auch vor Erkältungen. Wichtig dabei: richtiges Händewaschen. Und das geht so:

Richtig Hände waschen
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Mehr über die aktuelle Entwicklung in Sachen Coronavirus weltweit lesen Sie in unserem Ticker.

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