28.02.2020 - 13:52

Patientin berichtet Trotz Diabetes sicher und frei fühlen: Sensor überwacht Werte

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Mit einem CGM-System können Diabetes-Patienten mit stark schwankendem Blutzuckerspiegel ebendiesen kontinuierlich durch einen Sensor messen lassen und so im Blick behalten.

Foto: Roche Diabetes Care Deutschland

Mit einem CGM-System können Diabetes-Patienten mit stark schwankendem Blutzuckerspiegel ebendiesen kontinuierlich durch einen Sensor messen lassen und so im Blick behalten.

Diabetes Typ 1 ist eine erschütternde Diagnose. Ständig Blutzuckerwerte messen und auf alles achten? Eine Herausforderung. Dass man trotz Diabetes trotzdem ein entspanntes Leben führen kann, hat Alste S. festgestellt. Ein Sensor unter der Haut hilft ihr dabei.

"Warum ausgerechnet ich?" Als Alste S. (46) vor sechs Jahren die Diagnose Typ-1-Diabetes bekam, war das im ersten Moment ein echter Schock. Sie, die leidenschaftliche Sportlerin, die schon immer großen Wert auf gesunde Ernährung legt, konnte es nicht fassen, dass ihr Körper sie auf einmal im Stich lässt. Wie sollte sie es zukünftig schaffen, ihre Karriere mit ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau trotz Krankheit unter einen Hut zu bringen? "Halle Berry als Bond-Girl hat ebenfalls Typ-1-Diabetes und kann sehr gut damit leben." An die Worte ihrer damaligen Ärztin kann sich Alste noch heute gut erinnern, denn sie haben ihr Mut gemacht und ihr das Gefühl genommen, mit der Krankheit alleine zu sein. Aber ausschlaggebend war am Ende ein CGM-System zur Messung der Blutzuckerwerte bei Diabetes.

CGM-Messsystem misst Blutzucker bei Diabetes: Werte sind immer zur Hand

Nach ihrer Diagnose spielte der Diabetes auf einmal eine große Rolle in ihrem Leben. Mehrmals täglich Blutzucker messen, Insulin spritzen und nicht mehr alles essen können, was sie möchte – es waren viele Dinge, die das Leben von Alste auf den Kopf stellten. Ihr größtes Problem: Besonders bei Stress schossen ihre Blutzuckerwerte ohne Vorwarnung in die Höhe. Außerdem kam sie immer wieder in den Unterzucker, der ihr den Boden unter den Füßen wegzog. "Für mich fühlte sich das an, als würde ich hilflos eine Felswand hinunterstürzen. Eine Angst, die mich in meinem Alltag stark eingeschränkt und teilweise sehr verunsichert hat."

Eine Freundin machte sie dann auf eine neuartige Lösung eines CGM-Systems aufmerksam. "CGM" steht als Abkürzung für "Continuous Glucose Monitor" und bedeutet übersetzt etwa kontinuierliche Glukose-Messung: Es misst kontinuierlich mit einem Sensor unter der Haut die Glukosewerte und überträgt diese über einen Smart Transmitter auf eine Smartphone App. "Ich war sofort begeistert. Meine Werte ständig auf meinem Smartphone im Blick – das war genau, was ich wollte."

Sensor wird unter die Haut gesetzt

Das Einsetzen des Sensors war für Alste kein Problem. "Man spürt nur kurz die Betäubungsspritze. Der Schnitt am Oberarm ist so minimal, dass man nur einen leichten Druck wahrnimmt." Danach bleibt der Sensor bis zu sechs Monate unter der Haut. "Ich habe für eine ganze Zeit meine Ruhe", so Alste.

Besonders schätzt sie, dass sie über Trendpfeile in der Smartphone App sieht, wie sich ihre Werte entwickeln und sie rechtzeitig vor einer Unter- oder Überzuckerung gewarnt wird. Die Warnung funktioniert sogar, wenn sie das Smartphone nicht zur Hand hat, zum Beispiel in der Nacht. Dann meldet sich über Vibrationsalarme der Smart Transmitter, der mit einem Pflaster am Oberarm befestigt wird. "Ich fühle mich jetzt einfach viel sicherer und kann rechtzeitig gegensteuern, bevor meine Werte aus dem Ruder laufen."

Was ihr speziell in der Arbeit hilft: Sie kann in Meetings oder in der Kantine ihre Werte diskret am Smartphone checken, ohne dass es jemand mitbekommt. Denn auch wenn viele ihrer Kollegen über ihren Diabetes Bescheid wissen und sie unterstützen, möchte sie einfach nur ein ganz normaler Teil des Teams sein. Nichts wäre für Alste schlimmer, als bedauert oder wie eine Kranke behandelt zu werden.

Entwicklung des Blutzuckers über den Tag genau im Blick

Darüber hinaus hat Alste ihren Körper viel besser kennengelernt. So weiß sie jetzt, wie ihr Blutzucker sich über den Tag entwickelt und wie ihre Werte auf Joggen oder Krafttraining reagieren. Ihre Ärztin Dr. Ingvild Hansen sieht darin einen entscheidenden Vorteil: "Es gibt viele Faktoren, die einen Einfluss auf die Blutzuckerwerte haben. Allerdings ist das von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Mit dem innovativen CGM-System haben Alste S. und ich jetzt einen lückenlosen Überblick über den Verlauf ihrer Werte und sehen sofort, welche dieser Faktoren ihre Blutzuckereinstellung aus dem Gleichgewicht bringen. So kann der behandelnde Diabetologe gemeinsam mit dem Patienten die Therapie anpassen und verbessern."

CGM-System nimmt Einschränkungen

Heute dreht sich das Leben von Alste wieder viel mehr um sie und ihre Familie – und weniger um ihren Diabetes. "Eingeschränkt zu sein und Angst haben zu müssen, war für mich und meine Familie das Schlimmste. Jetzt genieße ich das gute Gefühl von Sicherheit und Freiheit. Ich bin viel entspannter geworden und meine Krankheit ist nur noch selten ein Thema."

Mittlerweile kann sie ihrem Diabetes sogar positive Seiten abgewinnen. "Ich war immer sehr perfektionistisch und habe mich um alle anderen gekümmert. Manchmal mehr, als gut für mich war. Heute gehe ich viel achtsamer mit mir um, überlege, was mich glücklich macht und gönne mir auch Pausen." Und dass Alste nie ihren Humor verloren hat, zeigt sich auch, wenn Menschen nach der kleinen schwarzen Box an ihrem Oberarm, dem Smart Transmitter, fragen. Ihre Antwort unter lautem Lachen: "Mein Mann weiß einfach gerne, wo ich bin."

Diabetes Dr. Wimmer

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Drei Fragen an die Expertin

Dr. Ingvild Hansen, Fachärztin für Innere Medizin, Nephrologie, Endokrinologie und Diabetologie (DDG) erklärt mehr zum Thema Diabetes:

Was genau ist Diabetes? Diabetes mellitus ist eine krankhafte Störung des Zuckerstoffwechsels, die zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führt. Da dieser mit der Zeit Gefäße und Organe schädigt, sollte Diabetes frühzeitig erkannt und behandelt werden. Grundsätzlich unterscheidet man dabei zwei Formen: Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend oder gar kein Insulin mehr produziert. Typ-2-Diabetes gilt als Volkskrankheit, die häufig durch Übergewicht und Bewegungsmangel ausgelöst wird. Bei dieser Form produziert die Bauchspeicheldrüse zwar weiter Insulin, allerdings nicht in ausreichender Menge. Darüber hinaus kommt es bei einer oftmals begleitenden Insulinresistenz zu einem ungenügenden Ansprechen der Zellen auf Insulin und der daraus resultierenden Erhöhung des Blutzuckers.

Für wen eignet sich ein CGM-System? Ein CGM-System eignet sich für Menschen mit Insulintherapie, die mit stark schwankenden Werten zu kämpfen haben. Wer trotz häufiger Blutzuckermessung keine stabile Stoffwechsellage erreicht, profitiert in der Regel von einem CGM-System. Dies trifft in den meisten Fällen auf Menschen mit Typ-1-Diabetes zu, kann aber auch bei Typ-2-Diabetikern mit einer intensivierten Insulintherapie der Fall sein. Außerdem sollte man bereit sein, sich auf eine neue Technologie einzulassen.

Was kann man tun, wenn man sich dafür interessiert? Der erste Ansprechpartner sollte immer der behandelnde Arzt sein. Er kennt den Therapieverlauf seiner Patienten am besten und kann einschätzen, ob ein CGM-System in Frage kommt. Erfreulicherweise übernehmen mittlerweile viele deutsche Krankenkassen die Kosten für ein CGM-System ohne weitere Probleme.

Machen Sie den Test: Wie hoch ist Ihr Diabetes-Risiko? Und wissen Sie schon, wie Diabetes Typ 1 und Typ 2 überhaupt entstehen? Mehr zum Thema lesen Sie außerdem auf unserer Diabetes-Themenseite.

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