31.01.2020

Experte erklärt das Risiko Riss in der Speiseröhre – ein Todesurteil?

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Ein Speiseröhrenriss ist immer ein Notfall und muss schnellstmöglich behandelt werden.

Foto: iStock/simonkr

Ein Speiseröhrenriss ist immer ein Notfall und muss schnellstmöglich behandelt werden.

Todesursache: Speiseröhrenriss. Schauspieler Ferdinand Schmidt-Modrow starb wahrscheinlich daran, mit nur 34. Wie passiert so etwas? Wie erkennt man den Notfall und warum ist das Sterberisiko so groß? Ein HNO-Arzt klärt auf.

Bis zur schrecklichen Meldung vom plötzlichen Tod des Schauspielers Ferdinand Schmidt-Modrow ("Dahoam is Dahoam") wusste kaum jemand, dass es Speiseröhrenrisse überhaupt gibt. Denn die Verletzung ist selten, aber umso gefährlicher, wenn sie tatsächlich passiert. Es besteht immer höchste Lebensgefahr und Laien können die Symptome kaum richtig einordnen.

Prof. Dr. Jens E. Meyer, Chefarzt der Asklepios Klinik für HNO-Heilkunde in Hamburg St. Georg, erklärt hier, wie es zu einem Riss in der Speiseröhre (med. Ösophagusruptur) kommen kann, was ihn so gefährlich macht und wie eine Behandlung aussieht.

Wie hoch ist das Risiko einen Speiseröhrenriss zu erleiden?

Prof. Meyer: "Ein Riss der Speiseröhre ist eine lebensgefährliche, aber seltene Verletzung. Eine gesunde Speiseröhre ist von der Struktur her weich und elastisch, damit wir möglichst problemlos Nahrung schlucken können. Wenn es zum Speiseröhrenriss kommt, gibt es in den allermeisten Fällen eine Vorschädigung."

Was verursacht einen Riss in der Speiseröhre?

Prof. Meyer: "Der Aufbau der Gewebeschichten der Speiseröhre verändert sich oft, wenn die Schleimhaut konstant gereizt wird – zum Beispiel bei Menschen, die häufig erbrechen, etwa bei einer Bulimie. Chronische Magenentzündungen, saures Aufstoßen, häufiges Brennen und Völlegefühl in Oberbauch und Speiseröhre sind Warnzeichen für eine mögliche Entzündung."

Der Experte betont: "Deshalb müssen diese – vermeintlich harmlosen – Symptome immer ärztlich abgeklärt werden, um Folgeschäden zu verhindern!"

Auch die Magenschleimhautentzündung gehört dazu. Weitere Risikofaktoren für Magen- und Speiseröhrenentzündungen sind:

  • Häufiger Alkohol- und Nikotinkonsum
  • Ungesunde Ernährung
  • Systemische Vorerkrankungen

Was passiert im Körper bei einem Speiseröhrenriss?

Prof. Meyer: "Ein spontan auftretender Riss in der Speiseröhre nach Vorschädigung nennt man Boerhave Syndrom. Häufig reißt die vorgeschädigte Speiseröhre dann beim Erbrechen ein. Denn dabei steigt der Druck auf die Speiseröhre schlagartig an, wenn der Mageninhalt auf einmal nach oben gepresst wird. Außerdem kann auch heftiger Husten zu Druckanstieg und Speiseröhrenruptur führen. Außerhalb des Boerhave Syndroms ist das Verschlucken von spitzen Gegenständen auch eine mögliche Verletzungsursache, kommt in der Praxis aber eher selten vor."

Akutfall Speiseröhrenriss: Welche Symptome sind typisch?

Prof. Meyer: "Die Symptome eines spontanen Speiseröhrenriss' sind heftig und gleichen in manchen Aspekten den Symptomen eines Herzinfarkts:

  • Explosionsartige Schmerzen in Brust und ggf. Rücken
  • Erbrechen, zum Teil blutig
  • Luft unter der Haut des Oberkörpers, die evtl. leises Knistern verursacht – dies ist das eindeutigste Symptom eines Risses in der Speiseröhre, es kommt aber nicht in allen Fällen vor.

Was sind Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einer Speiseröhrenruptur?

Prof. Meyer: "In erster Linie denken die Betroffenen einen Herzinfarkt zu erleiden, was immerhin auch dazu führt, dass so schnell wie möglich Rettungsdienst und Notarzt (Telefonnummer 112, gilt überall in Europa) gerufen werden. Ersthelfer können bei einem Riss in der Speiseröhre leider nicht viel mehr tun, als den Betroffenen in die stabile Seitenlage zu bringen und Bewusstsein, Puls und Atmung überprüfen. Wenn kein Puls feststellbar ist, sollten sie mit Herzdruckmassage beginnen. Im Krankenhaus muss dann sofort mit bildgebenden Maßnahmen und einer Endoskopie herausgefunden werden, ob und wo ein Riss in der Speiseröhre vorliegt.

Warum ist der Speiseröhrenriss so lebensgefährlich?

Prof. Meyer: "Er ist immer ein hochgefährlicher Notfall, denn er kann zu Entzündungen im gesamten Brustraum führen. Lunge und Herz haben direkten Kontakt zur Speiseröhre, bei einem Leck können sie und weitere Organe und Gewebe mit Keimen aus dem Speichel infiziert werden. Die Behandlung so einer Brustmittelraumentzündung ist sehr schwierig, weil man als Chirurg an die Bereiche nur schwer herankommt.

Oft müssen Brustkorb und / oder Bauch geöffnet werden, was einen risikoreichen Eingriff darstellt. Der Speiseröhrenriss an sich wird von innen mit Stents geschient. Leider enden auch in der modernen Medizin ein Riss in der Speiseröhre und folgende Entzündungen immer noch in vielen Fällen tödlich."

Wie Sie Ihren Verdauungsapparat gesund halten, erfahren Sie auch hier auf unserer großen Themenseite.

Unser Experte: Prof. Dr. Jens E. Meyer ist Chefarzt der Asklepios Klinik für HNO-Heilkunde in Hamburg St. Georg.

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