24.01.2020

Ignorieren Sie nie Symptome Achtung! Was sich wie Hämorrhoiden anfühlt, kann Analkrebs sein

Von

Krebs
Fr, 20.09.2019, 15.53 Uhr

Krebs

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Ärzte schlagen Alarm: Immer mehr Menschen bekommen Analkrebs! Das Analkarzinom ist eine Tumorart, von der viele noch nie in ihrem Leben gehört haben.

Entsprechend wenig ist über Ursachen und Symptome von Analkrebs bekannt. Denn alles, was mit der Anal-Region zu tun hat, ist peinlich, Tabu. Mit dem müssen Sie aber brechen, wenn Sie bestimmte Warnzeichen wahrnehmen um Ihre Gesundheit, ja vielleicht sogar Ihr Leben zu schützen.

Eine Langzeit-Studie von US-Forschern, die im "Journal of the National Cancer Institute" (Journal des Nationalen Krebsinstituts) veröffentlicht wurde, zeigt: Die Zahlen für Analkrebs-Neuerkrankungen stiegen über 15 Jahre in den USA konstant an, ebenso die Sterblichkeit bei Analkarzinomen. Die gute Nachricht dabei ist, dass Analkrebs immer noch eine relativ seltene Krebsart ist. Zwei bis fünf Prozent der Darmkrebs-Erkrankungen sind Analkarzinome, sie treffen durchschnittlich einen von 100.000 Menschen.

Analkrebs: Die Symptome, die Sie nie verdrängen sollten

Die schlechte Nachricht ist, dass die Ergebnisse der US-Studie auch auf Deutschland übertragbar sind. Denn der Haupt-Auslöser für Analkrebs ist eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV), die hierzulande nach Schätzungen rund 6 Millionen Frauen betrifft. Frauen haben nachweislich ein besonders hohes Risiko für Analkrebs, mögliche Symptome sollten sie deshalb besonders aufmerksam beobachten.

Es fällt den meisten Menschen nicht ganz leicht, von Problemen "da hinten" zu berichten, selbst ihrem Arzt. Die Beschwerden werden oft ignoriert oder per Eigen-Diagnose als Hämorrhoiden verharmlost. Diese sind ein natürlicher Bestandteil des Verdauungssystems, wir nehmen sie nur wahr, wenn sie anschwellen oder sich entzünden. Wenn es sich wirklich nur um ein Hämorrhoidalleiden handelt, kann es zunächst auch mit Hausmitteln behandelt werden. Verlassen Sie sich aber nicht darauf, dass die Po-Probleme wirklich nur von Hämorrhoiden kommen, gehen Sie mit Darm- und Enddarm-Problemen immer zum Arzt! Symptome von Analkrebs sind u.a.:

  • Blutungen aus dem After oder Rektum
  • Schmerzen in der After-Region
  • Wucherungen im Analkanal, die oft zum Gefühl der „unvollständigen Entleerung“ nach dem Stuhlgang führen
  • Jucken am After
  • Veränderte Darmbewegungen

Analkrebs betrifft das Rektum, genau genommen den Analkanal, der sich am unteren Ende vor dem After befindet.

Wenn Sie Symptome wahrnehmen, die auf Analkrebs hinweisen können, sollten Sie keinesfalls in Panik verfallen. Meist stecken harmlosere Ursachen dahinter oder Wucherungen können noch in der Krebsvorstufe beseitigt werden. Doch das kann nur ein Facharzt (Proktologe) richtig diagnostizieren und behandeln. Insgesamt ist Analkrebs gut behandelbar und hat hohe Heilungsquoten, natürlich umso mehr, je eher ein Analkarzinom entdeckt wird.

Woher kommt Analkrebs? Es gibt eine Haupt-Ursache

Der Analkanal kann von zwei verschiedenen Krebsarten betroffen werden, die danach unterschieden werden, wo das Tumor-Wachstum anfängt:

Plattenepithelkarzinome sind die häufigste Art von Analkrebs. Die Tumore entstehen in den Zellen, die die Oberfläche des Analkanals bedecken (sog. Epithel).

Adenokarzinome machen nur 3 – 9 Prozent der Analkrebs-Fälle aus. Sie entstehen aus den Zellen von Drüsen, die sich am Übergang zum After befinden.

Beide Arten von Analkrebs haben jedoch eines gemeinsam: HPV als wahrscheinlichen Auslöser, laut der Deutschen Krebsgesellschaft in rund 80 Prozent der Analkrebs-Fälle. Die HP-Viren werden vor allem durch Sex übertragen und verursachen oft keinerlei Symptome, so dass sie unbemerkt weitergegeben werden. Nur Genitalwarzen, etwa Feigwarzen, und Gebärmutterhalskrebs als Folge einer HPV-Infektion sind vielen bekannt, dass auch Analkrebs entstehen kann, hingegen nicht.

Zum Glück gibt es mittlerweile eine Impfung gegen besonders risikoreiche Typen von HP-Viren. Wissenschaftler haben die berechtigte Hoffnung, dass sich der Effekt in den kommenden Jahrzehnten stark abzeichnen wird, und die Neuerkrankungsraten von Gebärmutterhalskrebs, Analkrebs, Kehlkopfkrebs etc. zurück gehen werden. Allerdings wird das noch mehrere Generationen dauern.

Hintergrund: Wie HPV-Impfung und -Vorsorge funktionieren

Da man davon ausgehen kann, dass mittlerweile mehr als die Hälfte aller erwachsenen Männer und Frauen mit HP-Viren infiziert ist, macht eine massenhafte Impfung von Erwachsenen nach dem ersten Sex weniger Sinn. Denn die Impfung kann nichts ausrichten, wenn bereits eine Infektion vorliegt. Aber die Übertragung stoppen:

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Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die HPV-Impfung für alle Mädchen zwischen neun und 14 Jahren, am besten bevor sie das erste Mal Sex haben und sich dabei mit den Viren infizieren könnten. 2018 weitete die Stiko ihre Empfehlung aus und rät nun auch Jungen und jungen Männern zur HPV-Impfung – und zwar mit dem Impfstoff Gardasil 9.

Schon gewusst? Seit dem 1. Januar 2020 gehört für alle Frauen ab 35 auch ein Test auf HPV zur Vorsorge-Untersuchung beim Frauenarzt. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen alle drei Jahre die Kosten für den präventiven HPV-Test.

Die wichtigsten Fakten über Krebs in Deutschland

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Analkrebs: Diagnose und Behandlung durch Facharzt

Bei Problemen mit dem Po ist ein Proktologe der zuständige Experte. Diese Fachärzte sind auf Krankheiten des Enddarms spezialisierte Chirurgen oder Gastroenterologen. Durch verschiedene Untersuchungsmethoden können sie feststellen ob wirklich Analkrebs die Symptome verursacht oder was sonst dahintersteckt. Standard sind eine rektale Untersuchung, z.B. mit einem feinen Endoskop und die Entnahme einer Biopsie aus den auffälligen Gewebewucherungen.

Im Falle einer Krebserkrankung wird die Behandlung immer individuell an das Tumor-Stadium und den Gesundheitszustand des Patienten angepasst, das ist bei Analkrebs nicht anders. Operation, Bestrahlung und Chemotherapie sind dabei die gängigsten Methoden. Glücklicherweise bilden Analkarzinome seltener Metastasen als andere Krebsarten, so dass oft eine Bestrahlung und OP ausreichen. Bei der chirurgischen Entfernung von Tumoren achtet man darauf, die Darmfunktion so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Wenn der Analkrebs nicht den Schließmuskel betrifft, kann die normale Ausscheidungsfunktion meist erhalten werden.

Wenn sich der Analkrebs weiter ausgebreitet hat, entfernt der Chirurg Anus, Rektum und einen Teil des Darms. Dann wird ein künstlicher Ausgang (Kolostomie) konstruiert. Dabei wird das Ende des Dickdarms an die Bauchdecke gebracht und Außen mit einem Kolostomiebeutel verbunden, der dann die Ausscheidungen sammelt. Auch wenn das natürlich niemandes Wunschvorstellung ist, können Menschen mit Kolostomie ein weitgehend normales Leben führen, Sport machen und sexuell aktiv sein. Auf gar keinen Fall sollte diese "Horror-Vision" Sie davon abhalten, sich bei Anal-Beschwerden an einen Arzt zu wenden. Wie bei allen Krebs-Leiden gilt: Je eher, desto besser, so kann Analkrebs noch in der Vorstufe entfernt werden und Sie werden überhaupt nicht beeinträchtigt. Außerdem geht es sich ohne Jucken und Bluten am Po deutlich angenehmer durch’s Leben, auch wenn nur Hämorrhoiden die Übeltäter waren.

Hämorrhoiden werden oft durch Verstopfung begünstigt, die viele Frauen betrifft. Gegen eine träge Verdauung und die unangenehmen Folgen können Sie selbst mit Hausmitteln gegen Verstopfung viel tun. Und gegen Hämorrhoiden gibt es ebenfalls wirksame Hausmittel.

Die Langzeit-Studie finden Sie hier.

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