12.01.2020

Lebensgefahr durch Bakterien Wann wird aus Husten eine Lungenentzündung?

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Bei einer Lungenentzündung werden für die Diagnose normalerweise Röntgenaufnahmen gemacht, die unter anderem die Belüftung der Lunge zeigen.

Foto: iStock/Chinnapong

Bei einer Lungenentzündung werden für die Diagnose normalerweise Röntgenaufnahmen gemacht, die unter anderem die Belüftung der Lunge zeigen.

Wenn einen Erkältung und Husten erwischen, ist das zunächst vor allem nervig. Gefährlich wird es, wenn sich daraus eine Lungenentzündung entwickelt.

Sie kann man nicht aussitzen wie eine Erkältung, ohne ärztliche Hilfe kann sie sogar schnell lebensgefährlich werden. Jährlich erkranken in Deutschland rund 400.000 Menschen an einer Lungenentzündung (med. Pneumonie). Sie ist in Westeuropa die Infektionskrankheit, die die meisten Todesopfer fordert. Besonders ältere und immungeschwächte Menschen, Säuglinge und Kleinkinder sind gefährdet. Was tun? Lesen Sie hier, wie eine Lungenentzündung entsteht, welche Symptome sie zeigt und warum sie immer vom Arzt behandelt werden muss.

Lungenentzündung: Gefahr läuft, wer bei Erkältung nicht aufpasst

An Schnupfen und Husten kommt so gut wie niemand vorbei, vor allem während Herbst und Winter. Akute Atemwegsinfektionen bzw. grippale Infekte treffen Erwachsene etwa zwei bis fünf Mal im Jahr, Kinder sogar acht bis zehn Mal! Ursache sind fast immer Erkältungsviren. Da wir sie einatmen, verursachen sie zunächst Symptome an den oberen Atemwegen, wo sie auf die Schleimhaut treffen. Da kitzelt die Nase und es kratzt im Hals.

Wer Glück hat und gleich Maßnahmen gegen die Erkältung ergreift, kommt hoffentlich ohne "Etagenwechsel" davon. So nennen es Ärzte, wenn sich die Infektion von den oberen auf die unteren Atemwege ausbreitet.

Exkurs: So funktioniert die Lunge

Zu den Atemwegen gehören nicht nur Nase, Mund und Luftröhre, sondern auch die Lunge. Dieses System stellt sicher, dass wir stets mit lebensnotwendigem Sauerstoff versorgt sind. Über Nase und Mund fließt beim Einatmen die Luft in die Luftröhre. Sie teilt sich schließlich in zwei Abzweigungen – die Hauptbronchien, über die jeweils der linke und rechte Lungenflügel mit Sauerstoff versorgt werden. Bis ins Feinste verästeln sich die Bronchien in den Lungenflügeln weiter, an ihren Enden sitzen die winzigen Lungenbläschen. In ihnen findet der sog. "Gasaustausch" statt, also die Umwandlung von verbrauchtem Blut in sauerstoffhaltiges Blut – die Lebensgrundlage für den Körper.

Lungenentzündung: So entsteht die gefährliche Infektion

So ausgeklügelt das System der Sauerstoffversorgung auch ist, so sensibel reagiert die Lunge auf Störungen. Die Symptome einer Lungenentzündung machen sich daher deutlich bemerkbar. Allerdings entstehen sie häufig – mehr oder weniger schnell – aus einer Bronchitis. Den Übergang zur Lungenentzündung bemerkt man so nicht ganz einfach, wenn man sich sowieso schon tagelang elend fühlt. So entwickelt sich eine Lungenentzündung in den meisten Fällen:

  1. Erkältungsviren wandern von den oberen Atemwegen weiter in die Bronchien. Sie vermehren sich und lösen die Entzündung der bronchialen Schleimhaut aus.
  2. Die Bronchien-Schleimhaut schwillt an, es wird mehr und zäheres Sekret gebildet.
  3. Die Selbstreinigungsfunktion der Lunge wird gestört. Normalerweise werden Krankheitserreger, wie auf einem Fließband, durch die Bewegung sog. "Flimmerhärchen" abtransportiert. Sie sind auf der Oberfläche der bronchialen Schleimhaut. Die Entzündung stört sie in ihrer Bewegung und das zähe Sekret ist besonders schwer zu transportieren.
  4. Selbstreinigungsfunktion und Abwehrkräfte sind geschwächt – der Körper kann sich nicht mehr ausreichend gegen Krankheitserreger wie Bakterien wehren.
  5. Keime (in den meisten Fällen Bakterien wie Pneumokokken) vermehren sich in der Lunge und führen zu einer Entzündung und ggf. Vereiterung der Lungenbläschen und / oder des Lungengewebes.
  6. Die betroffenen Bereiche schwellen weiter an, meist lagert sich Wasser ein (für Ärzte ein gut zu erkennendes Symptom der Lungenentzündung).

Symptome der Lungenentzündung: Fieber, Schleim, Schmerzen

Eine Lungenentzündung zeigt Symptome oft als Fortsetzung bzw. Verschlimmerung eines grippalen Infekts. Typisch für eine "bakterielle Superinfektion" – also zusätzlich zur Infektion mit Viren eine mit Bakterien – sind Fieber und Schüttelfrost. Natürlich tritt Husten auf, zunächst trocken, dann mit Schleim. Dieser kann grün, gelb, braun oder rostfarben sein. Die Betroffenen fühlen sich sehr schwach uns sehen deutlich krank aus. Die Sauerstoffversorgung ist eingeschränkt.

Eine Lungenentzündung führt dazu, dass das Atmen sehr mühsam wird, auch Atemnot und Brustschmerzen sind nicht selten. Vor allem bei Kindern zeigt sich Atemnot durch das sog. "Nasenflügeln", also starke Bewegung der Nasenflügel synchron zur flachen und schnellen Atmung. Das ist gerade bei kleinen Kindern, die noch keine Auskunft geben können, ein wichtiges Warnzeichen für eine Lungenentzündung.

Laut der der Deutschen Lungenstiftung zeigen mehr als 80 Prozent aller Patienten mit Lungenentzündung mindestens eines der folgenden Anzeichen:

  • erhöhte Körpertemperatur (über 37,8 Grad Celsius)
  • erhöhter Puls (über 100 Schläge pro Minute)
  • knisterndes Geräusch beim Abhören der Lunge mit dem Stethoskop
  • verringerte Sauerstoffsättigung des Blutes (unter 95 Prozent)

Natürlich gibt es auch atypische Verläufe und Fälle, in denen nicht die Pneumokokken, sondern andere Erreger, wie Viren, Mykoplasmen oder Chlamydien die Lungenentzündung auslösen. Die Symptome entwickeln sich dann meistens langsamer, Kopf- und Gliederschmerzen stehen im Vordergrund und der Husten bleibt trocken.

Behandlung von Lungenentzündung: Antibiotikum ist Standard

Die Diagnose Lungenentzündung kann nur ein Arzt stellen und auch die Behandlung gehört in Experten-Hände. Mit Erkältung und Husten sollte man ohnehin immer zum Arzt, wenn sich der Zustand innerhalb einer Woche nicht verbessert oder gar verschlechtert. Auch wer Fieber bekommt, sich plötzlich sehr schwach fühlt und Probleme beim Atmen hat, sollte nicht zögern den Hausarzt aufzusuchen. Der kann den Verdacht auf Lungenentzündung diagnostizieren und ggf. an den Lungenfacharzt (Pneumologen) weiter verweisen. Durch verschiedene Untersuchungen – z.B. Abhören, Röntgen, Labor-Untersuchungen etc. – kann das Ausmaß der Erkrankung festgestellt werden.

Die Behandlung fußt in der Regel auf zwei Säulen, nichtmedikamentöse Maßnahmen, wie:

  • strikte Bettruhe
  • viel trinken, v.a. in Kombination mit Schleimlösern
  • Klopfmassage des Brustkorbs
  • Gabe von Sauerstoff
  • evtl. Beobachtung im Krankenhaus

und einer medikamentösen Therapie mit Antibiotika.

Da bei diagnostizierten Lungenentzündungen die Behandlung so schnell wie möglich beginnen sollte, bekommen die Patienten meistens ein Breitspektren-Antibiotikum. Auch wenn der genaue Erreger noch nicht bekannt ist, wirkt es gegen alle möglichen Keime.

Wenn die Lungenentzündung nicht durch Bakterien ausgelöst wurde, müssen andere Maßnahmen ergriffen werden. Eine Virus-Infektion kann man wenig beeinflussen, allerdings wird oft trotzdem ein Antibiotikum verschrieben, um einer bakteriellen Superinfektion vorzubeugen. Das wird von Medizinern durchaus auch kritisch gesehen, da übermäßige Antibiotika-Verwendung, auch bei Bronchitis, zu Resistenzen und somit multiresistenten Keimen führt. Umso wichtiger ist es, alle präventiven Möglichkeiten auszuschöpfen, um gesund zu bleiben.

Mehr über eventuelle Nebenwirkungen von Antibiotika und wie wahrscheinlich sie wirklich sind, erfahren Sie auch bei uns.

Lungenentzündung und Erkältung vorbeugen

Man kann sich zwar nicht gegen Lungenentzündung an sich impfen lassen, aber gegen die häufigsten Erreger, Pneumokokken. Weil die bakterielle Lungenentzündung für ältere Menschen besonders gefährlich ist und bei ihnen besonders oft tödlich endet, ist die Impfung für alle ab 60 empfohlen. Außerdem rät die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts mit besonderen Risiken (z.B. Immundefekte, chronische Krankheiten etc.) zur Pneumokokken-Schutzimpfung, die man nur einmalig im Leben bekommen muss. Davon abgesehen kann jeder früh mit Hausmitteln einer Erkältung entgegenwirken sowie seine Atemwege und sein Immunsystem gezielt stärken, etwa durch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und gesunde Ernährung, auch im Winter.

Hier gibt es einen Überblick zu allen wichtigen Impfungen für Kinder, Erwachsene und Senioren.

Weitere Infos zur Lungen-Gesundheit gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin sowie bei der Deutschen Lungenstiftung.

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