10.01.2020 - 15:06

Tödliche Hirnentzündung Borna-Virus: Wann die Spitzmaus-Krankheit für uns gefährlich werden kann

Das Borna-Virus befällt vor allem Spitzmäuse, die ihm als Wirt dienen. Ihnen kann es wenig anhaben. Anderen Nutztieren und dem Menschen schon. Zum Glück infizieren sich letztere äußerst selten.

Foto: imago images, iStock [M]

Das Borna-Virus befällt vor allem Spitzmäuse, die ihm als Wirt dienen. Ihnen kann es wenig anhaben. Anderen Nutztieren und dem Menschen schon. Zum Glück infizieren sich letztere äußerst selten.

Borna-Viren sind eigentlich vor allem bei Tieren bekannt. Der bekannteste Wirt und Überträger ist die Spitzmaus. Jetzt wurde bekannt: Auch wir Menschen können uns mit dem Virus infizieren – und das hat bereits zu vereinzelten Todesfällen geführt.

Eigentlich nutzt das Borna-Virus vor allem Spitzmäuse als Wirt, denen es in der Regel nur wenig anhaben kann. Dass es auch Nutztiere wie Schafe und Pferde befallen kann, war bekannt. Doch jetzt kam heraus, dass in den vergangenen Jahren auch Menschen an einer Infektion mit dem Borna-Virus gestorben sind. Der Ansteckungsweg ist schwierig und passiert selten – aber die Todesfälle zeigen, wer gefährdet sein könnte.

Das Borna-Virus: Forscher erlangen Klarheit über Todesursachen

Wissenschaftler vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und der Universität Regensburg haben sich in der Vergangenheit Gewebeproben von 56 an einer Gehirnentzündung erkrankten Patienten aus den Jahren 1999 bis 2018 angesehen. Die Krankheitsursache war bei der Hälfte dieser Patienten bis dahin unbekannt, neun Todesfälle gab es, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Publikation im Wissenschaftsmagazin "The Lancet". Bei sieben Patienten, die an den Folgen der Gehirnentzündung gestorben waren, ließ sich nun bei diesen Untersuchungen das Borna-Virus nachweisen, genauer bezeichnet als Borna Disease VIrus 1; BoDV-1. Hinzu kommen, unabhängig von der Studie, zwei weitere Infektionen mit dem Virus, die bestätigt werden konnten.

Auch aus den Jahren 2018 und 2019 waren fünf weitere Infektionsnachweise bekannt. Alle Fälle stammen aus Bayern.

Drei Menschen hatten sich über eine Organspende angesteckt, sie hatten Niere oder Leber eines Infizierten erhalten. Einer dieser Patienten hat die Erkrankung überlebt, aber schwere gesundheitliche Folgen davongetragen, wie die "Deutsche Presseagentur" berichtet.

Infizierte Tiere gibt es schon länger

In Deutschland ist das Virus wie erwähnt bereits bekannt – aber bei Tieren. Es wurde in Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und an den Grenzen der benachbarten Bundesländer nachgewiesen. Und auch in Österreich, der Schweiz und Liechtenstein sind Tierärzten regelmäßige Infektionen bei Tieren bekannt.

Bei der Spitzmaus, dem Hauptwirt des Virus, gibt es keine starken Symptome. Dennoch verbreiten die kleinen Tiere das Virus über Urin, Kot oder Speichel. Darüber können sich andere Tiere anstecken. Und in seltenen Fällen wohl auch Menschen. Anders als bei Spitzmäusen verläuft die Krankheit beim Menschen sowie bei Nutztieren oft tödlich.

Patienten hatten Kontakt mit Tieren

Im Bericht schreiben die Forscher, dass die meisten der am Ende 14 Todesopfer Kontakt mit Tieren hatten, etwa mit Katzen, die eine Spitzmaus gefangen haben könnten, Outdoor-Aktivitäten nachgegangen waren, in ländlichen Regionen lebten oder in der Landwirtschaft tätig waren.

Auch eine andere Form des Borna-Virus kommt vor allem bei Tieren vor und kann auf den Menschen übertragen werden: Das Variegated Squirrel Bornavirus 1 (VSBV-1) kommt normalerweise bei Bunthörnchen vor. Aber zwischen 2011 und 2013 waren drei Hobbyzüchter an den Folgen einer Gehirnentzündung gestorben – und das Virus ließ sich nachweisen.

Gefahr für den Menschen dennoch gering

Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am FLI, war bei der Forschungsarbeit dabei und beruhigt nun: "Das Risiko für den Einzelnen – auch in Bayern – ist sehr gering." Dennoch ruft er Ärzte dazu auf, in Borna-Gebieten besonders auf Patienten mit Symptomen einer Gehirnentzündung zu achten, wenn die Krankheitsursache unbekannt ist. Dann solle auf das Borna-Virus getestet werden. Ab März soll es laut Beer auch eine Meldepflicht für die Krankheit geben.

Die Symptome sehen in der Regel wie folgt aus:

  • 1. Stufe: Kopfschmerzen, Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
  • 2. Stufe: Verwirrtheit, Verhaltensauffälligkeiten und Sprach- sowie Gangstörungen als neurologische Symptome
  • 3. Stufe: Nach Tagen bis wenigen Wochen Koma und Tod.

Mit einer Gehirnentzündung, medizinisch Enzephalitis, ist nie zu spaßen, auch, wenn sie nicht durch das Borna-Virus ausgelöst worden ist. Es gibt auch andere Viren, die die Erkrankung auslösen. Die wiederum bringt viele Komplikationen mit sich und kann auch Folgeschäden bewirken. Oft ist ein Herpes-Virus der Auslöser, aber auch das West-Nil-Virus, das durch Mücken übertragen wird, kann die Infektion auslösen. Bei Masern kann die Gehirnentzündung noch nach Jahren auftreten, denn die Erkrankung schwächt das Immunsystem über Jahre – so haben es Folgeerkrankungen wie Bronchitis, Lungenentzündung und Mittelohrentzündung, aber eben auch Enzephalitis leichter.

Die Studie in der Fachzeitschrift "The Lancet" finden Sie hier.

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