06.12.2019

Ursachen und Hilfe Wie entsteht eigentlich Schluckauf?

Schluckauf nervt, kann auch auf Dauer belastend werden und Symptom für Schlimmeres sein. Aber woher kommt der Reflex überhaupt – und bringt er uns was?

Foto: iStock/SanneBerg

Schluckauf nervt, kann auch auf Dauer belastend werden und Symptom für Schlimmeres sein. Aber woher kommt der Reflex überhaupt – und bringt er uns was?

Bei Babys ist er irgendwie süß, uns nervt er, ist aber meist harmlos. Doch Schluckauf kann auch bleiben und ein Zeichen für ernsthafte Probleme sein. Wie der Reflex entsteht und was er uns verrät.

Meist kommt er ganz unvermittelt – und verschwindet auch nach ein paar Minuten meist wieder, hinterlässt höchstens Lacher bei den Menschen um uns herum. So mancher von uns leidet aber auch unter anhaltenden Hicksern. Wir gehen den Ursachen von Schluckauf auf den Grund und erklären, wann der Reflex ein Anzeichen für ernsthafte gesundheitliche Probleme sein kann.

Schluckauf-Ursachen: Wenn das Zwerchfell sich verkrampft

Tritt ein Schluckauf, medizinisch "Singultus", nur kurz, also akut auf und verschwindet dann wieder, ist er in der Regel harmlos. Er entsteht, wenn sich unser Zwerchfell, also der Muskel zwischen Brustkorb und Bauch, verkrampft. Reflexartig verschließt sich dann die Stimmritze zwischen den Stimmlippen. Aus der Lunge kann dann keine Luft mehr entweichen, es kommt aber von außen durch die Blockade auch keine durch. Dabei baut sich ein Druck auf, der sich dann mit einem Hicks entlädt.

Dass sich das Zwerchfell verkrampft, liegt an Nervenreizungen: wenn der Zwerchfellnerv, der "Nervus phrenicus" gereizt wird. Dieser sendet dann entsprechende Signale an Nerven im Gehirn – in unserem Hirnstamm sitzt nämlich das sogenannte Schluckaufzentrum. Verursacht werden die Reizungen der Nerven etwa durch hastiges Schlucken, kalte Getränke, aber auch durch Alkohol. Wir kennen ja alle die parodiehafte Darstellung Betrunkener mit mehr oder weniger ausgeprägtem "Hicksen". Auch Angst oder Depressionen können aber Auslöser sein. Ebenso leiden Schwangere öfter an Schluckauf, wenn der Embryo aufs Zwerchfell drückt.

Schluckauf: Wichtig für frühkindliche Entwicklung?

Warum genau unser Körper mit Schluckauf reagiert, was also seine Funktion ist, darüber sind sich Wissenschaftler noch nicht ganz einig. Die frühkindliche Entwicklung scheint dabei aber eine große Rolle zu spielen. Schon Embryos können ab der neunten Schwangerschaftswoche Schluckauf bekommen.

Es wird etwa vermutet, dass der Reflex eine Art Schutzfunktion bei Kleinkindern hat. Schließen sich die Stimmritze, können nämlich auch weder Flüssigkeiten noch Essen in die Lunge gelangen. Wenn wir Erwachsenen uns verschlucken, löst das einen Hustenreiz aus, bei Babys und Kleinkindern könnte der aber möglicherweise nicht ausreichen.

Daneben gibt es die andere Vermutung, dass der Schluckauf Babys dabei hilft, das Atemsystem zu entwickeln: Forscher haben bei Hirnstrommessungen an Neugeborenen entdeckt, dass beim Schluckauf sehr viele Signale ans Gehirn gesendet werden. Möglicherweise lernen Babys dadurch, ihre Atmung zu regulieren. Die vielen Signale geben dem frühkindlichen Gehirn die Möglichkeit, seine Zellen miteinander zu verknüpfen, neuronale Netzwerke aufzubauen, heißt es in der Studie von Londoner Wissenschaftlern.

Für Erwachsene wiederum scheint Schluckauf keinen Nutzen zu haben. Dafür kann er später aber Symptom für andere Erkrankungen sein.

Was hilft gegen Schluckauf?

Es gibt ja so einige kleine Tricks, die immer direkt kommuniziert werden, wenn jemand Schluckauf hat: Erschrecken oder Luft anhalten beispielsweise. Aber was davon hilft tatsächlich?

  • Die Luft anhalten: Das erhöht kurzzeitig die CO2-Konzentration im Blut, was tieferes Atmen auslöst.
  • Ein Glas Wasser trinken: Auch dabei wird die Luft angehalten.
  • Ein in Zitronensaft oder Essig getränktes Stück Zucker essen: Hier wird ebenso die Luft angehalten.
  • Die Zunge rausstrecken oder Richtung Gaumen rollen und mehrmals einatmen: So wird eine Bauchatmung veranlasst.
  • Erschrecken lassen: Klappt nur, wenn sich der Schluckauf-Patient tatsächlich erschreckt. Dann wird nämlich schlagartig Luft eingesogen, der Betroffene wird gleichzeitig aber auch abgelenkt. Das Zwerchfell entspannt sich.
  • "Denk an sieben Männer mit Glatze" – was wie ein blödsinniger Witz klingt, kann tatsächlich helfen, weil der Betroffene schlagartig anfangen könnte zu lachen. Und das hat denselben Effekt wie ein Schreck.

Vorbeugend hilft es, auf eine gleichmäßige und regelmäßige Atmung vor allem beim Trinken und Essen zu achten. Auch eine aufrechte, entspannte Sitzhaltung lässt dem Schluckauf wenig Chance.

Wann ärztliche Hilfe ratsam ist

Schluckauf kann aber auch chronisch werden. Dieser kann durch Krankheiten verursacht werden. Manchmal findet sich aber auch keine feststellbare Ursache. Dann ist vom idiopathischen Schluckauf die Rede. In letztem Fall können Atemtraining, Entspannungstechniken oder auch eine Verhaltenstherapie möglicherweise helfen.

Schluckauf kann aber auch ein Symptom verschiedener Krankheiten sein, etwa Beschwerden im Verdauungs-Bereich wie Magen-Darm-Entzündungen oder Magenschleimhautentzündungen sowie Entzündungen der umliegenden Bereiche (Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre, Rachen, Kehlkopf, Rippenfell). Die Refluxkrankheit (chronisches Sodbrennen), ein Zwerchfellbruch oder andere Verletzungen des Zwerchfells sowie ein Magengeschwür zählen auch zu möglichen Ursachen. Und auch Hirnhautentzündung oder Gehirnentzündung sowie Multiple Sklerose oder Tumore können Auslöser sein. Nebst einer Herzbeutelentzündung kann Schluckauf aber auch etwa auf einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall hinweisen.

Ganz wichtig: Treten neben dem Schluckauf noch Symptome wie starke Kopfschmerzen, Seh- und Sprachstörungen sowie Lähmungserscheinungen und Übelkeit sowie Schwindel auf, sollten Sie direkt den Notarzt kontaktieren. Diese Anzeichen können auf einen Schlaganfall hindeuten – und hier zählt jede Minute. Ist ein Herzinfarkt der Auslöser, kommt der Schluckauf in der Regel mit weiteren Herzinfarkt-Symptomen daher. Aber Vorsicht: Die fallen bei Frauen anders aus als bei Männern.

Aber auch, wenn es beim Schluckauf als einzigem Symptom bleibt, kann ärztlicher Rat wichtig sein, etwa wenn er länger als 48 Stunden anhält oder auch, wenn er regelmäßig auftritt. Meist werden dann körperliche Ursachen für den Reflex gefunden, die anschließend behandelt werden können.

Dass dem Schluckauf so viele verschiedene Erkrankungen zugrunde liegen können, rührt von der Länge des Zwerchfell-Nervs. Der Nervus phrenicus verläuft vom Hirn bis zum Zwerchfell – und damit an vielen Organen entlang. Nimmt er irgendwo Schaden, entsteht schnell chronischer Schluckauf.

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