Aktualisiert: 29.10.2020 - 09:58

Gefahr für Blutvergiftung Candida auris: Multiresistenter Keim breitet sich dank Corona aus

Candida auris gehört zu den Hefepilzen und wurde erstmals 2009 nachgewiesen. Ein gut funktionierendes Mittel dagegen gibt es jedoch nicht.

Foto: iStock/Dr_Microbe

Candida auris gehört zu den Hefepilzen und wurde erstmals 2009 nachgewiesen. Ein gut funktionierendes Mittel dagegen gibt es jedoch nicht.

Der recht neue Hefepilz Candida auris hat schon viele Todesfälle verursacht. Jetzt schießen die Zahlen der Infektionen vor allem in den USA nach oben. Aber warum ist der Pilz so gefährlich?

Hefepilze sind auf und teilweise in unserem Körper zuhauf vorhanden. Candida-Pilze können bei 3/4 aller Menschen nachgewiesen werden. Candida albicans etwa macht uns das Leben selten viel schwerer, solange seine Zahl in Grenzen bleibt und unser Immunsystem stark ist. Doch eine andere Art Hefepilz kann ganz schön gefährlich werden. Und der verbreitet sich seit wenigen Jahren – und liefert jetzt erschreckende Zahlen.

Das Problem an Candida auris, wie der Hefepilz heißt, ist seine Resistenz gegenüber Medikamenten. Gelangt der Pilz in den Blutkreislauf, kann die Infektion lebensgefährlich werden. Das stellt ihn auf eine Ebene mit den gefürchteten Krankenhauskeimen. Genau dort, nämlich im Krankenhaus, ist es auch, wo sich Patienten mit dem Pilz anstecken – und in vielen Fällen daran sterben.

Panik können wir alle jetzt selbstverständlich nicht gebrauchen. Doch dieser Hefepilz, der zu den Multiresistenten Keimen (MRSA) gehört, die auch als "Superbugs" bezeichnet werden, ist die Berichterstattung wert. Denn offenbar breitet er sich derzeit im Schatten des Coronavirus noch stärker aus als in den wenigen Jahren, wie jetzt bekannt ist: Um 400 Prozent haben sich die Fälle in den USA im Jahr 2020 gegenüber 2018 gesteigert, berichtet "National Geographic".

Candida auris: Infektion kann zu Blutvergiftung führen

Zuerst erlangte Candida auris Aufmerksamkeit durch eine Meldung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC). 13 Fälle seien damals in den USA registriert worden, vier Patienten gestorben. Die genaue Todesursache dabei allerdings: unklar.

Nachgewiesen wurde der Pilz in Japan vor rund zehn Jahren erstmals. Im Jahr 2009 erkrankte ein japanischer Patient an einer Otomykose, einer Pilzerkrankung des äußeren Gehörgangs. Weltweit sind laut onmeda.de einige hundert Menschen an einer Infektion mit Candida auris gestorben. Er gilt als "ernste globale Gesundheitsbedrohung". Seit 2013 seien demnach in Europa über 600 Fälle einer Infektion bekannt geworden, in Deutschland bisher glücklicherweise aber wenige.

Dass der Pilz eine Gefahr werden kann, da sind sich auch deutsche Forscher einig, denn er kann schnell eine Blutvergiftung auslösen. Jedoch warnten sie vor unnötiger Panikmache. Jetzt rückt der Pilz aber wieder in den Fokus.

Ärzte warnen: Erhöhte Aufmerksamkeit, aber keine Panikmache

"Candida auris ist eine neue Pilzart, die vor wenigen Jahren zum ersten Mal in Japan beschrieben wurde", erklärt dazu Professor Oliver Kurzai, Leiter des Nationalen Referenzzentrums für invasive Pilzinfektionen in Jena und Leiter des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie an der Universität Würzburg. Er ist Mitautor einer Stellungnahme, in der erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Candida auris empfohlen wird.

Im Gegensatz zu allen bisher bekannten Arten werde der Pilz häufig von Patient zu Patient übertragen und könne somit Ausbrüche in Krankenhäusern verursachen, beschreibt der Mediziner. Das mache ihn so gefährlich. Viele Pilzstämme seien gleichzeitig gegen mindestens eines der typischen Anti-Pilz-Medikamente resistent.

Für einen gesunden Menschen stelle Candida auris allerdings keine Bedrohung dar, erklärt Prof. Kurzai. Probleme könne es aber eben bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem geben.

Höhere Gefahr durch Coronavirus-Infektion

Und genau hier ist der Knackpunkt, der die Fälle derzeit nach oben schnellen lässt: das Coronavirus Sars-CoV-2. Laut "National Geographic" wird angenommen, dass Tausende Menschen, vorrangig in den USA, nicht (nur) Covid-19 zum Opfer gefallen sind, sondern Candida auris der Todesauslöser war. In mindestens 40 Ländern wurden demnach in den vergangenen Jahren Infektionen festgestellt, angeblich sterben laut Bericht 30 bis 60 Prozent der damit infizierten Menschen.

In den USA gibt es dem Artikel zufolge im Jahr 2020 bisher 1272 Infektionen mit dem "Superbug". Das könnte daran liegen, dass mehr Menschen aufgrund einer Coronavirus-Infektion hospitalisiert werden – die gleichzeitig aber auch den Körper schwächt und ihn damit anfälliger für multiresistente Keime macht.

Wie sieht es in Deutschland aus? Direkt mit Covid-19 verknüpft sind bisher keine C.auris-Todesfälle bekannt. Doch das Robert-Koch-Intitut (RKI) hat eine Statistik darüber, wie viele Patienten in deutschen Krankenhäusern an einer Sepsis nach Wundinfektion sterben – 7.500 bis 15.000 jährlich. Die Sepsis nach Wundinfektion ist damit dritthäufigste Todesursache. Geschätzt werden für Deutschland jährlich etwa 225.000 postoperative Wundinfektionen. Wie gesagt, einen Zusammenhang mit Covid-19 gibt es hierzulande noch nicht – doch dieser multiresistente Keim muss beobachtet werden, insbesondere, da er bei geschwächtem Immunsystem leichtes Spiel hat.

Tödliche Gefahr für geschwächtes Immunsystem

Der Pilz besiedelt vor allem Ohren und Atemwege, kann aber über Körperöffnungen wie erwähnt auch ins Blut gelangen, wo er eine tödliche Sepsis auslösen kann. Da es bisher kein Antimykotikum dagegen gibt, können Infektionen schnell tödlich enden. Vor allem frisch operierte Menschen, Menschen mit schwachem Immunsystem, Diabetiker sowie auch Säuglinge, allen voran Frühgeburten sind hier gefährdet.

Candida auris ist nur ein Beispiel: Multiresistente Keime so wie der gefürchtete Krankenhauskeim und auch Pilze stellen immer mehr ein Problem für Mediziner dar. Wenn es keine Mittel gibt, die anschlagen, lassen sich die Infektionen schlecht behandeln. Gründe dafür können unter anderem der übermäßige Gebrauch von Desinfektionsmittel – im Jahr 2020 ein gefragtes Gut – sowie das zu häufige Verschreiben von Antibiotika im Falle von multiresistenten Bakterien sein.

Candida albicans hingegen ist wie gesagt zwar auch oft für Probleme verantwortlich. Wenn der Darm betroffen ist, lässt sich der aber glücklicherweise etwa mit der Candida-Diät wieder auf Vordermann bringen. Ärztlichen Rat sollten Sie vorher dennoch einholen, manchmal ist eine medikamentöse Behandlung unerlässlich.

Hier lesen Sie die Stellungnahme des Nationalen Referenzzentrums für Invasive Pilzinfektionen.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Marke der FUNKE Mediengruppe