28.11.2019

Gefahr für Blutvergiftung Candida auris: Was macht diesen Pilz so tödlich?

Candida auris gehört zu den Hefepilzen und wurde erstmals 2009 nachgewiesen. Ein gut funktionierendes Mittel dagegen gibt es jedoch nicht.

Foto: iStock/Dr_Microbe

Candida auris gehört zu den Hefepilzen und wurde erstmals 2009 nachgewiesen. Ein gut funktionierendes Mittel dagegen gibt es jedoch nicht.

Der recht neue Hefepilz Candida auris hat schon viele Todesfälle verursacht. Aber warum ist der Pilz so gefährlich und warum sollten wir jetzt trotzdem nicht in Panik verfallen?

Hefepilze sind auf und teilweise in unserem Körper zuhauf vorhanden. Candida-Pilze können bei 3/4 aller Menschen nachgewiesen werden. Candida albicans etwa macht uns das Leben selten viel schwerer, solange seine Zahl in Grenzen bleibt und unser Immunsystem stark ist. Doch eine andere Art Hefepilz kann ganz schön gefährlich werden.

Das Problem an Candida auris, wie der Hefepilz heißt, ist seine Resistenz gegenüber Medikamenten. Gelangt der Pilz in den Blutkreislauf, kann die Infektion lebensgefährlich werden. Das stellt ihn auf eine Ebene mit den gefürchteten Krankenhauskeimen – und genau dort war es auch, wo sich Patienten mit dem Pilz angesteckt hatten und an der Infektion gestorben sind.

Viele Meldungen folgten, fast kam Panik auf. Doch wie gefährlich ist dieser Pilz wirklich – und wo lauert er überhaupt?

Candida auris: Infektion kann zu Blutvergiftung führen

Zuerst erlangte Candida auris Aufmerksamkeit durch eine Meldung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC). 13 Fälle seien damals in den USA registriert worden, vier Patienten gestorben. Die genaue Todesursache dabei allerdings: unklar.

Nachgewiesen wurde der Pilz in Japan vor rund zehn Jahren erstmals. Im Jahr 2009 erkrankte ein japanischer Patient an einer Otomykose, einer Pilzerkrankung des äußeren Gehörgangs. Weltweit sind laut onmeda.de einige hundert Menschen an einer Infektion mit Candida auris gestorben. Er gilt als "ernste globale Gesundheitsbedrohung". Seit 2013 seien demnach in Europa über 600 Fälle einer Infektion bekannt geworden, in Deutschland bisher glücklicherweise aber wenige.

Dass der Pilz eine Gefahr werden kann, da sind sich auch deutsche Forscher einig, denn er kann schnell eine Blutvergiftung auslösen. Jedoch warnen sie vor unnötiger Panikmache.

Ärzte warnen: Erhöhte Aufmerksamkeit, aber keine Panikmache

"Candida auris ist eine neue Pilzart, die vor wenigen Jahren zum ersten Mal in Japan beschrieben wurde", erklärt dazu Professor Oliver Kurzai, Leiter des Nationalen Referenzzentrums für invasive Pilzinfektionen in Jena und Leiter des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie an der Universität Würzburg. Er ist Mitautor einer Stellungnahme, in der erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Candida auris empfohlen wird. Die deutschen und österreichischen Experten warnen jedoch auch vor unnötiger Panikmache.

Im Gegensatz zu allen bisher bekannten Arten werde der Pilz häufig von Patient zu Patient übertragen und könne somit Ausbrüche in Krankenhäusern verursachen, beschreibt der Mediziner. Das mache ihn so gefährlich. Viele Pilzstämme seien gleichzeitig gegen mindestens eines der typischen Anti-Pilz-Medikamente resistent.

Für einen gesunden Menschen stelle Candida auris allerdings keine Bedrohung dar, erklärt Prof. Kurzai. Probleme könne es aber eben bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem geben.

Tödliche Gefahr für geschwächtes Immunsystem

Der Pilz besiedelt vor allem Ohren und Atemwege, kann aber wie erwähnt auch ins Blut gelangen, wo er eine tödliche Sepsis auslösen kann. Da es bisher kein Antimykotikum dagegen gibt, können Infektionen schnell tödlich enden. Vor allem frisch operierte Menschen, Menschen mit schwachem Immunsystem, Diabetiker sowie auch Säuglinge, allen voran Frühgeburten sind hier gefährdet.

Candida auris ist nur ein Beispiel: Multiresistente Keime so wie der gefürchtete Krankenhauskeim und auch Pilze stellen immer mehr ein Problem für Mediziner dar. Wenn es keine Mittel gibt, die anschlagen, lassen sich die Infektionen schlecht behandeln. Gründe dafür können unter anderem der übermäßige Gebrauch von Desinfektionsmittel sowie das zu häufige Verschreiben von Antibiotika im Falle von multiresistenten Keimen sein.

Candida albicans hingegen ist wie gesagt zwar auch oft für Probleme verantwortlich. Wenn der Darm betroffen ist, lässt sich der aber glücklicherweise etwa mit der Candida-Diät wieder auf Vordermann bringen. Ärztlichen Rat sollten Sie vorher dennoch einholen, manchmal ist eine medikamentöse Behandlung unerlässlich.

Hier lesen Sie die Stellungnahme des Nationalen Referenzzentrums für Invasive Pilzinfektionen.

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