28.11.2019

Abkochen notwendig? Nasendusche richtig anwenden: So geht's!

5 Tipps zum Schutz vor Infektionen
Mi, 17.01.2018, 12.02 Uhr

5 Tipps zum Schutz vor Infektionen

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Die Nasendusche ist eigentlich ein gutes Mittel, um verstopfte Riecher wieder in Gang zu bekommen. Doch nach Horrormeldungen über fehlerhafte Anwendung fragen sich viele: Wie funktioniert das eigentlich richtig?

Die Vorteile, die Nase richtig durchzuspülen statt das Sekret durchs Schneuzen nur weiter in die Nebenhöhlen zu drücken, liegen auf der Hand: Es kann viel besser ab- und aus der Nase herausfließen und die Schleimhäute werden auch noch gut befeuchtet, so dass sie nicht so anfällig gegenüber Krankheitserregern sind. Doch die richtige Anwendung einer Nasendusche ist wichtig.

Denn auch, wenn solche Fälle wie der einer US-Amerikanerin selten vorkommen, man kann die Gefahr gänzlich ausmerzen, indem man einige Sicherheitshinweise beachtet. Aber was war geschehen?

Nasendusche: Richtige Anwendung ist wichtig – aus diesem Grund

Es ist einer von wenigen Fällen, die aber durchaus vorkommen können – auch hier: Eine US-Amerikanerin ist nach chronischer Sinusitis und nach einem schweren Anfall mit Gedächtnisverlust ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Ärzte entdeckten nach einer Untersuchung via Computertomographie eine Läsion im Hinterkopf. Mit dem Verdacht auf einen Hirntumor sollte sie schnell operiert werden – doch dabei entdeckten die Ärzte keinen Tumor, sondern nur noch eine blutige Masse: Ihr Gehirn hatte sich in diesem Teil einfach verflüssigt. Gefunden wurden dort Amöben der Art Balamuthia mandrillari, die dort das Gewebe zerfressen und zerstört hatten. Die Frau starb einen Monat nach der Operation.

Amöben sind Einzeller, die in Böden und in Süßwasser vorkommen. Normalerweise ist die Art, die bei der Frau entdeckt wurde, kein Problem für den Menschen. Wer etwa Wasser mit diesen Amöben trinkt, bekommt davon oft gar nichts mit, da die Magensäure die Wechseltierchen schnell abtötet. Dass die Amöben ins Hirn gelangen, passiert dagegen sehr selten, beschreiben Keenan Piper et al. in ihrer Fallstudie. Medizinern zufolge sind weltweit nur rund 200 Fälle bekannt. Ein Grund dafür können Nasenduschen mit verseuchtem Wasser sein. Im Falle der US-Amerikanerin war darauf zu schließen, da ihr aufgrund der chronischen Sinusitis dazu geraten worden war. Ihr Fehler: Sie hatte einfach Leitungswasser genommen und es mit Salz versetzt. Und in diesem Leitungswasser scheinen sich zu einem Zeitpunkt Amöben getummelt zu haben.

Da die Nase stellenweise direkt mit dem Gehirn verbunden ist, konnten die Amöben im Leitungswasser so das Gehirn der Frau erreichen und dort ihr Unwesen treiben. Ähnlich kann das auch bei Infektionen mit der sogenannten "Schwimmbad-Amöbe" Naegleria fowleri passieren. Diese Art kann vor allem bei Kindern und Jugendlichen die Primäre Amöben-Meningoenzephalitis (PAME) auslösen, die das Gehirn auflösen kann, da die Amöben auch hier die Nervenzellen angreifen. Die Infektion kommt aber äußerst selten vor.

Wasser also abkochen, bestrahlen oder filtern?

Hierzulande sind Amöben im Trinkwasser selten, können aber unter Umständen vorkommen. Ein Fall wie der oben genannte ist aus Deutschland nicht bekannt. Aber auch andere Keime können sich im Leitungswasser tummeln. Allerdings ist das Leitungswasser in Deutschland das wohl bestkontrollierteste Lebensmittel. Vor allem aber Frischoperierte oder Menschen mit einem schwachen Immunsystem sowie etwa Mukoviszidose-Patienten sollten das für die Nasendusche vorgesehene Wasser lieber reinigen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte daher entweder steriles Wasser oder Nasenduschen-Lösung in der Apotheke kaufen oder das Leitungswasser drei bis fünf Minuten lang abkochen und dann auf mindestens unter 50 Grad Celsius abkühlen lassen (am besten aber so lange bis es handwarm ist). So empfiehlt es das Robert-Koch-Institut (RKI). Auch eine Behandlung mit UV-Licht ist wirksam. Kohlefilter hingegen reinigen das Leitungswasser nicht ausreichend von Keimen, wenn die Porengröße über 1 µm liegt.

Nasendusche richtig anwenden: So geht's!

Haben Sie sich also entschieden, welches Wasser Sie nehmen möchten? Dann gehen Sie wie folgt vor:

  1. Waschen Sie Ihre Nasendusche vor und nach jedem Gebrauch immer gründlich unter fließendem Wasser aus und lassen Sie sie zwischen den Einsätzen immer gut kopfüber trocknen. Hin und wieder empfiehlt sich eine gründliche Reinigung, etwa durch Auskochen.
  2. Nutzen Sie entweder portioniertes Salz für Nasenduschen aus der Apotheke oder normales, reines Kochsalz, das aber weder Jod, noch Fluorid oder Trennmittel und Rieselhilfen enthält.
  3. Achten Sie auf die korrekte Zusammensetzung der Spüllösung. Die liegt bei 0,9 g Kochsalz pro 100 ml oder 4,5 g pro 500 ml. Manche Nasenduschen besitzen Trennstriche für die richtige Lösungszusammensetzung oder liefern einen Messlöffel mit.
  4. Stellen Sie die Lösung immer frisch her.
  5. Gießen Sie immer mit einem sanften Fluss. Öffnen Sie dabei den Mund und halten Sie den Kopf dabei am besten etwas schräg. Die Lösung sollte in den Mund, nicht direkt in den Rachen laufen. Spucken Sie sie dann am besten aus.
  6. Ist ein Nasenloch zu verstopft und lässt die Lösung nicht durch, versuchen Sie es erst mit dem anderen Nasenloch oder drücken Sie ganz vorsichtig auf die Wand der Nasendusche. Sollte nichts durchgelangen, brechen Sie die Behandlung erst einmal ab und versuchen es später noch einmal mit frisch angesetzter Salzlösung.

Bei Schnupfen und gerade bei einer Nasennebenhöhlenentzündung kann eine richtig angewendete Nasendusche die Beschwerden lindern und Ihnen helfen, wieder frei durchzuatmen. Und das ohne die belastenden Nebenwirkungen von Nasenspray.

Eine Nasendusche wirkt übrigens auch vorbeugend gegen Erkältung. Unterstützend helfen dann noch unsere 10 besten Hausmittel gegen Schnupfen . Bei einer bereits eingefangenenErkältung können Hausmittel gegen die Symptome helfen. Aber wussten Sie, dass die Zitrone dann nichts mehr bringt? Bei manchen Symptomen einer Erkältung sollten Sie aber zum Arzt gehen. Bei Erkältung oder Allergie: So bekämpfen Sie die wunde Nase

Die Fallstudie zum Fall der mit Amöben infizierten US-Amerikanerin gibt es hier in englischer Sprache.

Das epidemiologische Bulletin des RKI lesen Sie hier.

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