22.11.2019

Gadolinium in der Kritik Ist das Kontrastmittel fürs MRT gesundheitsschädlich?

Bei bildgebenden Untersuchungsmethoden, wie das MRT eine ist, muss manchmal ein Kontrastmittel gespritzt werden. Ist das schädlich?

Foto: iStock/johnkellerman

Bei bildgebenden Untersuchungsmethoden, wie das MRT eine ist, muss manchmal ein Kontrastmittel gespritzt werden. Ist das schädlich?

Für Untersuchungen im MRT muss manchmal ein Kontrastmittel gespritzt werden, damit die behandelnden Ärzte später alles auf den Schnittbildern erkennen können. Doch die eingesetzten Mittel rufen schnell Fragen und Bedenken bei Patienten hervor – und stehen auch in der Kritik.

Es muss nicht immer ein Kontrastmittel bei MRT-Untersuchungen genutzt werden, oft geht es auch ohne. Doch die Schnittbilder von manchem Körpergewebe sind ohne das färbende Mittel nicht ausreichend aussagekräftig – etwa bei Untersuchungen der Leber, der Bauchspeicheldrüse oder der Milz sowie beim Überprüfen von Tumoren oder Metastasen. Viele Patienten fragen sich aber, ob Kontrastmittel beim MRT schädlich ist.

Schädliches Kontrastmittel: Wie wirken Gadolinium und Co?

Die Magnetresonanztomographie, kurz MRT, oder auch Kernspintomographie ist ein bildgebendes Diagnoseverfahren aus der Radiologie. Statt Röntgenstrahlen oder radioaktiver Strahlung werden hier Radiowellen und ein Magnetfeld eingesetzt, um Schichtaufnahmen verschiedenster Körperpartien zu erhalten. Neben Muskeln und Gelenken können auch fast alle Organe dargestellt werden, und auch Blutgefäße lassen sich sichtbar machen.

Eigentlich ist das Verfahren an sich nahezu risikofrei, da keine Strahlen verwendet werden. Nur wenn ein Kontrastmittel eingesetzt werden muss, kann es bei manchen Personen zu Problemen kommen.

In der Regel wird dies mit Risikopatienten im Vorfeld abgesprochen. Doch die Unsicherheit seitens Patienten ist trotzdem oft groß. Schließlich nimmt man einen Stoff zu sich, der so eigentlich im Körper nicht vorhanden ist und der auch noch Körperregionen innerlich einfärbt.

Während in der Computertomographie (CT), in der Regel ein Jod-haltiges Kontrastmittel gegeben wird, auf das Patienten mit Jodallergie oder Schilddrüsenüberfunktion sowie schlechten Nierenwerten verzichten sollten, wird für das MRT meist ein Mittel mit dem Schwermetall Gadolinium verwendet. Diese Substanzen werden seit rund 30 Jahren verwendet. Daneben können auch vereinzelt Eisenoxide und Manganverbindungen zum Einsatz kommen. Alle haben nur eine gewollte Wirkung: Sie sollen die zu untersuchenden Körperregionen einfärben, damit Unterschiede auf den MRT-Ergebnissen besser erkennbar sind.

  • Gadolinium darf nur über eine Vene in den Körper eingespritzt werden. Gadoliniumhaltige Mittel können neben Organstrukturen auch Gewebeveränderungen oder Knochenveränderungen sowie sogar versteckte Entzündungsherde sichtbar machen (etwa bei Multipler Sklerose).
  • Eisenoxidhaltige Mittel und Manganverbindungen können getrunken werden. Daher werden diese Kontrastmittel auch vor allem bei Untersuchungen des Magen-Darm-Traktes eingesetzt.

Nebenwirkungen von Kontrastmitteln

Es kann vorkommen, dass ein Kontrastmittel nicht gut vertragen wird und Nebenwirkungen hervorruft. Vor einem MRT wird der Patient daher immer auf seine Nierenfunktion überprüft – denn wer unter einer Nierenfunktionsstörung leidet, kann das Kontrastmittel später schlechter ausscheiden.

Bei gesunden Patienten können MRT-Kontrastmittel zudem leichte Nebenwirkungen verursachen:

  • Kopfschmerz und Schwindel
  • Wärmegefühl oder Kältegefühl
  • Kribbeln im Körper bis hin zu Muskelschmerzen
  • allgemeines Unwohlsein
  • Reizungen der Haut, Hautveränderungen
  • Nierenprobleme
  • in manchen Fällen allergische Reaktionen

Kontrastmittel mit Gadolinium allerdings können eine Bindegewebserkrankung hervorrufen: die systemische nephrogene Fibrose. Dabei kommt es zu einer Vermehrung des Bindegewebes in Haut, Muskeln und inneren Organen, die irreversibel ist und zu Behinderungen bis hin zum Tod führen kann.

"Problemfall" Gadolinium: Darum steht es in der Kritik

Gadolinium wird genutzt, weil es paramagnetisch ist – dadurch verstärkt es bei dem mit Magnetismus arbeitendem MRT den Kontrast. Bei Gadolinium handelt es sich um ein Schwermetall, das ähnlich giftig ist wie Blei und Quecksilber – in reiner Form also toxisch. Allein dieser Gedanke ruft bei vielen Unwohlsein hervor. Allerdings liegt es im Kontrastmittel chemisch gebunden vor. Aus diesen sogenannten Chelaten kann das Element selbst eigentlich nicht herausgelangen. Man war sich auch lange Zeit sicher, dass das in diesen Bindungen vorliegende Gadolinium als Kontrastmittel nach wenigen Stunden bereits wieder unverändert über die Nieren aus dem Körper ausgeschieden wird. Jedoch wurde vor einigen Jahren entdeckt, dass es noch bis zu 18 Monate nach Verabreichen in Haut, Bindegewebe, Knochen und sogar im Gehirn nachgewiesen werden konnte.

Besonders konnte dies nach der Gabe von linearen Kontrastmitteln mit Gadolinium nachgewiesen werden, weshalb diese seit 2018 in Deutschland nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte damals ein Verbot für die Kontrastmittel Gadobensäure, Gadodiamid, Gadopentetat und Gadoversetamid ausgesprochen, wie aerzteblatt.de anhand einer Pressemitteilung der EMA berichtete.

In makrozyklischen Kontrastmitteln hingegen soll der Stoff besser gebunden sein, sie sind daher weiter erlaubt. Jedoch konnten auch hier Rückstände im Gehirn nachgewiesen werden – allerdings weit seltener und in geringerem Maße als bei den mittlerweile verbotenen linearen Mitteln.

Kontrastmittel: Immer nur so viel wie nötig

Bei gesunden Menschen, die nur einmalig oder im Abstand mehrerer Jahre unter Gabe eines gadoliniumhaltigen Kontrastmittels untersucht werden, sind keine Gesundheitsschäden bekannt. Kritisch wird es Experten zufolge jedoch, wenn etwa an Krebs erkrankte Menschen oder Patienten mit Multipler Sklerose in kurzer Zeit mehrmals Kontrastmittel gespritzt bekommen. Kritisiert wird, dass solche Fälle nicht ausreichend untersucht worden seien, bevor man die Kontrastmittel zugelassen habe.

Laut Leitlinien der Fachgesellschaften ist eine Gabe von Kontrastmitteln nur dann gerechtfertigt, wenn es ohne nicht geht und die aussagekräftige Bildgebung dadurch nicht gewährleistet ist. Das bestätigt auch Prof. Dr. Olav Jansen, Direktor der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie am UKSH Campus Kiel gegenüber dem NDR: Man gebe das Kontrastmittel beim MRT nur dann, wenn seltene Erkrankungen gesucht werden oder eben bei Tumorpatienten, bei denen die weitere Behandlung von der genauen Diagnose abhängt. Bei Knie- oder Rückenuntersuchungen werde dagegen in der Regel kein Kontrastmittel benötigt. Laut Prof. Dr. Jansen ist das Kontrastmittel "ein Arzneimittel, und wenn wir das einsetzen, dann muss es auch seine Berechtigung haben."

Wie erwähnt gibt es bei der Gabe Einschränkungen bei Nierenpatienten, die etwa unter Niereninsuffizienz leiden. Und auch bei Kindern, vor allem Kleinkindern, müsse vorher überlegt werden, ob die Kontrastmittelgabe einen Vorteil habe oder ob es bessere Alternativen gibt.

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