18.11.2019

Gefahr für Herz und Kreislauf Trotz hoher Nebenwirkungen: Diclofenac wird zu häufig genommen

Der Wirkstoff Diclofenac ist als Schmerzmittel beliebt – und rezeptfrei erhältlich. Dabei sind die Nebenwirkungen hoch.

Foto: imago images / Schöning

Der Wirkstoff Diclofenac ist als Schmerzmittel beliebt – und rezeptfrei erhältlich. Dabei sind die Nebenwirkungen hoch.

Es ist ein beliebtes Schmerzmittel, das in vielen Medikamenten steckt und sogar rezeptfrei erhältlich ist. Und auch wird es noch immer oft verschrieben. Dabei steht Diclofenac seit Jahren in der Kritik. Eine aktuelle Studie bestätigt die Bedenken erneut.

Vor Jahren gab es bereits eine offizielle Warnung, geschehen ist seither nichts. Das Schmerzmittel Diclofenac ist rezeptfrei in deutschen Apotheken erhältlich und wird oft von Ärzten empfohlen. Dabei kann es für einige Personen wohl sehr gefährlich werden, wie eine neue Studie aus Dänemark zeigt. Diclofenac kann das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle drastisch erhöhen.

Diclofenac: Hohes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Vor allem Risikopatienten seien gefährdet, heißt es seitens Forschern des Leibnitz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS). Obwohl bereits im Jahr 2013 eine Warnung an die deutsche Ärzteschaft ausgesprochen worden war, empfehlen noch immer zu viele Mediziner auch Risikopatienten das Schmerzmittel. Dabei soll Diclofenac laut jenem "Rote-Hand-Brief" bestimmten Patientengruppen nicht mehr verschrieben oder empfohlen werden.

Dazu gehören Patienten mit Herzschwäche, ischämischer Herzerkrankung oder solche mit Erkrankungen, die sich auf die Blutgefäße im Gehirn auswirken. Die BIPS-Forscher hatten Krankenkassen-Daten von 10 Millionen Patienten analysiert und festgestellt, dass auch nach dieser Warnung noch zu viele Verschreibungen getätigt worden waren.

Ärzte verschrieben Diclofenac trotz Warnung weiter

Zwar, so berichtet aponet.de, seien im Jahr 2014, also ein Jahr nach der Warnung, absolut gesehen viel weniger Rezepte für Diclofenac ausgestellt worden als im Vergleichsjahr 2011. Es habe zwar wesentlich weniger Neuverschreibungen gegeben, doch 12 Prozent der Personen, die eine Verschreibung bekommen haben, seien Risikopatienten gewesen. Diese Zahl habe sich auch 2014 im Vergleich zu 2011 nicht verändert.

"Man muss davon ausgehen, dass es aufgrund dieser Verordnungen zu Herzinfarkten und Schlaganfällen kam, die vermeidbar gewesen wären, denn es gibt sichere Alternativen zu Diclofenac", erklärt Studienmitautorin Prof. Dr. Ulrike Haug, Leiterin der Abteilung Klinische Epidemiologie am BIPS. Daher sei mehr Aufklärung in den Arztpraxen zu den Risiken von Diclofenac dringend notwendig, und zwar auch, wenn das Medikament nur kurz und in niedriger Dosis eingenommen werde.

Dänische Langzeitstudie bestätigt Nebenwirkungen

Eine über zehn Jahre andauernde Studie aus Dänemark hat die Nebenwirkungen des Entzündungshemmers jetzt erneut bestätigt. Die Forscher der Universitätsklinik Aarhus berichten, dass das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall im Vergleich zu anderen Schmerzmitteln bei Diclofenac schon nach 30 Tagen Einnahme drastisch steige – nämlich um 90 Prozent bei Herzinfarkt und um 60 Prozent bei Schlaganfall.

Außerdem sei auch das Risiko für Magen-Darm-Blutungen nach regelmäßiger Einnahme von Diclofenac deutlich höher als bei anderen gängigen und rezeptfreien Schmerzmitteln. Grund für die Nebenwirkungen sei auch die recht kurze Wirkdauer von rund zwei Stunden. Patienten würden daher oft höhere Dosen einnehmen.

Diclofenac, ein nicht-steroidales Antirheumatikum, soll infolgedessen nun in Schweden nur noch auf Rezept erhältlich sein. In Deutschland ändert sich jedoch erst einmal nichts: Das Schmerzmittel wird weiter rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sein. Sollten Sie an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, sprechen Sie mit Ihre*r Ärzt*in oder Apotheker*in und fragen Sie nach Alternativen. Einen Schmerzmittel-Vergleich finden Sie hier, dieser ersetzt aber nicht die Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal. Denn auch alle anderen Schmerzmittel sind Medikamente, die Nebenwirkungen mit bringen. So kann Paracetamol vor allem in der Schwangerschaft gefährlich werden oder Ibuprofen kann Unfruchtbarkeit und Depressionen verursachen. Generell gilt: Sie sollten so oft es geht auf den Konsum von Schmerzmitteln verzichten, denn nebst Nebenwirkungen kann es auch sein, dass Sie sich an den Wirkstoff gewöhnen und die Schmerzen irgendwann chronisch werden.

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