12.11.2019

Unangenehmer Parasit Augenwurm-Befall: Wie hoch ist die Gefahr in Deutschland?

Augenwürmer machen sich meist durch ein Fremdkörpergefühl bemerkbar und können etwa Bindehautentzündung auslösen. Meist sind sie harmlos, jedoch unangenehm.

Foto: iStock/JohnnyGreig

Augenwürmer machen sich meist durch ein Fremdkörpergefühl bemerkbar und können etwa Bindehautentzündung auslösen. Meist sind sie harmlos, jedoch unangenehm.

Die Vorstellung, einen Wurm im Auge zu haben, ist gruselig. In den USA wurde jetzt erneut ein Fall bekannt, auch in unseren Breitengraden gab es schon befallene Menschen. Wie hoch Experten die Gefahr einschätzen und warum der Parasit eher bei Tieren zu finden ist, lesen Sie hier.

Er hat viele Namen – und sogar viele Erscheinungen. Als Augenwurm werden diverse Würmerarten bezeichnet, die sich im Körper – meist von Tieren – breitmachen und oft auch in den Augen zu finden sind. Sie können aber in seltenen Fällen auch Menschen befallen. Wie hoch in unseren Breitengraden das Risiko ist, welche Parasiten dieser Art es gibt und welche Probleme sie auslösen, verraten wir Ihnen hier.

Augenwurm: Verschiedene Parasiten-Arten im Auge

Kürzlich wurde in den USA wieder ein Fall bekannt: Einer 68-jährigen Frau wurden Augenwürmer aus den Augen gezogen. Es handelte sich um Würmer der Gattung Thelazia, die in verschiedenen Arten auftreten können. Der Fall der US-Amerikanerin ist die zweite Infektion mit dem Wurm Thelazia gulosa, der sonst vor allem bei Rindern auftaucht. Daneben gibt es von dieser Gattung in Europa noch:

  • Thelazia callipaeda (kommt meist bei Hunden, Füchsen und Wölfen vor, aber auch bei Katzen, und auch bei Menschen sind bereits Fälle aufgetreten)
  • Thelazia rhodesi (tritt meist bei Wiederkäuern auf)
  • Thelazia skrjabini (tritt meist bei Wiederkäuern auf)
  • Thelazia lacrymalis (tritt meist bei Pferden auf)

Die Thelazia-Arten sind etwa 0,5 bis 2 cm lange, milchig- bis gelblich-weiße Parasiten. Sie gehören zu den Nematoden und können von Fliegen übertragen werden. So hat sich auch die Frau aus den USA wahrscheinlich angesteckt.

Ein ähnlicher Augenwurm-Parasit ist der Loa loa oder Wanderfilarie. Der kleine Fadenwurm, der hauptsächlich bei Tieren auftritt, aber sich auch den Menschen als Wirt suchen kann, macht es sich im Unterhautfettgewebe gemütlich, wandert dabei aber auch schnell ins Auge und hat daher seinen umgangssprachlichen Namen.

Frau infiziert sich mit Parasit – der eigentlich nur bei Rindern auftritt

Der Frau aus den USA wurden vier Exemplare des Thelazia gulosa aus den Augen gezogen, wie die Wissenschaftszeitschrift spektrum.de berichtet. Ein Team um Richard S. Bradbury von den US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention hatte in einer Fallstudie darüber berichtet. Sie habe sich die Würmer demnach offenbar zugezogen, als sie in Kalifornien durch einen Schwarm Fliegen gelaufen ist. Der Fall folgt auf einen weiteren aus den USA, wo Ärzte einer 26-jährigen US-Amerikanerin im Jahr 2018 ganze 14 Würmer aus den Augen gezogen hatten.

Eigentlich ernähren sich Thelazia gulosa von der Tränenflüssigkeit von Rindern. Übertragen werden sie etwa durch Stallfliegen, in deren Innereien die Larven reifen. Die Fliegen ernähren sich ebenfalls von der Tränenflüssigkeit von Rindern und geben die Larven so an die Augen der Tiere ab.

Beide Frauen kamen mit Beschwerden wie Bindehautentzündung zum Arzt. Die Beschwerden klangen nach Entfernen der Würmer wieder ab.

Thelazia gulosa galt bis dahin nicht als möglicher Parasit beim Menschen – im Gegensatz zu anderen Arten. Gefährlich ist ein Befall mit den Würmern nicht. Augenwürmer der Gattung Thelazia können Bindehautentzündungen auslösen und sich wie ein Fremdkörper im Auge anfühlen. Der Loa loa wiederum ist für die sogenannte Loiasis, die "Kamerunbeule" verantwortlich, die hauptsächlich in Zentral- und Westafrika vorkommt. Der Fadenwurm lebt sehr lange, weshalb die Beschwerden wie Hautschwellungen über rund zehn Jahre hinweg auftreten können – an wechselnden Stellen, da sich der Wurm bewegt und nicht immer im Auge, in seinem Fall unter der Bindehaut, zu finden ist.

Hinweis auf steigende Zahl an Infektionskrankheiten

Was den Forschern eher Sorge bereitet, sind die so kurz nacheinander auftretenden Fälle der Infektion mit Thelazia gulosa. Sie vermuten, dass die Würmer möglicherweise mehr Rinder befallen und sich dadurch auch mehr Menschen anstecken. Demnach deuteten die Fälle darauf hin, dass es sich um eine neu auftauchende Infektionskrankheit handeln, die beim Menschen zukünftig öfter auftauchen könne. Beim Menschen könne sich der Wurm nach Angaben der Arbeitsgruppe normal ernähren, was auf einen Wirtswechsel hindeuten könne.

Auch wenn der Augenwurm dieser Art nur harmlose Beschwerden hervorruft und bisher in Deutschland beim Menschen nicht aufgetaucht ist, passen die Fälle zum aktuellen Trend, denn es fällt Forschern immer mehr auf, dass neue Infektionskrankheiten bei Menschen und Tieren auftreten oder, wie spektrum.de schreibt, "ihre Reichweite dramatisch vergrößern". Auch der beim Menschen bereits hierzulande entdeckte Verwandte des Wurms, der Thelazia callipaeda, breitet sich in Europa bei Katzen und Hunden, aber auch beim Menschen aus.

Wie spektrum.de bereits im Vorfeld berichtet hat, hat sich die Zahl neu auftretender Infektionskrankheiten seit 1940 fast vervierfacht. Der bisherige Höhepunkt liegt in den 1980er Jahren – wahrscheinlich aufgrund der HIV-Pandemie, durch die wiederum Infizierte anfälliger für andere Infektionskrankheiten wurden. Die Zahl der am HI-Virus erkrankten Menschen ist zwar gesunken, die Infektion kann mittlerweile sehr gut behandelt werden. Doch auch Antibiotika-Resistenzen sowie die starken Klimaschwankungen werden für viele neue Infektionskrankheiten verantwortlich gemacht. Durch die vom Klimawandel verursachten höheren Temperaturen hierzulande breiten sich beispielsweise vermehrt gefährliche Mückenarten aus, die schwerwiegende Krankheiten mit sich bringen. In der näheren Vergangenheit haben sich in Deutschland mehrere Menschen mit dem exotischen West-Nil-Virus infiziert.

Hier finden Sie die Fallstudie von Richard S. Bradbury et al. und hier die Zusammenfassung von spektrum.de.

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