13.11.2019

#WirHabenVöllegefühl Was mache ich bei Völlegefühl? Tipps für die Verdauung

Zu viel und zu reichhaltig gegessen? Nicht nur die Nahrung kann Völlegefühl verursachen. Wir erklären, woher die Probleme kommen und was Sie dagegen tun können.

Foto: iStock / InspirationGP

Zu viel und zu reichhaltig gegessen? Nicht nur die Nahrung kann Völlegefühl verursachen. Wir erklären, woher die Probleme kommen und was Sie dagegen tun können.

Zu viel und vor allem zu schwer gegessen – und schon spannt der Bauch unangenehm. Völlegefühl tritt auf, wenn das Verdauungssystem überfordert ist – kann aber auch ernstere Ursachen haben. Was Sie gegen Völlegefühl tun können, erfahren Sie hier.

Gerade in der Winterzeit sind die Mahlzeiten oft reichhaltiger als im Sommer. Da kommt schon einmal der fette Gänsebraten mit Klößen auf den Tisch und im Nachgang wird die Schokolade angebrochen – und aufgefuttert. Manchmal kennt unser Hungergefühl auch einfach kein Ende. Und dann sitzen wir da, mit unangenehmem Völlegefühl. Die Ursachen dafür sind allerdings nicht nur ein zu vollgefutterter Bauch. Daher ist es wichtig, über Völlegefühl zu sprechen. Doch alles, was mit der Verdauung zu tun hat, wird von den meisten nicht so gerne thematisiert. Dabei können Tipps schnell weiterhelfen oder einen Gang zum Arzt provozieren. Schweigen hilft sicher nicht. #GesundOhneTabus

#GesundOhneTabus: Sprechen wir über Völlegefühl

Zunächst einmal ist es wichtig, zu verstehen, wie Völlegefühl überhaupt entsteht. Dazu schauen wir uns unsere Verdauung an – und die beginnt im Mund. Wenn wir Essen zu uns nehmen, müssen wir es erst einmal kauen. Und auch richtiges Kauen gehört zu einer guten Verdauung dazu, da der Speichel die Nahrung bereits aufspaltet. Der dann geschluckte Speisebrei gelangt über die Speiseröhre in den Magen. Der wiederum kann laut Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI) durchschnittlich zwischen 1,2 und 1,6 Litern fassen.

Vom Magen aus gelangt die Nahrung in kleinen Mengen in den Darm. Wie schnell die Nahrung weitergegeben wird, hängt von der Art der Nahrungsmittel ab. Manche bleiben länger, manche "rutschen" schnell durch. Leicht verdauliche Nahrung sind etwa Obst und Gemüse, die nach ein bis zwei Stunden schon weiter gen Darm geführt werden. Fettiges Essen kann dagegen fünf bis acht Stunden im Magen verweilen. Und diesen vollen Magen spüren wir als Druck im Oberbauch. Ein Völlegefühl entsteht.

Eine andere Art des Völlegefühls kann aber auch spürbar werden, wenn unser Darm zu voll wirkt, etwa weil wir zu wenig Wasser getrunken haben oder gar unter Verstopfung leiden – oder sich etwa durch zu schnelles Essen und blähende Lebensmittel Gase im Darm bilden, die zu Blähungen führen können – ebenso ein Thema, über das ungern gesprochen wird. Das Völlegefühl wird dann noch ausgeprägter wahrgenommen, vor allem auch in Verbindung mit Verstopfung.

Doch auch nach oben kann sich Völlegefühl bemerkbar machen, etwa durch Aufstoßen oder Sodbrennen. Wird der Schließmuskel am Mageneingang nämlich zu sehr beansprucht oder lastet zu viel Druck von unten darauf, kann Magensäure über die Speiseröhre nach oben gelangen und die Schleimhäute reizen. Wir merken dies an saurem Aufstoßen und unangenehmem Brennen im Hals.

Woher kann Völlegefühl kommen? Die Ursachen

Unser Magen teilt uns erst nach etwa 20 Minuten mit, dass er voll ist. Wer also zu schnell und hastig isst, vielleicht auch nicht genügend kaut, bekommt nach dieser Zeit die Quittung mit ausgeprägtem Völlegefühl.

Allerdings kann es auch andere Ursachen haben, dass wir uns voll und aufgebläht fühlen. Denn hinter typischen Magen-Darm-Symptomen können Krankheiten stecken, wie etwa eine Magenschleimhautentzündung oder das Reizdarmsyndrom. Und genau deshalb ist das Sprechen über Völlegefühl so wichtig. Weitere Ursachen für Völlegefühl sind:

  • Zu hastiges, ausgiebiges Essen (zu viel gegessen)
  • Zu viele fettige und/oder süße Speisen
  • Zu viele schwer verdauliche Lebensmittel
  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
  • Magengeschwür
  • Reflux
  • Reizdarm oder Reizmagen
  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Hormonveränderungen bzw. Hormonschwankungen, etwa durch Schwangerschaft oder vor und während der Regelblutung sowie als Symptom der Wechseljahre
  • Schwangerschaft: Das Kind drückt gegen die Verdauungsorgane und lässt dem Magen weniger Platz

Was tun gegen den gespannten Bauch?

Wer nur sporadisch unter Völlegefühl leidet und weiß, dass es am zu schweren Essen liegt, kann selbst ein wenig erste Hilfe leisten. Meist erledigt sich das Spannungsgefühl dann nach einiger Zeit von selbst und kommt bei entsprechend vorbeugendem Verhalten so schnell auch nicht wieder. Wenn Sie zu viel gegessen haben, lesen Sie hier Tipps gegen Völlegefühl, wie etwa Kräutertee, Wärmflasche und vor allem Bewegung. Aber auch bestimmte Lebensmittel wie Sauerkraut oder Rote Bete sowie Leinsamen können helfen. Und generell gilt (vor allem zusätzlich zum Leinsamen-Tipp): viel trinken! Aber bitte Wasser und ungesüßte Kräutertees. Auf zuckerreiche Limonaden, Kaffee und vor allem Alkohol sollten Sie jetzt verzichten. Das gilt auch für Nikotin.

Hausmittel, die bei Völlegefühl NICHT helfen

Es heißt zwar immer: Verdauungsschnaps nach dem Essen oder einen Kaffee zum Nachtisch. Doch diese vermeintlichen Hausmittel helfen nicht gegen das Völlegefühl. Alkohol konnte laut Deutscher Gesellschaft für Gastroenterologie kein Nutzen in Verbindung mit der Verdauung nachgewiesen werden. Im Gegenteil: Ein Schnaps belastet den Magen nur noch mehr und kann die Verdauung sogar hinauszögern. Der einzige Vorteil eines Kräuterschnapses könnten die Kräuter sein – aber die können Sie sich auch mit einem helfenden Kräutertee zugute führen.

Bei Koffein wiederum ist das so eine Sache: Bei manchen Menschen regt der Stoff die Verdauung tatsächlich an, indem er den Darm in Schwung bringt. Das ist jedoch nicht bei jedem der Fall.

Ähnliche Wirkung wird Nikotin zugeschrieben. Auch eine Zigarette kann die Verdauung anregen. Manche merken das etwa an der Kombination Kaffee und Zigarette. Doch diese Wirkung trifft wieder nicht bei jedem zu. Zudem gibt es schonendere Mittel, die die Verdauung normalisieren. Nikotin hingegen schadet dem Körper mehr als es ein kurz angestachelter Stoffwechsel rechtfertigen kann.

Ab zum Arzt bei diesen Beschwerden

Sollten Sie allerdings öfter unter Völlegefühl leiden oder auch unter weiteren Symptomen, ist ein Arztbesuch ratsam. Treten beispielsweise schon mit leerem Magen oder nach dem Verzehr kleiner Mengen an Speisen Bauchschmerzen und Blähbauch sowie Übelkeit und Brechreiz auf, könnten – wie oben genannt – etwa eine Gastritis, also Magenschleimhautentzündung, vielleicht sogar ein Magengeschwür oder beispielsweise ein Reizmagen, auch funktionelle Dyspepsie genannt, ursächlich sein.

Der Hausarzt kann verschiedene Untersuchungen machen, um den Auslöser zu diagnostizieren, wie etwa Blut abnehmen, um Entzündungswerte zu checken, eine Magenspiegelung beim Gastroenterologen veranlassen oder Sie zu einem MRT-Termin schicken. Gehen die Probleme mit Blähungen und Verstopfung einher, kann auch eine Darmspiegelung Aufschluss geben.

Was Sie je nach Diagnose dann selbst tun können: Bei Gastritis hilft es, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten und sich erst einmal auf Schonkost zu besinnen. Eine Ernährungsumstellung kann bei Reizdarm helfen – diese sollten Sie aber immer mit Ihrem Arzt absprechen und eine professionelle Ernährungsberatung in Anspruch nehmen, denn nicht jede Ernährungsform ist für jeden Körper geeignet.

Und auch Stress kann ein Auslöser sein, den Sie gut selbst einschränken können. Wenn Sie unter Verstopfung leiden, können viel Trinken und etwa Leinsamen oder Flohsamenschalen – richtig angewendet – Abhilfe schaffen. Bei akuter Verstopfung können auch bestimmte Medikamente helfen. Ärzte empfehlen etwa Wirkstoffe wie Natriumpicosulfat oder Bisacodyl, die gut verträglich sind.

Völlegefühl durch zu schweres Essen – vorbeugen hilft!

Sollten Sie einfach hin und wieder unter Völlegefühl leiden, ist Vorbeugen die beste Medizin. Diese Tipps helfen:

  • Achten Sie auf Ihre Ernährung: Essen Sie lieber kleinere Portionen über den Tag verteilt, als den Magen zu sehr zu beanspruchen. Bevorzugen Sie dabei leicht verdauliche Kost. Hin und wieder mal ein Festmahl darf es natürlich trotzdem sein, nur sollte es nicht zur Regelmäßigkeit werden.
  • Essen Sie mit Bedacht und Achtsamkeit. Wer lange kaut und dem Magen Zeit gibt, die Sättigung zu melden, kann im richtigen Moment aufhören – nämlich, wenn man satt ist.
  • Bewegen Sie sich ausreichend: Nicht nur nach dem Essen, sondern auch davor hilft regelmäßige Bewegung dabei, den Stoffwechsel auf Trab zu halten.
  • Auf Genussmittel verzichten – oder den Genuss von Alkohol, Nikotin, aber auch Fett und Zucker zumindest einschränken. Am besten ist es natürlich, ganz mit dem Rauchen aufzuhören. Damit tun Sie Ihrem Körper noch mehr Gutes.
  • Stress reduzieren: Stress schlägt auf den Magen – an diesem Sprichwort stimmt so einiges. Unser Verdauungstrakt lässt sich in Stresssituationen schnell aus dem Gleichgewicht bringen. Gönnen Sie sich also immer mal eine Pause und achten Sie auf Ihr eigenes seelisches Wohlbefinden.

Den Magen zu beruhigen kann dem Körper und damit auch Ihrem Geist aber schon viel Stress ersparen. Wir wünschen Ihnen alles Gute.

#GesundOhneTabus

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