01.11.2019

Unsichtbarer Killer CO-Gas Wie erkenne ich Kohlenmonoxidvergiftung, bevor es zu spät ist?

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Eine Kohlenmonoxidvergiftung kommt schleichend. Mit einem speziellen CO-Melder können Sie sich davor schützen, etwa wenn Sie mit einer Gastherme heizen.

Foto: iStock/AdrianHancu

Eine Kohlenmonoxidvergiftung kommt schleichend. Mit einem speziellen CO-Melder können Sie sich davor schützen, etwa wenn Sie mit einer Gastherme heizen.

Man schläft unbemerkt ein und wacht vielleicht nie mehr auf – eine Kohlenmonoxidvergiftung hat oft banale Ursachen: Heizungen, Grills, Shishas.

Immer wieder schockieren Berichte von Menschen die, äußerlich unversehrt, tot aufgefunden werden, meist in ihrem Zuhause – Todesursache: Kohlenmonoxidvergiftung. Nach den aktuellsten Statistiken starben allein im Jahr 2015 hierzulande 648 Personen daran. Wie viele Menschen vergiftet werden und mit dem Leben davonkommen, wird nicht erfasst, ihre Zahl geht wohl in die Tausende. Und manchmal bemerken nicht einmal Ärzte, was wirklich hinter einem plötzlichen Kreislaufzusammenbruch steckt.

PD Dr. Lars Eichhorn von vom Universitätsklinikum Bonn hat als leitender Notarzt des Rhein-Sieg-Kreises selbst schon Menschen mit akuter Kohlenmonoxidvergiftung behandelt. Hier erklärt er, warum sie oft nicht bemerkt wird, wie Sie mögliche Symptome erkennen und was Sie im Notfall sofort tun sollten.

Wie genau entsteht eine Kohlenmonoxidvergiftung?

Kohlenmonoxid (CO) ist ein geruchloses, unsichtbares Gas, das entsteht, wenn Kohlenstoff unvollständig verbrennt. "Wir sind ihm in geringen Konzentrationen häufig im Alltag ausgesetzt, z.B. durch Zigarettenrauch oder beim Grillen, meist ohne Probleme. Wenn der CO-Anteil in unserer Atemluft allerdings zu hoch wird, kommt es zur Vergiftung", erklärt Dr. Eichhorn.

Das Tückische an einer Vergiftung mit Kohlenmonoxid ist, dass ihre Symptome wenig charakteristisch sind. Oft treten unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Kreislaufschwäche und Müdigkeit auf. All das können aber auch Anzeichen anderer Erkrankungen sein, weswegen die Verdachtsdiagnose Kohlenmonoxidvergiftung häufig eher spät gestellt wird, so die Erfahrung des Notarztes. Er gibt außerdem zu bedenken: "Wie schnell sich die Beschwerden nach Vergiftung beim Einzelnen entwickeln, hängt u.a. von der Konzentration des Kohlenmonoxids in der eingeatmeten Luft und von der Expositionszeit ab."

Der Grund: In unserem Blut ist Hämoglobin der Sauerstoff-Transporter. Kohlenmonoxid bindet viel stärker an Hämoglobin als Sauerstoff. Durch diese erhöhte Bindung (Affinität) reichen bereits kleine Mengen von Kohlenmonoxid, um Sauerstoff vom Hämoglobin zu verdrängen – es kommt so zu sagen zu einem Verdrängungswettbewerb. "Unter Umständen kann schon innerhalb weniger Minuten Ohnmacht und Tod durch Ersticken die Folge sein. Das etwas nicht stimmt, bemerken die Betroffenen häufig zu spät oder gar nicht", so Dr. Eichhorn.

Was sind die häufigsten Gefahrenquellen für Kohlenmonoxidvergiftung?

Natürlich sollte niemand sofort in Panik geraten, wenn ihm mal schwindlig wird. Es kann sich auch um andere Schwindelformen, etwa Lagerungsschwindel, handeln. Eine Kohlenmonoxidvergiftung ist nur dann wahrscheinlich, wenn potenzielle Kohlenmonoxid-Quellen in der Nähe sind. Häufig sind das:

  • Falsch gelagerte Holzpellets für Holzpellet-Heizungen – die Lagerräume müssen unbedingt gut belüftet werden!
  • Defekte Gasthermen oder Kohle-Öfen
  • Verwendung von Tischgrills / Einweggrills in geschlossenen Räumen
  • Unmittelbare Nähe zu Bränden (z.B. Wohnungsbrand, Waldbrand)
  • Wenig bekannt, aber häufiger Auslöser von Kohlenmonoxidvergiftung: Shishas (Wasserpfeifen), beim Rauchen oder auch nur beim Aufenthalt in Shisha-Bars.

Dr. Eichhorn: "Tatsächlich habe ich als Notarzt auch schon Patienten behandelt, die nach dem Shisha-Rauchen zusammengebrochen sind, weil Sie eine Kohlenmonoxidvergiftung hatten. Auf den klassischen Wasserpfeifen wird Holzkohle verbrannt, es ist in etwa so, als ob man sich über einen Grill stellen und einatmen würde."

Handeln im Notfall: Hinweise auf Kohlenmonoxidvergiftung melden!

Für Rettungssanitäter und Notärzte ist die Krankengeschichte (Anamnese) daher sehr wichtig. Dr. Eichhorn: "Eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Kohlenmonoxidvergiftung besteht, wenn die symptomatische Person zuvor einer CO-Quelle ausgesetzt war. Beobachter sollten eine mögliche Exposition daher bereits beim Notruf melden."

Beispiel: Sie finden Ihren Partner ohne offensichtlichen Grund nicht ansprechbar in der Wohnung liegen und Sie heizen mit einer Gastherme. Dieses Detail sollten Sie beim Notruf erwähnen, damit die Gefahrenlage richtig eingeschätzt werden kann. Das ist im Notfall mit Verdacht auf Kohlenmonoxidvergiftung weiter zu tun:

  • Wichtig ist dann, dass Sie weitere Schäden abwenden, sich aber nicht selbst in Gefahr bringen.
  • Öffnen Sie Fenster und Türen weit, sorgen Sie für Durchzug.
  • Entfernen Sie sich zügig aus dem Gefahrenbereich und überlassen Sie die Rettung der Feuerwehr.

Wie wird Kohlenmonoxidvergiftung behandelt?

"Es gibt mittlerweile spezielle Messinstrumente für die Bestimmung des Kohlenmonoxid-Gehalts im Blut und in der Umgebungsluft. Einige Notarzteinsatzfahrzeuge in Deutschland sind damit schon standartmäßig ausgestattet", erklärt der Experte. Als erste Maßnahme bekommen Patienten im Rettungswagen hundertprozentigen Sauerstoff. In der Notaufnahme wird dann, je nach Zustand, entschieden, wie weiter behandelt wird. "Wenn die Patienten nur sehr geringe Symptome haben, reicht unter Umständen eine weitere Sauerstofftherapie und Beobachtung, bis der Körper das Kohlenmonoxid abgebaut hat, aus", erklärt Dr. Eichhorn.

In kritischeren Fällen ist aber die Behandlung in einer Druckkammer nötig. Davon gibt es derzeit neun in Deutschland, die 24 Stunden am Tag permanent oder innerhalb von wenigen Stunden bereitstehen. "Die Entscheidung über die weitere Therapie sollte von Fachleuten getroffen werden. Für uns in der Uni-Klinik Bonn sind das räumlich die Druckkammerzentren in Aachen, Düsseldorf oder Wiesbaden. In der Druckkammer wird der Umgebungsdruck so weit erhöht, dass der verabreichte Sauerstoff schneller ins Blut übertritt. So wird das Kohlenmonoxid aus seiner Bindung verdrängt", erklärt der Experte.

Aber auch wenn das Leben gerettet werden konnte, kann der Körper leider langfristig Schaden genommen haben. "Eine überstandene Kohlenmonoxidvergiftung kann Spätfolgen haben, z.B. ist das Risiko für Alzheimer und Demenz, Parkinson und Diabetes Typ 2 erhöht. Es ist noch nicht genau geklärt, welche Mechanismen dazu führen", so Dr. Eichhorn.

So schützen Sie sich zuhause vor Kohlenmonoxidvergiftung

Damit lebensgefährliche Notfälle gar nicht eintreten, empfiehlt der Deutsche Feuerwehrverband folgende Maßnahmen zur Prävention, vor allem, wenn Sie mit Gas heizen:

  • Regelmäßige Wartung der Heizungsanlage, wie es einmal im Jahr Pflicht ist. So kann rechtzeitig festgestellt werden, ob ein Lüftungskanal (z.B. durch Vogelnester) blockiert wird.
  • Sachgemäße Nutzung der Heizanlagen. Bei Etagenheizungen dürfen z.B. die Lüftungsschlitze der jeweiligen Türen der Gasthermen nicht verstellt werden, weil die Anlage sonst zu wenig Sauerstoff erhält.
  • Kohlenmonoxid-Melder – Es gibt Rauchmelder, die auch vor der Freisetzung von Kohlenmonoxid warnen. Das Gerät sollte in der Nähe der Gastherme angebracht werden.

Mehr zu PD Dr. Lars Eichhorn von vom Universitätsklinikum Bonn erfahren Sie hier.

Seine Übersichtsarbeit über Diagnostik und Therapie der Kohlenmonoxidvergiftung lesen Sie auf aerzteblatt.de.

Weitere Tipps und Handlungshinweise bei Verdacht auf CO-Alarm gibt der Deutsche Feuerwehr Verband.

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