27.09.2019

Neue Studie zeigt Kleine Menschen haben höheres Diabetes-Risiko

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Sinkt das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, mit wachsender Körpergröße? Warum kleine Menschen gefährdeter sind, lesen Sie hier.

Foto: iStock/PIKSEL

Sinkt das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, mit wachsender Körpergröße? Warum kleine Menschen gefährdeter sind, lesen Sie hier.

Wie wahrscheinlich jemand Typ-2-Diabetes bekommt, hängt auch von der Körpergröße ab. Wie kommt es zum Nachteil für kleine Menschen?

Diabetes droht immer mehr Menschen in Deutschland, betrifft heute schon jeden Achten. Ob jemand an Diabetes Typ 2 erkrankt, lässt sich zum Teil vorhersagen, wenn Faktoren wie Gewicht und Lebensstil berücksichtigt werden. Es gibt aber offenbar einen weiteren, kaum bekannten Prognose-Faktor: Die Körpergröße. Demnach steigt das Risiko für kleinere Menschen, an Diabetes zu erkranken. Einen eindeutigen Zusammenhang zeigt eine viel beachtete Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke, die im internationalen Fachjournal Diabetologia veröffentlicht wurde. Dafür wurden die Gesundheits-Daten von mehr als 2.500 Menschen analysiert.

Diabetes Typ 2: Mit steigender Körpergröße sinkt das Risiko

Pro 10 cm Größen-Unterschied bei den Testpersonen sank bzw. stieg das Diabetes-Risiko um ganze 37 Prozent. Dabei tritt dieser Effekt bei Männern (41 Prozent) noch stärker zu Tage als bei Frauen (33 Prozent). Besonders ausgeprägt ist dieser Einfluss der Körpergröße auf das Diabetes-Risiko bei normalgewichtigen Menschen.

Lösen fehlende Zentimeter also Diabetes aus? Nein. Als Haupt-Ursachen für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes sind bislang Übergewicht, Bewegungsmangel, falsche Ernährung, genetische Veranlagung und hohes Lebensalter ausgemacht. Die Körpergröße an sich scheint jedoch nicht Ursache für Diabetes zu sein, sondern nur ein Anzeichen, ob ein höheres Risiko dafür besteht. Größere Körper haben andere Eigenschaften als kleinere. Die Eigenschaften von letzteren machen eine Entwicklung von Diabetes Typ 2 wahrscheinlicher.

Hintergrund: Was verursacht Typ-2-Diabetes?

Diabetes Typ 2 entsteht, wenn das körpereigene Hormon Insulin nicht mehr richtig wirkt. Es wird in den sogenannten ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet und ist dafür verantwortlich, dass Glukose aus der Nahrung vom Blut in die Körperzellen kommt. Es kann aber passieren, dass die Körperzellen immer weniger auf das Insulin reagieren.

Dann kommt die Glukose nicht mehr in den Körperzellen an und dringend benötigte Energie fehlt. Die Glukose, die im Blut verbleibt, lässt den Blutzuckerspiegel steigen. Ist er dauerhaft erhöht, verstopft die eingelagerte Glukose die Blutgefäße, was zu teils lebensbedrohlichen Folgeerkrankungen führt.

Die möglichen Gründe für den Diabetes-Größen-Zusammenhang

Wo genau liegen nun die körperlichen Schwachstellen der Kleinen? Als wichtigsten Unterschied konnten die Forscher herausarbeiten: Kleine Menschen haben einen höheren Fettanteil in der Leber. "Vor allem Leberfett trägt zum höheren Risiko bei kleineren Personen bei. Da sich die Körpergröße im Erwachsenenalter nicht mehr verändert, ist die Reduzierung von Leberfett eine Möglichkeit um das Risiko (…) zu verringern," ist eine der Schlussfolgerung der Diabetes-Experten. Mit der richtigen Ernährung kann man einer Fettleber gut entgegenwirken. Zum Glück kann sich die Leber bis zu einem gewissen Grad selbst regenerieren – aber so können wir sie unterstützen.

Weitere Faktoren, bei denen größere Menschen im Vorteil sind: Ihre Körperzellen reagieren sensibler auf Insulin und die ß-Zellen, die es produzieren, arbeiten stärker. Blutdruck und Blutfettwerte sind bei Großen durchschnittlich niedriger. Darüber hinaus kommt es, nach den Erkenntnissen der Forscher, nicht nur auf die gesamte Körpergröße an, sondern speziell darauf, wie lang die Beine sind.

Vor allem bei Männern zeigte sich, dass umso höher die Beinlänge, desto geringer das Diabetes-Risiko. Mögliche Erklärung: Bei Jungen bestimmt vor allem das Wachstum vor der Pubertät die Beinlänge. Das vorpubertäre Wachstum scheint einen stärkeren Effekt auf das Diabetes-Risiko zu haben, als das Wachstum zur endgültigen Körpergröße in der Pubertät.

Wie kann man Diabetes Typ 2 vorbeugen?

Egal, ob groß oder klein, erblich vorbelastet oder nicht – Diabetes Typ 2 ist kein unausweichliches Schicksal. Ganz allgemein gilt erstmal für alle Körpergrößen dasselbe, um das individuelle Diabetes-Risiko zu senken, nach den Empfehlungen der Deutschen Diabetes Stiftung:

  1. Übergewicht abbauen (Tipps finden Sie auch hier in unserem Diät-Themenbereich)
  2. Ausgewogen, zucker- und salzarm ernähren
  3. Mindestens 30 Minuten täglich bewegen
  4. Versteckte Fette (v.a. in Fleisch und Wurst) vermeiden
  5. Auf Softdrinks verzichten
  6. Wenig oder keinen Alkohol trinken
  7. Nicht rauchen
  8. Blutdruck auf normalem Wert halten (lesen Sie hier, wie sie Ihren Blutdruck mit natürlichen Mitteln ohne Tabletten senken können)
  9. Ausreichend schlafen
  10. Stress vermeiden bzw. reduzieren

Außerdem sollte jeder zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt gehen, bei denen auch die Frühwarnzeichen von Diabetes abgeklärt werden, besonders wichtig ist das bei Risikogruppen. Dazu könnten zukünftig, neben übergewichtigen und alten Menschen, auch die mit geringer Körpergröße gehören.

Ab 35 bezahlen die Krankenkassen alle zwei Jahre einen ausführlichen Checkup. Was genau dabei bei welcher Altersstufe untersucht wird, lesen Sie in unserer Übersicht.

Diabetes ist auf dem Vormarsch! Die Zahl der Diabetes-Erkrankten steigt bis 2040 explosionsartig. Hier mehr dazu.

Wie hoch Ihr individuelles Risiko ist, können Sie online beim DIfE testen. Hier finden Sie außerdem die Studie.

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