27.09.2019

Neues zum Weltherztag Herzschwäche? Fernüberwachung kann Leben retten

Mit Telemonitoring können Patienten etwa bei Herzschwäche via Fernmonitoring überwacht werden. Bei Problemen können behandelnde Ärzte aus der Ferne Tipps geben, ohne dass der Patient den mühsamen Weg in die Klinik auf sich nehmen muss.

Foto: iStock/mashuk

Mit Telemonitoring können Patienten etwa bei Herzschwäche via Fernmonitoring überwacht werden. Bei Problemen können behandelnde Ärzte aus der Ferne Tipps geben, ohne dass der Patient den mühsamen Weg in die Klinik auf sich nehmen muss.

Ein schwaches Herz kann schnell lebensbedrohlich werden. Patienten müssten eigentlich regelmäßig beobachtet werden, aber ist das möglich? Ja, mittlerweile schon.

Eine neue Art der begleitenden Medizin hilft dabei, ohne viel Aufwand für Patienten und Ärzte, ein sicheres Leben zu führen und bei aufkommenden Problemen schnellstmögliche Hilfe zu erhalten. Das Konzept lautet: Fernüberwachung bei Herzschwäche.

Priv.-Doz. Dr. Peter Lüdike vom Universitätsklinikum Essen stand BILD der FRAU Rede und Antwort. Er ist bereichsleitender Oberarzt Herzinsuffizienz & Intensivmedizin in der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum (WHGZ).

Wie funktioniert eine Fernüberwachung von Herzschwäche-Patienten überhaupt?

In einem kurzen, 15-minütigen Eingriff mit lokaler Betäubung wird Patienten mit Herzschwäche ein Micro-Implantat eingepflanzt, das mit einem Sensor mit dem "Telemonitoring Zentrum" verbunden ist, wie es am Universitätsklinikum Essen genannt wird.

Erhöht sich beim Patienten der Druck in den Lungengefäßen, registriert das der Chip und leitet die Information ans Telemonitoring Zentrum weiter. "Die Daten werden auf einem sicheren Server gespeichert und täglich von Fachärzten oder speziell geschultem Fachpersonal gesichtet und kontrolliert. So können wir im Ernstfall sofort reagieren", erklärt Dr. Lüdike.

Der Arzt kann also aus der Ferne frühzeitig reagieren und den Patienten kontaktieren – noch bevor dieser selbst Beschwerden verspürt. Im Gespräch zwischen Spezialist und Patient können dann Verhaltensratschläge gegeben oder die Medikation geändert werden: "Der Patient wird telefonisch kontaktiert. Zunächst wird geprüft, ob dem Patienten bereits über eine telefonisch durchgegebene Anpassung seiner Medikation geholfen werden kann", sagt Dr. Lüdike. "Sobald Zweifel daran bestehen, dass dies ausreichend ist, wird dem Patienten empfohlen, sich bei seinem Hausarzt oder direkt in seinem betreuendem Herzzentrum vorzustellen. Generell ist es aber das Ziel des Telemonitorings, dem Patienten unnötige Termine und Wege zu ersparen."

Das Ziel: weniger Notfalleinweisungen, weniger Tode

Die Zahl der Notfall-Einweisungen lässt sich so deutlich verringern, sogar die Todesfallrate kann gesenkt werden – das haben erste Studienergebnisse bereits erkennen lassen. Außerdem wird damit das Personal im Krankenhaus entlastet.

Das Universitätsklinikum Essen hat laut Dr. Lüdike bereits zahlreiche Erfahrungen mit dem Telemonitoring in verschiedenen Bereichen der Herz-Kreislauf-Medizin gemacht – und das macht sich bemerkbar: "Der überwiegende Teil unserer Patienten fühlt sich dadurch sicherer und besser versorgt, da die Patienten engmaschiger betreut werden, ohne dafür zusätzliche Wege auf sich nehmen zu müssen."

Patienten können so auch selbst ihre Blutdruck-, Blutgerinnungs- und Blutzuckerwerte messen und an die Klinik übermitteln. Für jeden Patienten sind in dem System der Klinik Zielwerte hinterlegt. Bei Abweichungen werden der Patient und sein niedergelassener Arzt benachrichtigt.

Implantat-Einsatz ist unkompliziert

Wie das mit dem Implantat funktioniert, erklärt Dr. Lüdike: "Je nachdem um welche Form der Überwachung es sich handelt, ist das Implantat entweder ein Herzschrittmacher oder ein Defibrillator. Beides wird im Bereich des Schlüsselbeins unter die Haut implantiert. Drucksensoren in der Lunge werden bei einem kurzen Eingriff über eine Leistenvene in die Lungenstrombahn eingesetzt."

Das Ganze verläuft für den zu Behandelnden sehr unkompliziert und sicher: "Der Patient ist dabei wach und muss nach dem Eingriff lediglich rund drei Stunden liegen blieben. Am nächsten Tag können die Patienten schon wieder nach Hause."

Telemonitoring muss noch bekannter werden

Problematisch an der Sache sind zur Zeit noch die wenige Abdeckung und die verbundenen Kosten: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Telemonitoring kaum in der gesetzlichen Krankenkasse verankert", erklärt Dr. Lüdike. "Wir erwarten aber, dass sich das in naher Zukunft ändern wird. Dadurch würde der Zugang zu Methoden wie der Fernüberwachung einfacher und es könnten mehr Patienten per Telemonitoring überwacht werden."

Das Universitätsklinikum Essen gehört zu Deutschlands erstem Smart Hospital – dort wird zurzeit ein Netzwerk von verschiedenen spezialisierten Herzinsuffizienz-Kliniken im Ruhrgebiet aufgebaut. Auf Datenschutzrichtlinien nach gesetzlichen Standards wird dabei geachtet.

Aktuell sind, alle Formen der Überwachung zusammengefasst, laut Dr. Lüdike weit über 100 Patienten in der telemonitorischen Betreuung, das Programm wird aber weiter ausgebaut.

Ein genereller Anspruch auf eine Fernüberwachung bei einem solchen Herz-Kreislauf-Problem lässt sich allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fomulieren, erklärt der Fachmann. "Allerdings gibt es zahlreiche Patientengruppen, bei denen eine Fernüberwachung mittels Telemonitoring jetzt schon Standard ist. Dazu zählen beispielsweise Patienten mit Herzschrittmachern, implantierten Defibrillatoren oder Drucksensoren in der Lungenstrombahn."

Eine Herzschwäche kann etwa entstehen, wenn eine Herzmuskelentzündung nicht richtig auskuriert wird und das Herz dann an Leistungskraft verliert. Die Symptome, etwa Nykturie, also häufiges nächtliches Wasserlassen, beachten und sich schonen ist daher äußerst wichtig.

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