20.09.2019

Kommt bald die Super-Grippe? Neues Influenza-Virus beunruhigt Ärzte

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Ein neues Influenza-Virus gibt Forschern Grund zur Sorge. Aber kann es auch für den Menschen gefährlich werden?

Foto: iStock/gevende

Ein neues Influenza-Virus gibt Forschern Grund zur Sorge. Aber kann es auch für den Menschen gefährlich werden?

Dass Influenza-Viren sich ständig wandeln, ist nichts Neues, doch wenn ein Virus so anpassungsfähig ist wie ein kürzlich entdecktes, gibt das Forschern zu denken – vor allem, wenn die Ansteckungsgefahr für den Menschen nicht ausgeschlossen werden kann.

Das Influenza-Virus ist in der breiten Masse gefürchtet – kein Wunder, es kommt so häufig vor, dass es jährlich zur Grippe-Zeit viele Menschen ans Bett fesselt. Das Virus, das die "echte" Grippe, also die Virusgrippe auslöst, hat noch einen weiteren gefährlichen Nachteil: Es wandelt sich schnell. Das ist auch der Grund, warum die Grippeimpfung im Jahr 2018 bei so vielen Geimpften nicht gewirkt hat. 2019 gab es dann einen neuen sogenannten Vierfachimpfstoff. Doch Forscher sind beunruhigt: Sie haben eine neue Art der Influenza-Viren entdeckt, die stark anpassungsfähig ist – sich also noch schneller weiterentwickeln und die neuen Varianten so etwa immun gegen Impfstoffe werden oder andere Lebewesen befallen können.

Neues Influenza-Virus ist stark anpassungsfähig

Gefunden wurde das Virus in Fledermäusen. Forscher aus Deutschand und den USA haben es entdeckt und die schnelle Anpassungsfähigkeit festgestellt. Das Gravierende: Eine Ansteckungsgefahr für den Menschen können sie bislang nicht ausschließen. Allerdings gilt dieser Satz als mit Vorsicht zu genießen, denn laut den Forschenden seien die Übertragungseffekte zu anderen Tieren und Menschen bisher einfach schwer einschätzbar. Daher gehe man vom "Schlimmsten" aus.

Beim Virus handelt es sich um den Influenza-Stamm H18N11. Er wurde von Forschenden des Universitätsklinikums Freiburg, des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) sowie der US-amerikanischen Colorado State University und Kansas State University untersucht. In einer Mitteilung schreiben die Forschenden, dass der Virustyp eine überraschend hohe Anpassungsfähigkeit habe, die die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf andere Arten, so auch den Menschen, schwer vorhersagbar mache. Man vermute aber eine geringe Ansteckungsgefahr für den Menschen.

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Virus kann sich schneller verbreiten

"Influenza-Viren besitzen generell eine hohe Mutationsrate", sagt Prof. Dr. Martin Schwemmle, Studien- und Forschungsgruppenleiter am Institut für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg. "Dennoch waren wir überrascht, in wie kurzer Zeit Viren des Typs H18N11 in Zellkultur genetische Veränderungen entwickeln."

Vor allem in der Verbreitung seien die Veränderung ausschlaggebend – das Virus könne sich demnach schneller verbreiten als andere bekannte Stämme. Bei den Untersuchungen fanden die Forscher Belege für die bislang unbekannte Funktion des viralen, Neuraminidase-ähnlichen Proteins: Indem es die Konzentration des Immunproteins MHC-II an der Zelloberfläche reguliert, ermöglicht es eine effiziente Freisetzung infektiöser Viren aus infizierten Wirtszellen.

Ansteckungsrisiko für den Menschen wahrscheinlich aber gering

Doch was das Ansteckungsrisiko für den Menschen betrifft, gibt sich Prof. Dr. Schwemmle vorsichtig optimistisch: "Frettchen haben sich als Tiermodell für die Übertragungswahrscheinlichkeiten anderer Influenza-Viren auf Menschen bewährt. Wenn das auch für unseren Virus-Typ der Fall ist, gibt es unseres Wissens keine Anzeichen für ein relevantes Infektionsrisiko." Eine natürliche Übertragung sei aber nicht auszuschließen, sagt er: "Besonders schwierig ist die Risiko-Einschätzung aufgrund der hohen genetischen Anpassungsfähigkeit des Virus."

Jetzt arbeiten die Forschenden an Folgestudien, die weiteres Licht in die Anpassungsfähigkeit des Virustyps H18N11 sowie die Funktionsweise des viralen Proteins bringen sollen.

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Menschen müssen sich wegen dieses neuen Virustyps jedenfalls keine Sorgen machen: Die Super-Grippe kommt erst einmal nicht. Doch dass weiter an Influenza-Viren geforscht wird, ist wichtig, denn die schnelle Anpassungsfähigkeit der Virenart kann schnell gefährlich werden.

Dennoch, die Grippesaison steht uns in den nächsten Monaten wieder bevor. Und gerade für Menschen mit schwachem Immunsystem, etwa Senioren, ist eine Grippe-Imfpung sinnvoll. Wir räumen mit Nebenwirkungs-Mythen auf.

Manchmal handelt es sich zum Glück auch nur um einen grippalen Infekt. Was eine einfache Erkältung von einer Grippe unterscheidet, lesen Sie bei uns, ebenso weitere Infos zum Thema Impfung.

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Veröffentlicht wurden die Forschungsergebnisse in einer Meldung, die auf einem Bericht im Fachmagazin "Nature Microbiology" fußt.

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