16.09.2019

Mundgesundheit Zahnschmerzen! Was hilft, was steckt dahinter?

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Zahnschmerzen haben vielfältige Ursachen. Bei allen heißt es aber: lieber auf Hausmittel verzichten und ab zum Zahnarzt! Nur so werden Sie die Beschwerden ohne Langzeitfolgen wieder los.

Foto: iStock/GlobalStock

Zahnschmerzen haben vielfältige Ursachen. Bei allen heißt es aber: lieber auf Hausmittel verzichten und ab zum Zahnarzt! Nur so werden Sie die Beschwerden ohne Langzeitfolgen wieder los.

Sie haben die Macht mit Pochen und Stechen den Tag zu ruinieren – Zahnschmerzen. Ob Hausmittel helfen und wo die Ursachen liegen, lesen Sie hier.

Zahnschmerzen spürt fast jeder Mensch einmal im Leben und wird sie wahrscheinlich auch nie mehr vergessen. Je nach Schmerzempfindlichkeit und Grundproblem sind sie mindestens unangenehm bis unerträglich. Die Zahnschmerzen nur mit Tabletten ruhig zu stellen, ist dann keine gute Taktik – es muss immer der Zahnarzt ran! Sonst werden aus relativ harmlosen Zahnschmerz-Ursachen langfristige Schäden und teure Behandlungen.

Süßes als Ursache: Wie Zucker zu Zahnschmerzen führt

Grundsätzlich kommen Zahnschmerzen immer daher, dass die sehr empfindlichen Nerven im Zahninnern gereizt werden. Die bekannteste Ursache für Zahnschmerzen ist Karies. Werden die Zähne nicht ausreichend gesäubert, kann sich Zahnbelag bilden. Richtig Zähneputzen ist also unvermeidbar.

Kariesbakterien siedeln sich an. Sie wandeln Zucker in zahnschädigende Säuren um. Diese greifen zunächst den Zahnschmelz an. Nach einer längeren Zeit kann ein Loch im Zahn entstehen. Ist schließlich das Zahnbein, auch Dentin genannt, im Inneren betroffen, reizt dies die Nervenzellen im Zahnmark. Sie leiten den Schmerz weiter.

Dringen Kariesbakterien sogar bis in die Zahnwurzel vor, kann sich der Zahnnerv entzünden. Greift die Entzündung über die Wurzelspitze bis in den Kieferknochen und das umliegende Gewebe über, zeigt sich als typisches Anzeichen eine erwärmte Schwellung, die klassische "dicke Backe". Sie ist oft mit Eiteransammlung (Abszess) verbunden und meist sehr schmerzhaft. Eine Wurzelbehandlung und eine Öffnung der Schwellung sind dann notwendig.

Weitere Ursachen: Zahnschmerzen durch Parodontitis, Füllungen und Co

Die Zahnnerven reagieren nicht nur gereizt, wenn sie von Bakterien angegriffen werden. Bei freiliegenden Zahnhälsen durch eine Parodontitis, also einer Entzündung des zahnumgebenden Gewebes, oder falsches Zähneputzen können Zähne auf die Reize süß, sauer, heiß und kalt empfindlich reagieren. Das ungeschützte Zahnbein leitet den Schmerz weiter. Sogar Behandlungen, die eigentlich die Zähne schützen, können Auslöser sein: Zahnschmerzen nach Füllung oder anderen Eingriffen sind nicht selten. Ist Zahnersatz (Kronen und Brücken) abgenutzt und beschädigt, schützt er das empfindliche Zahninnere nicht mehr richtig. Auch wenn Milch- oder Weisheitszähne durchbrechen, sind Schwellungen und Zahnschmerzen nicht selten eine Folge.

Außerdem liegen die Ursachen für Zahnschmerzen manchmal auch nicht direkt im Mund / Kiefer sondern in anderen Körperteilen, von denen die Schmerzen ausstrahlen, z.B. bei Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) oder Migräne.

Was lindert Zahnschmerzen? Hausmittel nur bedingt

Schmerzen sind ein Signal des Körpers, dass etwas nicht stimmt, etwa bei Karies. "Je tiefer die Karies vordringt, desto stärker wird der Schmerz", verdeutlicht Prof. Dr. Elmar Hellwig, Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie des Universitätsklinikums Freiburg. "Oft strahlen die Zahnschmerzen bis in den Ober- beziehungsweise Unterkiefer und können sich zu den Schläfen hochziehen."

Nur ein Zahnarzt kann den wahren Grund für Zahnschmerzen feststellen. Hausmittel und Tabletten können Linderung bis zur Behandlung verschaffen, können aber nie alleinige Therapie sein. Das gilt auch für Zahnschmerzen, die nicht plötzlich, sondern in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen auftreten. Gehen Sie daher so schnell wie möglich zum Zahnarzt und geben Sie ihm einen Überblick über die Intensität und Dauer Ihrer Zahnschmerzen. Angst vorm Zahnarzt-Besuch? Hier gibt es die besten Strategien dagegen.

Akute Zahnschmerzen: Was hilft, was schadet

Bei starken Zahnschmerzen können Tabletten aus der Apotheke (freiverkäufliche Schmerz- und Entzündungshemmer wie z.B. Ibuprofen und Paracetamol) die Schmerzen erträglicher machen. Längerfristig sollten gegen Zahnschmerzen Tabletten aber nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden, da auch rezeptfreie Mittel Leber, Nieren und Magen schädigen können.

Wer Zahnschmerzen durch Hausmittel bekämpfen will, sollte Gewürznelken ausprobieren, denn sie wirken örtlich antibakteriell. Aber Vorsicht: Bei Überempfindlichkeit können sie die Mundschleimhaut reizen. Um durchzuhalten, kann eine Kühlpackung helfen, die Schwellungen und Zahnschmerzen reduzieren kann. Dabei ist es wichtig, das Kühlpad nicht direkt, sondern in ein Leintuch eingewickelt, auf die Haut zu legen. Empfehlenswert: Kühlen im Intervall. Das bedeutet, kühlen, pausieren, kühlen, pausieren usw. Mundspülungen mit kaltem Salbei- und Kamillentee wirken zusätzlich antientzündlich.

Worauf Sie bei Zahnschmerzen unbedingt verzichten sollten: Warme sowie koffeinhaltige Getränke – Kaffee ist damit absolut tabu – Alkohol und Rauchen. Sonst müssen Sie mit einer viel schlimmeren Entzündung und damit noch schlimmeren Zahnschmerzen rechnen.

Zahnärztlicher Notdienst für Zahnschmerzen am Wochenende

Zahnschmerzen treten mit Vorliebe am Wochenende oder an Feiertagen auf, zumindest gefühlt. Dafür bieten Zahnarztpraxen bundesweit einen Notdienst für Patienten an.

Eine Übersicht über Notfall-Praxen gibt es z.B. bei der Initiative proDente oder, je nach Bundesland, bei den regionalen Zahnärztekammern.

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