13.09.2019

Wer hat das höchste Risiko? Endokarditis – der leise Herztod durch Bakterien

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Ausgeprägtes Schwächegefühl kann ein Zeichen von Endokarditis sein. Warum Sie schnell zum Arzt gehen sollten.

Foto: iStock/PredragImages

Ausgeprägtes Schwächegefühl kann ein Zeichen von Endokarditis sein. Warum Sie schnell zum Arzt gehen sollten.

Bakterien, die normal im Mund vorkommen, können zur lebensbedrohlichen Herzentzündung führen. Wer ist für Endokarditis besonders gefährdet?

Sie entwickelt sich innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen und bleibt zunächst meist unentdeckt, manchmal bis es zu spät ist - die infektiöse Endokarditis, eine bakterielle Entzündung der Herzinnenhaut, ist unbehandelt lebensbedrohlich. Die Herzinnenhaut (Endokard) kleidet die Herzhöhlen, wie auch die Herzklappen aus. Sie sind meistens von der Infektion betroffen.

Theoretisch kann die Endokarditis jeden treffen, besonders gefährdet sind aber vorgeschwächte Menschen, die defekte oder künstliche Herzklappen haben. Die fatale Folge: Das kann den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen. Was genau die infektiöse Endokarditis auslöst, welches die besonderen Risikogruppen sind und wie die sich schützen können, lesen Sie hier, unter fachlicher Beratung des Kardiologen Prof. Dr. med. Thomas Meinertz von der Deutschen Herzstiftung.

Endokarditis-Risikofaktor Nr. 1: Herzklappen-Schwäche

Unsere Herzklappen leisten Schwerstarbeit! Durch sie pumpt das Herz mit 60-90 Kontraktionen pro Minute rund 100.000 Mal pro Tag Blut in den Kreislauf des Menschen. Dem lebenslangen Öffnen und Schließen halten die Herzklappen stand, weil ihr stabiles Bindegewebe Meister darin ist, sich selbst zu reparieren.

Hintergrund: Unser Herz aus besteht aus insgesamt vier Herzhöhlen, jeweils zwei Vorhöfe und zwei Kammern. Die Herzklappen trennen sie voneinander und funktionierten wie Ventile, die den Blutstrom regulieren.

Mit fortschreitendem Alter kommt es im Körper zu Verkalkungen, auch an den Herzklappen. Sie können sich dadurch verengen, unelastisch und undicht werden. Die Versorgung des Körpers mit sauerstoffreichem Blut kann irgendwann nicht mehr gewährleistet werden. Dann können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, unter anderem künstliche Herzklappen. Neben Verkalkung können auch angeborene Herzfehler oder bestimmte Krankheiten die Herzklappen schädigen und anfälliger für Endokarditis machen. Hinzu kommt bei vielen Patienten, dass ihr Immunsystem geschwächt ist, z.B. durch (Herz-)Operationen, Medikamente, das natürliche Altern – ein Teufelskreis.

Wie Bakterien Endokarditis auslösen

Die Gefahr für Endokarditis besteht besonders dann, wenn größere Mengen von Bakterien in den Blutstrom gelangen. Das passiert uns Menschen gar nicht so selten, z.B. bei einer professionellen Zahnreinigung. "Am häufigsten gelangen Bakterien aus der Mundhöhle und von infizierten Hautstellen ins Blut. Zu einer Einschwemmung größerer Mengen von Bakterien kommt es meist bei Eingriffen in der Mundhöhle oder an der bakteriell infizierten Haut", erklärt Prof. Meinertz. Ein hohes Bakterien-Potential bergen auch medizinische Hilfsmittel: "Nicht selten sind auch infizierte Injektionskanülen, dauerhafte Venenkatheter und Implantate der Auslöser", so der Kardiologie-Experte.

Bei einem gesunden Menschen tötet das Immunsystem die Keime innerhalb kurzer Zeit ab und sie reichern sich in einem gesunden Herzen in der Regel auch nicht an. Bei der infektiösen Endokarditis kommt es aber zu sogenannten Vegetationen auf der Herzinnenhaut und besonders den Klappen. Vegetationen bestehen u.a. aus Bakterien- und Entzündungszellen. Sie können die Herzklappen – auch künstliche – ganz oder teilweise zerstören, außerdem besteht die Möglichkeit, dass sich Gerinnsel ablösen und im Blutkreislauf Gefäße verstopfen mit lebensgefährlichen Folgen wie Schlaganfall und Thrombose.

Die Symptome: Endokarditis zeigt sich nicht eindeutig

Ähnlich wie die gefährliche Herzmuskelentzündung zeigt die Herzinnenhautentzündung eine Reihe von Symptomen, die auch die Begleiterscheinungen vieler harmloserer Krankheiten sind. Ärzte berücksichtigen bei der Diagnose der Endokarditis, ob Herz- und Herzklappen vorgeschädigt sind und ob sich Bakterien im Blut finden lassen. Die spürbaren Anzeichen einer Endokarditis sind u.a.:

  • Verstärktes Schwitzen
  • Erschöpfung
  • Schneller Herzschlag
  • Appetitlosigkeit
  • Fieber und Schüttelfrost

Endokarditis-Prophylaxe nicht nur für Risikogruppen

Vorbeugende Maßnahmen können das Risiko der Bakterieneinschwemmung bzw. einer infektiösen Endokarditis deutlich mindern. Zu diesen Maßnahmen gehört es, auf Haut- und Mundhygiene zu achten, Wunden gründlich zu desinfizieren und auf Piercings und Tattoos zu verzichten. Außerdem müssen natürlich bei einer bakteriellen Infektionskrankheit Antibiotika immer genau wie vom Arzt angeordnet eingenommen werden. Diese Empfehlungen gelten für alle Menschen. Besonders wichtig sind sie für die Patienten, die ein erhöhtes Risiko haben. Tipps und weitere Empfehlungen sind zusammengefasst im Faltblatt "Ist Endokarditis vermeidbar?" der Deutschen Herzstiftung.

Wer muss Antibiotika zur Endokarditis-Prophylaxe nehmen?

Nur Hochrisikopatienten sollten, laut Prof. Meinertz, vor bestimmten Eingriffen eine vorbeugende antibiotische Therapie erhalten. Dazu zählen Patienten mit künstlichen Herzklappen, Patienten nach Wiederherstellung von Klappen (Klappenrekonstruktion), Patienten, die mit einer kathetergestützten Klappentherapie (TAVI, MitraClip) behandelt wurden. Zu den Patienten mit hohem Risiko zählen auch diejenigen, die bereits in der Vergangenheit an einer infektiösen Endokarditis gelitten haben, sowie Menschen mit angeborenen Herzfehlern.

Grundsätzlich sollte die Behandlung mit Antibiotika für Hochrisikopatienten bei allen Eingriffen im Bereich der Mundhöhle erfolgen, bei denen Bakterien in den Blutstrom gelangen können. Zum Beispiel bei der Zahnreinigung, der Wurzelbehandlung, dem Zahnziehen und dem Einsatz von Implantaten. Eine Vorbeugung mit Antibiotika ist auch notwendig, wenn Infektionen im Bereich der Haut operativ behandelt werden.

Mehr zum Thema Herz-Kreislauf finden Sie auf unserer Themenseite.

Tipp: Der Ausweis zur Endokarditis-Prophylaxe und das Faltblatt "Ist Endokarditis vermeidbar?" kann kostenlos bei der Deutschen Herzstiftung bestellt werden oder per E-Mail an: bestellung@herzstiftung.de (Stichwort: Endokarditis-Ausweis), außerdem telefonisch unter 069 955128-400.

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